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Führungskräfteentwicklung: Führungskräfte selbst aufbauen

Dirk Kreuter
Unternehmer im Gespräch mit einer Nachwuchsführungskraft — Führungskräfteentwicklung im eigenen Betrieb

Was Führungskräfteentwicklung ist — und was sie nicht ist

Führungskräfteentwicklung ist der systematische Aufbau von Führungskompetenz bei aktuellen und künftigen Führungskräften im eigenen Unternehmen. Dazu gehören Auswahl, Qualifizierung, Begleitung in der Praxis und Erfolgsmessung. Als Teilbereich der Personalentwicklung ist sie im Gegensatz zum Einzelseminar ein dauerhafter Prozess mit klaren Auswahlkriterien und messbaren Ergebnissen.

Und genau da liegt der Denkfehler, den ich in 35 Jahren tausendfach gesehen habe. Der Unternehmer befördert seinen besten Verkäufer zum Teamleiter, schickt ihn auf ein Zwei-Tages-Seminar und wundert sich sechs Monate später, warum das Team auseinanderfällt und der beste Verkäufer plötzlich der schlechteste Teamleiter ist.

Ein Seminar ist kein Programm. Ein Titel ist keine Kompetenz. Und eine Beförderung ist keine Entwicklung. Führungskräfteentwicklung ist ein System — mit Auswahlkriterien, Inhalten, Übungsschleifen, Verantwortungsstufen und Zahlen, an denen du siehst, ob es wirkt. Genau dieses System baust du dir in diesem Artikel auf.

Warum du Führungskräfte selbst aufbaust statt sie einzukaufen

Der Reflex bei jeder Vakanz auf Führungsebene ist derselbe: Personalberatung anrufen, Profil schreiben, extern einkaufen. Der Reflex ist teuer — und in den meisten Fällen die schlechtere Entscheidung.

Rechne einmal ehrlich durch, was eine extern besetzte Führungsposition kostet: Honorar der Personalberatung, mehrere Monate Vakanz, in denen das Team führungslos läuft, sechs bis zwölf Monate Einarbeitung, bis der Neue Produkt, Markt und Kunden versteht. Dazu das Risiko, das dir niemand abnimmt — dass er in der Probezeit wieder geht oder kulturell nicht passt. Und wenn er geht, fängst du bei null an.

Der interne Aufbau dreht die Rechnung um. Wer bei dir Führungskraft wird, kennt die Kunden, die Produkte, die Abkürzungen im Unternehmen und die Menschen im Team. Er muss nur eines lernen: führen. Das ist eine einzige Baustelle statt fünf.

Dazu kommt der Effekt, den du nicht in eine Rechnung bekommst: Sichtbare Führungskräfteentwicklung ist das stärkste Signal, das du deiner Mannschaft senden kannst. Wenn jeder sieht, dass Aufstieg im Haus stattfindet, bleiben die Leistungsträger. Wenn jede Führungsposition von außen besetzt wird, gehen sie. Das ist einer der härtesten Hebel für Mitarbeiterbindung überhaupt.

Ich sage nicht, dass du nie extern einkaufen sollst. Wenn dir eine Kompetenz komplett fehlt, holst du sie dir. Aber der Regelfall ist der Aufbau, nicht der Einkauf.

Schritt 1: Das Kompetenzmodell — woran du Führung überhaupt misst

Die meisten Programme scheitern vor dem ersten Termin, weil niemand definiert hat, was „gute Führung" in diesem Unternehmen konkret bedeutet. Ohne Zieldefinition entwickelst du ins Blaue.

Ein Kompetenzmodell ist nichts Akademisches. Es ist eine Liste von fünf bis sieben Fähigkeiten, die deine Führungskräfte beherrschen müssen — jede so beschrieben, dass zwei Leute unabhängig voneinander beurteilen können, ob sie vorhanden ist. Für vertriebsgetriebene Unternehmen hat sich dieser Kern bewährt:

  • Ziele setzen und nachhalten. Klare Zahlen, klare Termine, konsequente Nachverfolgung ohne Drama.
  • Delegieren. Aufgaben abgeben mit Ergebnisverantwortung — nicht nur Arbeit verteilen. Wie das ohne Kontrollverlust funktioniert, steht im Detail im Artikel zum Delegieren.
  • Gespräche führen. Zielvereinbarung, Kritik, Anerkennung, Trennung. Der Leitfaden dafür ist das Mitarbeitergespräch.
  • Feedback geben. Zeitnah, konkret, verhaltensbezogen — die Regeln und Formulierungen dafür findest du unter Feedback geben.
  • Stil situativ wählen. Die Fähigkeit, zwischen Ansage und Beteiligung bewusst zu wechseln, statt immer denselben Modus zu fahren.
  • Konflikte entscheiden. Nicht moderieren bis zur Erschöpfung, sondern klären und abschließen.
  • Fachliche Vorbildfunktion. Im Vertrieb: selbst noch am Kunden sein und es vormachen können.

