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Retourenmanagement: Retourenquote senken, Marge retten

Dirk Kreuter
Dirk Kreuter auf blau ausgeleuchteter Bühne am Pult mit DK-Schriftzug, Vortrag über Retourenmanagement

Ein Händler für Arbeitsschutz und Werkzeug feiert einen Rekordmonat. 620.000 Euro Umsatz, das beste Ergebnis seit der Firmengründung. Die Vertriebsmannschaft bekommt eine Prämie, der Chef postet die Zahl.

Sechs Wochen später liegt der Monatsabschluss auf dem Tisch. Der Deckungsbeitrag ist schlechter als im Vormonat — bei mehr Umsatz. Im Lager stehen 240 Pakete, die zurückgekommen sind. Zwei Mitarbeiter machen seit Wochen nichts anderes, als auspacken, prüfen, umpacken, gutschreiben.

Auf keiner Rechnung steht, was dieser Stapel gekostet hat. In keiner Vertriebsauswertung taucht er auf. Der Umsatz wurde gefeiert, die Rückabwicklung wird verwaltet — von der Logistik, still, in einer Ecke der Halle.

Hier ist der Satz, der diesen Artikel trägt: Jede Retoure ist ein Verkauf, der zweimal Geld gekostet hat und keines gebracht hat. Einmal für die Akquise, den Versand und die Abwicklung. Einmal für die Rücknahme, die Prüfung und den Wertverlust. Dazwischen ist kein Euro Marge entstanden.

Deshalb ist Retourenmanagement kein Logistikthema. Es ist ein Vertriebs- und Marge-Thema — und die häufigste Ursache sitzt nicht im Paket, sondern im Verkaufsgespräch.

Was ist Retourenmanagement?

Retourenmanagement ist die Steuerung aller Abläufe, die eine Rücksendung auslöst: die Rücksendeanmeldung, der Rücktransport, der Wareneingang, die Prüfung, die Entscheidung über Gutschrift, Austausch oder Reparatur, die Wiederaufbereitung und Wiederverwertung der Ware, die kaufmännische Abwicklung und die Auswertung der Ursachen.

Die Fachliteratur nennt den ersten Teil reaktives Retourenmanagement — den Vorgang sauber und billig abwickeln, wenn er da ist. Der zweite Teil heißt präventives Retourenmanagement: dafür sorgen, dass der Vorgang gar nicht entsteht.

Und genau da liegt der Fehler in fast jedem Betrieb. Der reaktive Teil hat einen Prozess, ein Team und eine Software. Der präventive Teil hat niemanden. Er müsste im Vertrieb, im Produktmanagement und in der Qualitätssicherung sitzen — dort fühlt sich für Rücksendungen aber keiner verantwortlich.

Merk dir die Arbeitsteilung: Der Prozess senkt die Kosten je Vorgang. Die Ursachenarbeit senkt die Anzahl der Vorgänge. Nur das zweite bringt dir die Marge zurück.

Die Retourenquote richtig rechnen: Stück oder Wert

Die Retourenquote ist die Leitkennzahl im Retourenmanagement. Es gibt sie in zwei Varianten, und die meisten Betriebe kennen nur die falsche.

Retourenquote nach Stück = zurückgesendete Einheiten ÷ verkaufte Einheiten × 100
Retourenquote nach Wert = Wert der Rückläufer ÷ Nettoumsatz × 100

Beispielrechnung — alle Zahlen sind frei gewählte Beispielwerte, die den Rechenweg zeigen, keine Branchendaten.

