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Fremdkapital: Arten, Kosten und der Hebel, der auch abwärts wirkt

Dirk Kreuter
Dirk Kreuter im Seminarraum vor Teilnehmern — Fremdkapital richtig einsetzen und den Verschuldungsgrad im Griff behalten

Die Zusage der Bank ist da. Das Geld liegt auf dem Firmenkonto, und plötzlich fühlt sich alles leichter an.

Das ist der gefährlichste Moment. Denn Fremdkapital löst kein einziges Problem, das dein Geschäft vorher hatte. Es vergrößert nur, was schon da ist — nach oben wie nach unten.

Was ist Fremdkapital?

Fremdkapital ist Kapital, das dir ein Dritter befristet überlässt und zurückverlangt: Banken, Lieferanten, Anleihegläubiger, das Finanzamt. Es begründet kein Eigentum an deinem Unternehmen, sondern eine Schuld. Der Gläubiger bekommt Zins und Tilgung unabhängig davon, ob du Gewinn machst — und im Insolvenzfall wird er vor dir bedient.

Drei Merkmale trennen Fremdkapital von allem anderen auf der Passivseite:

  • Rückzahlungsanspruch. Es gibt einen Termin. Der Gläubiger hat einen einklagbaren Anspruch auf sein Geld, unabhängig von deiner Auftragslage.
  • Erfolgsunabhängige Vergütung. Der Zins läuft im besten wie im schlechtesten Monat. Bei einem Darlehen ist genau das der gesetzliche Inhalt des Vertrags: Der Darlehensnehmer schuldet Zins und Rückzahlung nach § 488 BGB.
  • Kein Stimmrecht, aber Rang. Deine Bank redet dir nicht in die Produktentwicklung. Dafür steht sie in der Insolvenz vor den Gesellschaftern.

Übersetzt: Gläubiger wollen kein Stück von deiner Firma. Was sie wollen, ist ihr Geld zurück — pünktlich, mit Zins. Das macht diese Kapitalform rechnerisch günstiger als Beteiligungskapital und gleichzeitig deutlich unerbittlicher.

Wo Fremdkapital in der Bilanz steht

Fremdkapital steht auf der Passivseite unter den Posten B und C der Bilanzgliederung nach § 266 Abs. 3 HGB: B. Rückstellungen, C. Verbindlichkeiten. Danach folgen noch Rechnungsabgrenzungsposten (D) und passive latente Steuern (E). Posten A ist das Eigenkapital — alles darunter gehört jemand anderem.

Den Begriff „Fremdkapital" kennt das Gesetz als Bilanzposten übrigens gar nicht — es gliedert nur. Wer seine Schulden beziffern will, addiert B und C und wundert sich meistens über das Ergebnis.

Rückstellungen: Schulden, die noch niemand eingefordert hat

§ 266 Abs. 3 HGB unterteilt sie in Pensionsrückstellungen, Steuerrückstellungen und sonstige Rückstellungen. Es sind Verpflichtungen, die dem Grunde nach feststehen, in Höhe oder Fälligkeit aber ungewiss sind: Gewährleistung, Prozessrisiken, ausstehender Urlaub, die Betriebsprüfung. Bewertet werden sie nach § 253 HGB mit dem notwendigen Erfüllungsbetrag, bei einer Restlaufzeit über einem Jahr abgezinst.

Merk dir das: Ein Teil deiner Schulden steht in der Bilanz, bevor dir jemand eine Rechnung schickt. Wer nur auf Kontostand und Bankkredit schaut, unterschätzt seine Verpflichtungen systematisch.

Verbindlichkeiten: der Teil, den du kennst

Posten C listet acht Positionen auf — darunter Anleihen, Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten, erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen, Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen und sonstige Verbindlichkeiten. Steuerschulden und Sozialabgaben werden dort gesondert vermerkt.

Entscheidend ist die Fristigkeit. Nach § 268 Abs. 5 HGB muss der Betrag mit einer Restlaufzeit bis zu einem Jahr ausgewiesen werden; im Anhang kommt nach § 285 Nr. 1 HGB der Gesamtbetrag der Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit über fünf Jahren dazu, ebenso die gesicherten Verbindlichkeiten unter Angabe von Art und Form der Sicherheiten. Genau diese Zeilen liest ein Kreditanalyst zuerst.

Wie sich Zins und Tilgung anschließend in deinem Ergebnis niederschlagen, zeigt der Artikel zur Gewinn- und Verlustrechnung. Welche Kennzahlen deine Bank aus beiden Seiten der Bilanz zieht, steht im Überblick zu den betriebswirtschaftlichen Kennzahlen.