Diese sieben Punkte sind dein Maßstab — für die Auswahl, für die Inhalte des Programms und für die Bewertung am Ende. Wenn du tiefer einsteigen willst, welche Kompetenzen im Detail dahinterstehen, geht der Artikel zur Führungskompetenz das Thema systematisch durch.

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Schritt 2: Die Kandidaten — wen du entwickelst und wen nicht

Der teuerste Fehler in der Führungskräfteentwicklung passiert bei der Auswahl. Du beförderst den Besten im Fach — und verlierst gleich zwei Menschen: einen guten Verkäufer und einen schlechten Führer.

Leistung im Fach ist ein Eingangskriterium, kein Auswahlkriterium. Wer sein eigenes Ergebnis nicht liefert, hat keine Autorität. Aber die eigentliche Frage kommt danach: Will dieser Mensch Verantwortung für andere übernehmen — oder will er nur mehr Geld und einen Titel?

Diese drei Signale trennen die echten Kandidaten von den Wunschkandidaten:

  1. Er hilft ungefragt. Er erklärt Neuen Dinge, ohne dass es in seiner Aufgabenbeschreibung steht. Führung beginnt immer freiwillig, lange vor dem Titel.
  2. Er hält Widerspruch aus. Wer bei Kritik einknickt oder explodiert, wird als Führungskraft entweder gefürchtet oder ignoriert.
  3. Er denkt in Ergebnissen, nicht in Aufwand. Die Frage „Was bringt das?" statt „Wie viel Arbeit ist das?".

Fehlt eines dieser Signale, entwickle den Menschen fachlich weiter — mit mehr Verantwortung, mehr Verdienst, mehr Sichtbarkeit. Aber nicht in die Führung. Eine Fachlaufbahn parallel zur Führungslaufbahn zu haben, ist eines der unterschätztesten Werkzeuge im Mittelstand.

Und wenn ein Kandidat den Sprung macht: Die ersten Wochen entscheiden. Wie sie strukturiert ablaufen, beschreibt der Artikel Teamleiter werden mit den ersten 90 Tagen im Detail.

Schritt 3: Das Programm — so sehen zwölf Monate konkret aus

Führungskräfteentwicklung braucht Zeit unter Belastung. Wissen entsteht im Seminarraum, Kompetenz entsteht im Konfliktgespräch am Dienstagmorgen. Deshalb baust du dein Programm in drei Phasen über zwölf Monate.

Phase 1 (Monat 1 bis 3): Fundament und Rolle

Der Kandidat lernt das Handwerk: Rollenverständnis, Führungsstile, Gesprächstechnik, Zielsysteme. Die Landkarte der Stile — autoritär, kooperativ, laissez-faire, situativ, transformational — bekommt er im Überblick der Führungsstile. Parallel führt er noch nicht, sondern begleitet: Er sitzt in deinen Mitarbeitergesprächen mit, er hört zu, er bekommt danach die Begründung für jede Entscheidung.

Wichtigster Inhalt dieser Phase ist der Rollenwechsel. Aus „Ich liefere mein Ergebnis" wird „Ich verantworte das Ergebnis anderer". Dieser Wechsel ist mental der härteste Teil der gesamten Führungskräfteentwicklung — und der Grund, warum die meisten Neu-Führungskräfte im ersten Jahr wieder ins Fachliche flüchten.

Phase 2 (Monat 4 bis 8): Anwendung mit Netz

Jetzt bekommt er ein kleines eigenes Verantwortungsfeld — zwei bis drei Mitarbeiter, ein Projekt, ein Teilmarkt. Er führt echte Gespräche mit echten Konsequenzen. Du bist nicht mehr im Raum, aber im Nachgespräch.