Der Händler aus dem Eingangsbeispiel, ein Monat:

  • Verkaufte Positionen: 4.000
  • Nettoumsatz: 620.000 Euro
  • Zurückgesendete Positionen: 240
  • Wert der Rückläufer: 74.400 Euro

Daraus:

  • Stückquote: 240 ÷ 4.000 × 100 = 6 %
  • Wertquote: 74.400 ÷ 620.000 × 100 = 12 %

Dieselbe Firma, dieselbe Woche, doppelter Wert. Der Grund: Zurück kommen die teuren Artikel. Die Akkumaschine für 890 Euro, nicht die Packung Schrauben für 4,90 Euro. Wer nach Stück rechnet, hält sich für einen Betrieb mit 6 Prozent Retouren und verliert an Marge, was ein Betrieb mit 12 Prozent verliert.

Die Wertquote ist die ehrlichere Zahl, weil deine Kosten am Wert hängen, nicht an der Menge. Rechne beide, steuere mit der Wertquote. Und rechne sie zusätzlich getrennt nach Produktgruppe, nach Vertriebskanal und nach Verkäufer. Erst diese Aufteilung zeigt, wo die Ursache sitzt — der Gesamtwert zeigt nur, dass es eine gibt.

Was eine Retoure wirklich kostet

Jetzt der Kern des Themas. Wer Retourenmanagement steuern will, braucht genau diese Zahl. Die meisten Unternehmer schätzen die Kosten einer Rücksendung auf das Rückporto. Sieben oder acht Euro, unangenehm, aber verkraftbar. Hier ist die vollständige Rechnung.

Beispielrechnung, wieder mit frei gewählten Werten. Ein durchschnittlicher Rückläufer aus dem Beispiel oben: 310 Euro Nettoverkaufspreis (74.400 Euro ÷ 240 Vorgänge). Vollkostensatz im Lager: 33 Euro pro Stunde, also 0,55 Euro pro Minute.

  • Rückversand (Retourenlabel, das du bezahlst): 7,90 Euro
  • Wareneingang und Sichtprüfung, 12 Minuten: 6,60 Euro
  • Technische Prüfung und Funktionstest, 8 Minuten: 4,40 Euro
  • Wiederaufbereitung und Neuverpackung, Material 4,20 Euro plus 9 Minuten Arbeit: 9,15 Euro
  • Kaufmännische Abwicklung — Gutschrift, Buchung, Rückfrage beim Kunden, 10 Minuten: 5,50 Euro
  • Wertverlust: 40 % der Rückläufer sind nur noch als B-Ware verkäuflich, Abschlag 25 % — im Durchschnitt 0,40 × 0,25 × 310 Euro: 31,00 Euro
  • = Retourenkosten je Vorgang: 64,55 Euro

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64,55 Euro. Das Achtfache des Rückportos, mit dem gerechnet wurde.

Und das ist erst die eine Hälfte. Die zweite Hälfte steht in keiner Kostenaufstellung: die Marge, die dieser Verkauf hätte bringen sollen. Bei 38 Prozent Deckungsbeitrag sind das 117,80 Euro je Vorgang, die im Monatsergebnis fehlen — nicht als Ausgabe, sondern als Nichteinnahme. Wie du diese Größe für dein Sortiment sauber ermittelst, steht unter Deckungsbeitrag.

Zusammengeführt, ein Monat, 240 Vorgänge:

  • Direkte Retourenkosten: 240 × 64,55 Euro = 15.492 Euro
  • Entgangener Deckungsbeitrag: 240 × 117,80 Euro = 28.272 Euro
  • Monatsbelastung zusammen: 43.764 Euro
  • Auf zwölf Monate: 525.168 Euro

Eine halbe Million. Bei einem Betrieb mit rund 7,4 Millionen Jahresumsatz. Das ist keine Logistikposition, das ist der Gewinn.

Und jetzt die Gegenrechnung, die die Arbeit lohnend macht: Senkst du die Wertquote von 12 auf 9 Prozent, sind das 60 Vorgänge weniger im Monat. 60 × 64,55 Euro gespart, 60 × 117,80 Euro Deckungsbeitrag gerettet — 10.941 Euro pro Monat, rund 131.000 Euro im Jahr. Ohne einen einzigen Neukunden.