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Die Arten von Fremdkapital im Überblick

Fremdkapital sortiert sich nach Laufzeit und Herkunft: kurzfristig sind Kontokorrent, Lieferantenkredit und Kundenanzahlungen, langfristig sind Investitionsdarlehen, Förderkredite und Anleihen. Dazu kommen Sonderformen wie Leasing und Gesellschafterdarlehen. Die Regel dahinter heißt Fristenkongruenz: Lange Investitionen finanzierst du langfristig, kurze Engpässe kurzfristig. Wer eine Maschine über den Kontokorrent bezahlt, baut sich seine nächste Krise selbst.

  • Kontokorrentkredit. Der eingeräumte Rahmen auf dem Geschäftskonto — teuer, flexibel, für Spitzen gedacht, nicht für Dauerbedarf. Wer permanent im Rahmen hängt, finanziert Verluste. Wie Kontokorrent-, Betriebsmittel- und Investitionskredit sich unterscheiden, liest du im Kontokorrentkredit.
  • Investitions- und Betriebsmitteldarlehen. Feste Laufzeit, fester Tilgungsplan, meist besichert. Das klassische Bankdarlehen für Maschinen, Fuhrpark oder Standortausbau.
  • Förderkredit. Zinsverbilligte Darlehen der Förderbanken, beantragt über die Hausbank und häufig mit Haftungsfreistellung für die Bank. Die Programme und den Ablauf findest du unter KfW-Kredit.
  • Lieferantenkredit. Das Zahlungsziel deines Lieferanten. Fühlt sich kostenlos an, ist es nicht: Bei üblichen Konditionen — 2 % Skonto bei Zahlung binnen 10 Tagen, sonst 30 Tage netto — verzichtest du auf 2 % für 20 Tage Zeitgewinn. Nach der kaufmännischen Näherungsformel sind das rund 36 % Jahreszins. Der teuerste Kredit im Mittelstand steht auf keiner Bankurkunde.
  • Kundenanzahlungen. Dein Kunde finanziert dich vor. Kein Zins, keine Sicherheit, keine Bank. Das ist die günstigste Fremdfinanzierung, die es gibt — und der Grund, warum Vorkasse und Anzahlungsstaffeln in deine Angebote gehören.
  • Anleihen und Schuldverschreibungen. Du leihst dir Geld nicht bei einer Bank, sondern bei vielen Investoren. Wegen Prospekt-, Rating- und Emissionskosten erst ab deutlicher Unternehmensgröße relevant.
  • Leasing als Sonderform. Wirtschaftlich eine Fremdfinanzierung, bilanziell oft nicht: Wird der Gegenstand dem Leasinggeber zugerechnet, taucht er bei dir nicht in der Bilanz auf. Die Zahlungsverpflichtung bleibt trotzdem bestehen und gehört als sonstige finanzielle Verpflichtung in den Anhang. Deine Bank rechnet Leasingraten in der Kapitaldienstprüfung mit — jede seriöse Analyse tut das.
  • Gesellschafterdarlehen. Du selbst leihst deiner GmbH Geld. Formal Fremdkapital, in der Insolvenz aber nachrangig — schriftlicher Vertrag und marktüblicher Zins sind Pflicht.

Zwei Abgrenzungen noch: Factoring ist kein Fremdkapital, sondern der Verkauf deiner Forderungen — Details im Artikel zum Factoring. Und Mezzanine-Kapital sitzt zwischen den Stühlen; wo es hingehört, ordnet der Überblick zur Unternehmensfinanzierung ein.

Was Fremdkapital wirklich kostet

Fremdkapital kostet mehr als den Zins. Dazu kommen Bereitstellungs- und Bearbeitungsentgelte, Sicherheiten, die dein Vermögen binden, Berichtspflichten gegenüber der Bank und Klauseln, die deine unternehmerischen Entscheidungen einschränken. Der härteste Posten steht in keiner Zinszeile: die Tilgung, die Monat für Monat aus deiner Liquidität abfließt.

Zins und Nebenkosten

Der Nominalzins ist der sichtbare Teil. Daneben stehen Bereitstellungszinsen für abgerufene, aber noch nicht genutzte Beträge, Bearbeitungsentgelte, Schätzkosten bei Immobilien sowie Notar- und Grundbuchkosten für die Bestellung von Sicherheiten. Aktuelle Durchschnittssätze für Unternehmenskredite veröffentlicht die Deutsche Bundesbank laufend in ihrer Zinsstatistik — arbeite mit diesen Werten, nicht mit Zahlen aus Blogartikeln, die niemand aktualisiert.

Sicherheiten: was die Bank verlangt

Grundschulden auf Immobilien, Sicherungsübereignung von Maschinen und Fahrzeugen, Abtretung von Forderungen, Verpfändung von Guthaben, Warenlager als Sicherheit — und in fast jedem Mittelstandskredit die selbstschuldnerische Bürgschaft des Gesellschafter-Geschäftsführers.