Der Takt in dieser Phase: ein Einzeltermin alle zwei Wochen, 45 Minuten, immer nach demselben Muster. Was ist seit dem letzten Mal passiert? Welche Entscheidung war schwer? Was hättest du anders gemacht? Was steht bis zum nächsten Termin an? Diese Terminserie ist der eigentliche Motor deines Programms — nicht der Seminartag.

In dieser Phase wird auch der Führungsstil geschärft. Die meisten Nachwuchsführungskräfte starten unbewusst in einem Extrem: entweder zu hart, weil sie Autorität beweisen wollen, oder zu weich, weil sie eben noch Kollege waren. Wie du beide Extreme dosierst, zeigen die Artikel zum autoritären Führungsstil und zum Laissez-faire-Führungsstil. Das Modell, das beides zusammenbringt und den Stil vom Reifegrad des Mitarbeiters abhängig macht, ist der situative Führungsstil — für mich das wichtigste Werkzeug in jedem Entwicklungsprogramm.

Phase 3 (Monat 9 bis 12): volle Verantwortung und Wirkung

Das komplette Team, die komplette Zahl, die komplette Verantwortung. Deine Rolle wechselt vom Begleiter zum Auftraggeber: Du besprichst Ergebnisse, nicht mehr Vorgehen. Der Termintakt geht auf einmal im Monat zurück.

Hier kommt der Anspruch dazu, der aus einer soliden Führungskraft eine wirksame macht: nicht nur steuern, sondern Menschen über ihr eigenes Niveau hinausziehen. Genau das beschreibt die transformationale Führung — Vorbild sein, Sinn geben, fordern und individuell fördern. Wer das kann, führt nicht mehr über Kontrolle, sondern über Wirkung.

Schritt 4: Messbarkeit — sonst ist es kein Programm, sondern ein Hobby

Führungskräfteentwicklung ohne Kennzahlen ist Geldausgeben mit gutem Gefühl. Du misst nicht, ob das Seminar gefallen hat. Du misst, ob sich im Betrieb etwas verändert hat.

Diese Größen erheben, bevor das Programm startet — und danach im Quartalstakt:

  • Fluktuation im geführten Team. Der ehrlichste Indikator. Der Gallup Engagement Index Deutschland benennt die Führungskraft als zentralen Hebel für die emotionale Bindung der Mitarbeiter — und damit auch dafür, wer bleibt und wer geht.
  • Zielerreichung des Teams. Nicht die des Einzelnen — die des ganzen Bereichs.
  • Durchlaufzeit im Onboarding. Wie schnell ist ein neuer Mitarbeiter im geführten Team produktiv?
  • Krankheitstage und Termintreue. Weiche Signale mit harten Zahlen dahinter.
  • Interne Nachbesetzungsquote. Wie viele Führungspositionen konntest du im letzten Jahr aus dem eigenen Haus besetzen?

Dazu eine Bewertung entlang deines Kompetenzmodells, zweimal im Jahr, von dir und vom Team. Wenn nach zwölf Monaten keine dieser Größen sich bewegt hat, liegt es fast nie am Kandidaten — sondern daran, dass er nie echte Verantwortung bekommen hat.

Die fünf teuersten Fehlinvestitionen

1. Das Einzelseminar ohne Anschluss. Zwei Tage Hotel, hohe Motivation, danach der alte Alltag. Ohne Übungsschleife im Betrieb ist nach drei Wochen nichts mehr übrig.

2. Alle gleich behandeln. Ein Programm für alle Führungsebenen ist für den einen zu flach und für den anderen zu abstrakt. Entwickle in Stufen.

3. Entwicklung ohne Verantwortungszuwachs. Wer geschult wird, aber nie entscheiden darf, wird nur unzufriedener. Jede Ausbildungsphase braucht einen echten Verantwortungssprung.

4. Der Unternehmer entwickelt sich nicht mit. Du kannst kein Team von Führungskräften aufbauen, wenn du selbst weiter jede Entscheidung an dich ziehst. Die schwierigste Führungskräfteentwicklung im Unternehmen ist immer deine eigene.

5. Kein Abbruchkriterium. Nicht jeder Kandidat schafft es. Definiere vorher, woran du den Abbruch festmachst — und halte ihm den Rückweg ins Fach ohne Gesichtsverlust offen. Sonst verlierst du ihn ganz.

Der Sonderfall Vertrieb

Im Vertrieb ist die Führungskräfteentwicklung anspruchsvoller als anderswo, weil zwei Rollen kollidieren. Der Vertriebsleiter soll führen — und gleichzeitig hat er seine eigenen Kunden, seine eigene Zahl, seinen eigenen Jagdinstinkt. Ohne klare Aufteilung gewinnt immer die eigene Zahl, weil sie schneller belohnt wird.