Ein Hinweis zur Verbuchung: Der Aufwand für Prüfung, Aufbereitung und Abwicklung landet bei dir im Gemeinkostenblock und verteilt sich über den Zuschlagssatz auf alle Aufträge — auch auf die, die niemand zurückschickt. Deine sauberen Kunden bezahlen deine Retouren mit. Wie dieser Mechanismus rechnerisch funktioniert, steht unter Gemeinkosten.

Die Ursachen, ehrlich sortiert

Fünf Ursachen erklären fast jede Rücksendung. Präventives Retourenmanagement heißt: an diesen fünf arbeiten, nicht am Formular. Für jede gibt es eine Gegenmaßnahme — und die Reihenfolge ist nach Wirkung sortiert, nicht nach Bequemlichkeit.

Falsche Erwartung

Die größte Gruppe, und die einzige, die vollständig bei dir liegt. Die Ware ist in Ordnung, sie ist nur nicht die, die der Kunde erwartet hat. Falsche Größe, falsche Leistung, falsche Anwendung, ein Zubehörteil, das nicht dabei war. Entstanden ist die Erwartung in deiner Produktbeschreibung oder in deinem Verkaufsgespräch.

Gegenmaßnahme: Produktdaten vollständig und schmerzhaft ehrlich. Maße, Gewicht, Lieferumfang, technische Grenzen, Kompatibilität, echte Fotos statt Renderings, Größentabellen mit Anwendungsbeispielen. Und im Verkauf: Erwartung geradeziehen, statt sie zu bedienen.

Qualitäts- und Transportschäden

Ware kommt defekt an oder fällt in den ersten Tagen aus. Diese Gruppe ist die teuerste, weil sie zusätzlich das Vertrauen kostet.

Gegenmaßnahme: Wareneingangsprüfung beim Lieferanten ernst nehmen, Verpackung nach Fallhöhe statt nach Materialpreis auslegen, Schadensquote je Spediteur messen und den schlechtesten wechseln. Und: Jeder Defekt geht mit Artikelnummer und Fehlerbild zurück an den Einkauf. Ohne diese Rückmeldung bestellst du den Fehler nach.

Auswahlbestellungen

Der Kunde bestellt drei Varianten und behält eine. Im Endkundengeschäft mit Bekleidung Alltag, im B2B seltener, aber vorhanden — etwa wenn ein Monteur zwei Werkzeuge kommen lässt und das schlechtere zurückschickt.

Gegenmaßnahme: Beratung vor der Bestellung statt Auswahl nach der Lieferung. Größenberater, Auswahlassistent, ein Anruf bei Warenkörben über einem Schwellenwert. Ein Telefonat von vier Minuten ist billiger als zwei Rückläufer zu 64,55 Euro.

Kaufreue

Der Kunde hat spontan gekauft, ihn holt der Kontostand ein. Häufig bei aggressiver Rabattwerbung und bei Verkäufen unter Zeitdruck.

Gegenmaßnahme: Weniger Druck im Abschluss, mehr Klarheit über den Nutzen. Verkäufe, die über künstliche Verknappung entstehen, kommen mit erhöhter Wahrscheinlichkeit zurück. Ein Auftrag, den der Kunde am nächsten Morgen bereut, war kein Auftrag — er war eine Zwischenbuchung.

Missbrauch

Die kleinste Gruppe, die aber die meiste Aufmerksamkeit bekommt: gebrauchte Ware zurück, ausgetauschte Teile, Serienretournierer. Real, aber selten — und der teuerste Fehler ist, wegen dieser Gruppe die Regeln für alle anderen zu verschärfen.

Gegenmaßnahme: Retourenquote je Kunde in der Kundenakte führen. Bei Auffälligkeit das Gespräch suchen, nicht den Prozess umbauen. Im Wiederholungsfall Zahlungsarten einschränken oder die Geschäftsbeziehung beenden. Punkt.