Genau die ist der Punkt, den viele überlesen. Du gründest eine GmbH für die Haftungsbeschränkung, und unterschreibst dann persönlich für den Kredit. Damit ist die Trennung zwischen Firma und Privatvermögen an dieser Stelle aufgehoben. Wenn du eine Bürgschaft unterschreibst, dann mit offenen Augen — und der Frage, was passiert, wenn zwei Großkunden gleichzeitig ausfallen.

Kreditklauseln und Kontrollrechte

Ab einer gewissen Größe kommen Covenants dazu: eine Mindest-Eigenkapitalquote, eine Obergrenze für den Verschuldungsgrad, ein Mindest-Zinsdeckungsgrad. Reißt du eine dieser Kennzahlen, darf die Bank nachverhandeln, den Zins anheben oder im Extremfall kündigen. Dazu kommen Vorlagepflichten: Jahresabschluss, BWA, Summen-Saldenliste, oft quartalsweise. Du gibst keine Anteile ab — Einfluss gibst du trotzdem ab.

Tilgung frisst Liquidität, nicht Gewinn

Der Denkfehler, der die meisten Unternehmer erwischt: Zinsen sind Aufwand und mindern deinen Gewinn. Die Tilgung ist kein Aufwand — sie taucht in der Gewinn- und Verlustrechnung nicht auf, geht aber trotzdem vom Konto. Du kannst also einen ordentlichen Gewinn ausweisen und gleichzeitig in eine Liquiditätsklemme laufen. Wie du diesen Abfluss steuerst, zeigen die Artikel zum Cashflow und die Maßnahmenliste, mit der du deine Liquidität verbesserst.

Was die Bank prüft, bevor sie zusagt

Die Bank finanziert Sicherheiten und Historie, nicht Hoffnung. Geprüft werden die Jahresabschlüsse der letzten Jahre, die aktuelle BWA, die Eigenkapitalausstattung, die Kapitaldienstfähigkeit und die verfügbaren Sicherheiten. Dein Businessplan erklärt die Zahlen — er ersetzt sie nicht. Kein Analyst finanziert eine Prognose ohne Vergangenheit.

Die zentrale Größe heißt Kapitaldienstfähigkeit: Reicht dein operativer Cashflow für Zins und Tilgung, und bleibt danach noch Puffer für schlechte Monate? Wer diese Rechnung nicht selbst aufmacht, bevor er zur Bank geht, verhandelt aus der schwächeren Position.

Daraus folgt die unbequeme Regel: Kapital bekommst du dann am leichtesten, wenn du es am wenigsten brauchst. Deshalb wird die Kreditlinie im guten Jahr verhandelt, nicht im schlechten.

Verschuldungsgrad berechnen und einordnen

Der Verschuldungsgrad setzt Fremdkapital ins Verhältnis zum Eigenkapital: Verschuldungsgrad = Fremdkapital ÷ Eigenkapital × 100. Rechenbeispiel: 600.000 Euro Schulden, 300.000 Euro Eigenkapital — das sind 200 %. Auf jeden Euro Haftungsmasse kommen zwei Euro Schulden. Die Kennzahl zeigt, wie viel Risiko auf wie viel Substanz liegt.

Aussagekräftiger für deinen Alltag ist der dynamische Verschuldungsgrad: (Fremdkapital − liquide Mittel) ÷ operativer Cashflow. Das Ergebnis ist eine Zahl in Jahren — so lange bräuchtest du bei gleichbleibender Ertragskraft, um dich vollständig zu entschulden. Diese Größe interessiert jeden Kreditanalysten mehr als jede Prozentzahl, weil sie Schulden und Rückzahlungskraft zusammenbringt.

Eine gesetzliche Obergrenze gibt es nicht. Die Einordnung hängt an deiner Branche: Ein Handelsunternehmen mit hohem Wareneinsatz und schnellem Umschlag verträgt andere Werte als ein Maschinenbauer mit langen Vorlaufzeiten oder ein Projektentwickler mit Immobilien als Sicherheit. Vergleiche dich mit deiner Branche und mit deinem eigenen Vorjahr — nicht mit einer Faustregel aus einem Lehrbuch.

Und beachte den Zweitrundeneffekt: Zins und Tilgung erhöhen deinen Fixkostenblock. Damit verschiebt sich der Punkt, ab dem du überhaupt Geld verdienst, nach oben. Wie du ihn neu berechnest, steht im Artikel zum Break-even-Point.