Die Lösung ist eine feste Quote: Wie viel Prozent seiner Arbeitszeit gehört der eigenen Kundenarbeit, wie viel der Führung seines Teams? Schreib es auf. Zwei Tage Kunde, drei Tage Team — oder wie auch immer es zu deinem Modell passt. Ohne diese Festlegung entwickelst du keine Führungskraft, sondern einen überlasteten Verkäufer mit Visitenkartentitel.

Das zweite Thema: Führung im Vertrieb passiert im Gespräch, nicht im Bericht. Wöchentliche Einzelgespräche über Pipeline, offene Angebote und konkrete Kunden schlagen jedes Reporting-System. Wie du das operativ aufsetzt, steht in den Artikeln zur Teamführung und zur Mitarbeiterführung.

Dein nächster Schritt

Ich führe seit über 35 Jahren Vertriebsteams. In Bochum arbeiten mehr als 70 Mitarbeiter für mich, über 20 davon im Vertrieb — und ich steuere das Ganze aus Dubai vom Smartphone. Das geht nur aus einem Grund: weil dort Führungskräfte sitzen, die ich selbst aufgebaut habe. Nicht eingekauft. Aufgebaut.

Genau das ist der Punkt, an dem Führungskräfteentwicklung aufhört, ein Personalthema zu sein, und anfängt, dein Leben zu verändern. Ein Unternehmen mit starken Führungskräften macht Umsatz, wenn du nicht im Haus bist.

Wenn du das für dein Unternehmen willst, geh es nicht allein an. Im Mentoring mit Dirk Kreuter bauen wir dein Führungssystem gemeinsam auf — Kompetenzmodell, Auswahl, Programm, Kennzahlen. Für den strukturellen Unterbau — Recruitment, Führung, Bindung als geschlossenes System — gibt es Das Mitarbeitersystem. Und wenn du erst einmal sehen willst, was dabei herauskommt: Auf Kundenergebnisse findest du die Ergebnisse von Unternehmern, die diesen Weg gegangen sind.

Fang mit einem Namen an. Einer Person in deinem Unternehmen, die in zwölf Monaten führen könnte. Schreib ihn heute auf. Der Rest ist System.

Häufige Fragen zur Führungskräfteentwicklung

Wie lange dauert Führungskräfteentwicklung?

Für den Aufbau einer Nachwuchsführungskraft bis zur vollen Teamverantwortung rechnest du mit zwölf Monaten in drei Phasen. Danach hört Entwicklung nicht auf — sie wechselt nur den Takt, von zweiwöchentlichen Terminen auf monatliche. Führung ist Handwerk, und Handwerk verlernt man ohne Übung.

Was kostet Führungskräfteentwicklung im Mittelstand?

Der größte Posten ist nie das Honorar, sondern die Zeit: deine Zeit für die Begleitung und die Zeit des Kandidaten für Aufgaben, die er noch langsamer erledigt als du. Diese Investition ist trotzdem fast immer günstiger als eine extern besetzte Führungsposition mit Beraterhonorar, Vakanzmonaten und Einarbeitungszeit.

Ab welcher Unternehmensgröße lohnt sich ein eigenes Programm?

Sobald du die zweite Führungsebene brauchst — also ungefähr ab 15 bis 20 Mitarbeitern. Darunter führst du direkt. Darüber wirst du selbst zum Engpass, wenn niemand außer dir Entscheidungen treffen darf.

Kann man Führung überhaupt lernen?

Handwerk ja, Haltung bedingt. Gesprächsführung, Zielsysteme, Delegation und Feedback sind erlernbar wie Verkaufstechnik. Was du nicht antrainieren kannst, ist die Bereitschaft, Verantwortung für andere Menschen zu übernehmen. Deshalb entscheidet die Auswahl über den Erfolg des ganzen Programms.

Was ist der Unterschied zwischen Führungskräfteentwicklung und Personalentwicklung?

Personalentwicklung ist der Oberbegriff für alle Qualifizierungsmaßnahmen im Unternehmen, über alle Rollen hinweg. Führungskräfteentwicklung ist der Teilbereich, der sich ausschließlich auf Führungsrollen konzentriert — mit eigenen Auswahlkriterien, eigenen Inhalten und eigenen Kennzahlen.