Retouren reduzieren beginnt im Verkaufsgespräch

Das ist der Teil, den kein Logistikartikel zum Retourenmanagement bringt, und er ist der wichtigste.

Ein Verkäufer, der zu viel verspricht, produziert die Retoure. Er bekommt seine Provision, der Umsatz steht im Monat, und drei Wochen später zahlt das Lager die Rechnung. In den meisten Vergütungsmodellen ist das sogar rational — die Retoure kostet den Verkäufer nichts.

Drei Dinge stellen das ab:

  • Bedarf klären, bevor du anbietest. Wer nicht weiß, was der Kunde tatsächlich braucht, verkauft ihm mit hoher Trefferquote das Falsche. Wie du das systematisch machst, steht in der Bedarfsanalyse.
  • Erwartung geradeziehen, auch wenn es weh tut. Sag im Gespräch, was das Produkt nicht kann. „Die Maschine schafft das, aber nicht acht Stunden am Tag — dafür brauchst du die nächste Baureihe." Dieser Satz kostet dich vielleicht den Auftrag von heute und spart dir den Rückläufer von nächster Woche. Argumentiere mit dem Nutzen, den du beweisen kannst, nicht mit dem, der gut klingt — die Systematik dazu steht unter Verkaufsargumente.
  • Im Zweifel abraten. Der stärkste Vertrauensbeweis im Verkauf ist ein Verkäufer, der einen Auftrag ablehnt, weil das Produkt nicht passt. Er verkauft ihn beim nächsten Bedarf dreimal — und der Kunde empfiehlt ihn weiter.

Und dann das Vergütungsmodell: Solange Provision auf den Rechnungsumsatz gezahlt wird und nicht auf den Umsatz nach Retouren, arbeitet dein Anreizsystem gegen deine Marge. Umstellung auf Netto nach Rücksendungen, mit Auszahlung nach Ablauf der Rückgabefrist. Das ist eine Zeile im Vertrag und der wirksamste Hebel im ganzen Thema.

Wie du die Kundensicht generell zur Führungsgröße machst, statt sie als Nettigkeit zu behandeln, steht unter Kundenorientierung.

Der Ablauf, wenn die Rücksendung kommt

Der reaktive Teil im Retourenmanagement senkt nicht die Anzahl der Vorgänge, aber die Kosten je Vorgang. Sechs Stufen, jede mit einer klaren Zuständigkeit.

  • Anmeldung. Der Kunde meldet die Rücksendung über ein Formular oder das Kundenkonto — mit Auftragsnummer, Artikel und Rücksendegrund aus einer festen Liste. Diese Liste ist deine wichtigste Datenquelle. Ohne sie hast du Pakete, aber keine Erkenntnisse.
  • Rücktransport. Label, Frist, Verpackungshinweis. Ein selbst gepacktes Paket, das unterwegs Schaden nimmt, kostet dich den Wertverlust.
  • Prüfung. Wareneingang, Zustand dokumentieren, fotografieren, Fehlerbild erfassen. Standardisiert und in Minuten getaktet, nicht nach Gefühl.
  • Entscheidung. Vier Möglichkeiten: Gutschrift, Austausch, Reparatur, Ablehnung. Wer welche Entscheidung treffen darf, muss vorher feststehen — Sachbearbeitung bis zu einer Wertgrenze, darüber Teamleitung, Ablehnung nur mit zweitem Blick. Ein Werkzeug dafür ist die RACI-Matrix: eine Zeile je Entscheidungsart, eine Spalte je Rolle, in 30 Minuten geklärt.
  • Wiederverwertung. A-Ware zurück in den Bestand, B-Ware in einen definierten Kanal mit definiertem Abschlag, Reparaturware zur Instandsetzung, Rest verwerten. Ohne festen B-Ware-Kanal stehen die Rückläufer im Lager, binden Kapital und verlieren jeden Monat weiter an Wert.
  • Auswertung. Einmal im Monat: Gründe, Artikel, Kanäle, Verkäufer, Lieferanten. Und dann die einzige Frage, die zählt: Was ändern wir bis zum nächsten Monat?

Diese letzte Stufe fehlt in den meisten Betrieben. Der Rücknahmeprozess läuft, und aus den Daten folgt keine einzige Änderung. Sie werden gut darin, Retouren abzuwickeln, statt sie abzustellen.

Die Retoure als Servicechance

Jetzt die andere Seite, die im Retourenmanagement fast immer unterschätzt wird. Eine Rücksendung ist ein Kunde, der noch einmal Kontakt mit dir hat — freiwillig und mit Aufmerksamkeit. Das ist teuer erkauft, aber es ist ein Kontakt.

Wer in diesem Moment schnell, unkompliziert und ohne Rechtfertigungsdruck abwickelt, verkauft an denselben Kunden wieder. Wer ihn drei Wochen auf die Gutschrift warten lässt und nach dem Originalkarton fragt, hat den Wertverlust bezahlt und den Kunden trotzdem verloren.

Konkret:

  • Gutschrift innerhalb von 48 Stunden nach Wareneingang. Nicht nach Prüfung, nicht nach Klärung. Zwei Tage.
  • Ein Austausch ist besser als eine Gutschrift — er hält den Umsatz im Haus. Also aktiv anbieten: Austausch, passende Alternative, Reparatur. Erst danach Geld zurück.
  • Ein Anruf bei jedem Rückläufer über einer Wertgrenze. Nicht um zu überreden, sondern um den Grund zu erfahren. Das ist gleichzeitig Ursachenforschung und Wiederverkauf.
  • Der nächste Bedarf gehört ins Gespräch. Der Kunde hat einen Bedarf, sonst hätte er nicht gekauft. Der Bedarf ist noch da, nur das Produkt war falsch.

Und dann die Frage, wann du über die gesetzliche und vertragliche Pflicht hinausgehst — Rücknahme nach Ablauf der Frist, Gutschrift trotz Gebrauchsspuren, Ersatz ohne Diskussion. Das ist keine Herzensgüte, sondern eine Rechnung: Ein Kunde mit 4.000 Euro Jahresumsatz ist ein 60-Euro-Zugeständnis wert, ein Einmalkäufer mit einem 39-Euro-Artikel nicht. Wo diese Grenze liegt und wie du sie für dein Team festschreibst, steht unter Kulanz.

Der gleiche Mechanismus gilt für Beschwerden ohne Rücksendung — der Ablauf dafür steht im Beschwerdemanagement. Beides läuft am Ende auf dieselbe Zahl hinaus: Wiederkaufrate. Warum Bestandskunden der billigste Umsatz sind, den du machen kannst, steht unter Kundenbindung, und der gesamte Überbau dazu im Leitfaden Kundenservice.

Der rechtliche Rahmen, kurz und ohne Beratung

Für dein Retourenmanagement musst du zwei Fälle auseinanderhalten. Das hier ist eine Einordnung, keine Rechtsberatung — für die Vertragsgestaltung gehst du zum Anwalt.

Gegenüber Verbrauchern im Fernabsatz — Onlineshop, Telefon, Katalog — besteht ein gesetzliches Widerrufsrecht. Die Grundregeln stehen in § 355 BGB zum Widerrufsrecht selbst und in § 312g BGB zu Fernabsatzverträgen samt der dort genannten Ausnahmen. Die Rechtsfolgen des Widerrufs, also Rückgewähr und Kostentragung, regelt § 357 BGB. Kalkulatorisch heißt das: Bei Verbrauchergeschäft ist eine Grundlast an Rücksendungen keine Störung, sondern Teil deines Geschäftsmodells. Sie gehört in die Kalkulation, nicht in die Beschwerdeliste.

Zwischen Unternehmern gibt es kein gesetzliches Widerrufsrecht. Hier entscheidet allein der Vertrag: deine Allgemeinen Geschäftsbedingungen, die Rahmenvereinbarung, die einzelne Zusage im Angebot. Wer im B2B ein freiwilliges Rückgaberecht gibt, sollte es sauber definieren — Frist, Zustand, Originalverpackung, Wiedereinlagerungsgebühr, ausgeschlossene Sonderanfertigungen. Und wer es mündlich zusagt, ohne dass es irgendwo steht, hat es trotzdem gegeben.

Der teuerste Fehler in diesem Bereich ist nicht die zu strenge Regel. Es ist die unklare: Wenn drei Verkäufer drei verschiedene Rückgabefristen zusagen, führst du keine Diskussion mit dem Kunden, sondern mit deinem eigenen Vertrieb.

Die Kennzahlen, die du monatlich anschaust

Drei Zahlen genügen, um dein Retourenmanagement zu steuern. Mehr wird ohnehin nicht angeschaut.

  • Retourenquote nach Wert, gesamt und getrennt nach Produktgruppe, Kanal und Verkäufer. Die Aufteilung ist der eigentliche Wert der Kennzahl.
  • Retourenkosten je Vorgang. Einmal sauber ermitteln wie in der Rechnung oben, danach jährlich prüfen. Diese Zahl macht jede Diskussion über Prozessinvestitionen in zwei Minuten entscheidbar.
  • Wiederverkaufsquote der Rückläufer — welcher Anteil geht als A-Ware zurück in den Bestand, welcher als B-Ware raus, welcher wird verwertet? Sinkt der A-Ware-Anteil, wird entweder schlechter verpackt oder langsamer geprüft.

Dazu zwei Ergänzungen, die die Ursachenarbeit steuern: die Verteilung der Rücksendegründe und die Retourenquote je Lieferant. Beide brauchen keine Software, nur eine Pflichtauswahl bei der Anmeldung und eine Auswertung im Monat.

Wo diese Größen in die Gesamtsteuerung gehören, zeigt der Überblick zum Controlling. Welche Zahlen daneben deinen Vertrieb steuern, steht bei den Vertriebskennzahlen.

Die häufigsten Fehler im Retourenmanagement

  • Die Quote nach Stück rechnen. Zeigt 6 Prozent, wo 12 Prozent stehen. Wer nach Stück steuert, unterschätzt sein Problem systematisch um die Hälfte.
  • Retouren nur als Rückporto verbuchen. 7,90 Euro statt 64,55 Euro. Mit dieser Zahl im Kopf lohnt sich keine einzige Gegenmaßnahme — mit der richtigen fast jede.
  • Kein Rücksendegrund in der Anmeldung. Ohne Grund keine Ursache, ohne Ursache keine Prävention. Das teuerste fehlende Pflichtfeld im ganzen Unternehmen.
  • Provision auf den Rechnungsumsatz. Belohnt genau das Verhalten, das die Rückläufer erzeugt.
  • Die Ursachenarbeit an die Logistik delegieren. Die Logistik kann den Vorgang billiger machen. Abstellen kann sie ihn nicht — die Ursache liegt in Verkauf, Produktdaten, Einkauf und Verpackung.
  • Regeln wegen der Missbrauchsfälle verschärfen. Wegen einer Handvoll Betrüger bekommen alle anderen ein Formular. Die Rechnung geht nie auf.
  • Rückläufer im Lager stehen lassen. Ohne festen B-Ware-Kanal wird aus 25 Prozent Abschlag nach sechs Monaten eine Totalabschreibung.

Häufige Fragen zum Retourenmanagement

Was gehört zum Retourenmanagement?

Zum Retourenmanagement gehören alle Abläufe rund um eine Rücksendung: Anmeldung mit Rücksendegrund, Rücktransport, Wareneingang, Prüfung, Entscheidung über Gutschrift, Austausch, Reparatur oder Ablehnung, Wiederaufbereitung, Wiederverwertung als A- oder B-Ware sowie die monatliche Auswertung der Gründe. Dazu kommt der präventive Teil: Produktdaten, Verkaufsgespräch, Verpackung und Lieferantenqualität so steuern, dass weniger zurückkommt.

Wie berechnet man die Retourenquote?

Die Retourenquote nach Stück ergibt sich aus zurückgesendeten Einheiten geteilt durch verkaufte Einheiten mal 100. Die Wertquote rechnet den Wert der Rückläufer gegen den Nettoumsatz. Beispiel mit frei gewählten Werten: 240 von 4.000 Positionen sind 6 Prozent nach Stück, aber 74.400 von 620.000 Euro sind 12 Prozent nach Wert. Steuere mit der Wertquote.

Was kostet eine Retoure?

Deutlich mehr als das Rückporto. In der Beispielrechnung oben summieren sich Rückversand, Sichtprüfung, Funktionstest, Neuverpackung, kaufmännische Abwicklung und der durchschnittliche Wertverlust auf 64,55 Euro je Vorgang — bei 7,90 Euro Porto. Dazu kommt der entgangene Deckungsbeitrag des ursprünglichen Verkaufs. Ermittle deine eigene Zahl einmal sauber, sie entscheidet jede weitere Maßnahme.

Wie kann man Retouren reduzieren?

Am wirksamsten über die Erwartung vor dem Kauf: vollständige Produktdaten mit Maßen, Lieferumfang und technischen Grenzen, echte Fotos, Beratung vor der Bestellung statt Auswahl nach der Lieferung. Dazu im Verkauf den Bedarf klären, nichts versprechen, was das Produkt nicht hält, und im Zweifel abraten. Und die Provision auf den Umsatz nach Rücksendungen umstellen.

Gilt das Widerrufsrecht auch zwischen Unternehmern?

Nein, zwischen Unternehmern besteht kein gesetzliches Widerrufsrecht — dort entscheidet der Vertrag. Das gesetzliche Widerrufsrecht im Fernabsatz gilt gegenüber Verbrauchern und ist in § 355 und § 312g BGB geregelt. Wer im B2B freiwillig Rückgaben zulässt, sollte Frist, Zustand, Verpackung und Wiedereinlagerungsgebühr schriftlich festlegen. Das hier ist eine Einordnung, keine Rechtsberatung.

Fazit: die Retoure ist eine Vertriebszahl

Retourenmanagement wird als Logistikaufgabe behandelt und ist eine Margenaufgabe. Der Prozess in der Halle entscheidet, was ein Vorgang kostet. Was im Verkaufsgespräch und in der Produktbeschreibung passiert, entscheidet, wie viele Vorgänge es gibt. Der zweite Hebel ist der größere — und der einzige, der dir Umsatz zurückbringt statt Kosten zu drücken.

Drei Schritte für diese Woche. Erstens: Rechne deine Retourenquote nach Wert, aufgeteilt nach Produktgruppe und Verkäufer. Zweitens: Ermittle deine Retourenkosten je Vorgang so, wie es oben durchgerechnet ist — mit Arbeitszeit und Wertverlust, nicht nur mit Porto. Drittens: Nimm die zehn häufigsten Rücksendegründe und frage bei jedem, wer die Erwartung erzeugt hat, die nicht gehalten wurde.

Dann hast du die Zahl, die dir bisher gefehlt hat. Und du weißt, ob dein bester Verkäufer wirklich dein bester Verkäufer ist — oder nur der mit dem höchsten Rechnungsumsatz vor Retouren.

Wenn du Kalkulation, Vertrieb und Kundenbindung zu einem System zusammenziehen willst, das ohne dich läuft: Sichere dir das kostenlose Unternehmer-Paket — sieben Anleitungen für mehr Umsatz und die Struktur, die dein Wachstum trägt. Der beste Zeitpunkt, deine Retourenquote zu rechnen, ist vor dem nächsten Monatsabschluss.