Der Hebeleffekt — und wann er gegen dich arbeitet

Der Hebeleffekt (Leverage) erhöht deine Eigenkapitalrendite, solange die Gesamtkapitalrendite über dem Fremdkapitalzins liegt. Die Formel: Eigenkapitalrendite = Gesamtkapitalrendite + (Gesamtkapitalrendite − Fremdkapitalzins) × Fremdkapital ÷ Eigenkapital. Liegt der Zins über der Rendite, dreht die Klammer ins Minus — und der Hebel arbeitet mit derselben Wucht gegen dich.

Rechenbeispiel: 200.000 Euro Eigenkapital, 400.000 Euro Fremdkapital zu 6 % Zins, Gesamtkapitalrendite 12 %. Eingesetzt ergibt das 12 + (12 − 6) × 2 = 24 % Eigenkapitalrendite. Aus 12 % werden 24 %, ohne einen einzigen zusätzlichen Kunden — die Rechnung, die dir jeder Finanzierungsberater vorlegt.

Jetzt die zweite Hälfte, die selten jemand zeigt. Ein schwaches Jahr, die Gesamtkapitalrendite fällt auf 3 %, der Zins bleibt bei 6 %: 3 + (3 − 6) × 2 = −3 %. Aus einer schwachen, aber positiven Rendite wird ein Verlust auf dein Eigenkapital. Der Hebel ist nicht kaputt — er funktioniert exakt wie konstruiert. Nur eben abwärts.

Genau hier liegt der Kern: Geliehenes Geld ist ein Multiplikator, kein Motor. Auf ein funktionierendes Geschäft ist es ein Hebel. Auf ein wackliges ist es ein Brandbeschleuniger, der dir Zeit kauft und dafür Handlungsspielraum nimmt. Ein Kredit hat noch keinem Unternehmen einen einzigen Kunden gebracht. Er verschafft dir Zeit — und die Rechnung dafür kommt in festen Monatsraten.

Abgrenzung: Fremdkapital und Eigenkapital

Eigenkapital ist die andere Seite derselben Bilanz: Posten A, kein Rückzahlungstermin, kein fester Zins, haftet im Ernstfall zuerst. Es ist der Puffer, der bestimmt, wie viel Kredit dir überhaupt jemand gibt. Wie du die Eigenkapitalquote berechnest und Eigenkapital planvoll aufbaust, steht im Artikel zum Eigenkapital; die direkte Gegenüberstellung beider Kapitalarten samt Mischformen im Überblick zur Unternehmensfinanzierung.

Häufige Fragen zum Fremdkapital

Die fünf Fragen, die in Beratungsgesprächen zu Fremdkapital am häufigsten kommen, betreffen immer dieselben Punkte: was überhaupt dazuzählt, wie sich der Verschuldungsgrad berechnet, wie Leasing einzuordnen ist, welche Sicherheiten Banken verlangen und wo die Grenze zwischen gesundem Hebel und gefährlicher Überschuldung verläuft. Hier die kurzen Antworten.

Was zählt alles zum Fremdkapital?

Zum Fremdkapital gehören alle Posten unter B und C der Bilanzgliederung nach § 266 Abs. 3 HGB: Rückstellungen für Pensionen, Steuern und sonstige Risiken sowie sämtliche Verbindlichkeiten — Bankdarlehen, Kontokorrent, Lieferantenverbindlichkeiten, erhaltene Anzahlungen, Anleihen, Steuerschulden und Sozialabgaben. Auch Gesellschafterdarlehen zählen dazu, obwohl sie in der Insolvenz nachrangig behandelt werden.

Wie berechnet man den Verschuldungsgrad?

Der Verschuldungsgrad ergibt sich aus Fremdkapital geteilt durch Eigenkapital, multipliziert mit 100. Bei 600.000 Euro Schulden und 300.000 Euro Eigenkapital sind das 200 %. Ergänzend rechnest du den dynamischen Verschuldungsgrad: Schulden minus liquide Mittel, geteilt durch den operativen Cashflow. Das Ergebnis sagt dir, wie viele Jahre du zur vollständigen Entschuldung brauchst.

Ist Leasing Fremdkapital?

Wirtschaftlich ja, bilanziell meist nein. Wird das Leasingobjekt dem Leasinggeber zugerechnet, erscheint es in deiner Handelsbilanz nicht als Verbindlichkeit; die Verpflichtung gehört dann als sonstige finanzielle Verpflichtung in den Anhang. Deine Bank rechnet die Raten trotzdem in die Kapitaldienstfähigkeit ein — plane Leasing also wie Fremdkapital.

Welche Sicherheiten verlangen Banken?

Üblich sind Grundschulden auf Immobilien, Sicherungsübereignung von Maschinen und Fahrzeugen, Abtretung von Forderungen, Verpfändung von Guthaben und Warenlager. Bei kleinen und mittleren Unternehmen kommt fast immer die selbstschuldnerische Bürgschaft des Gesellschafter-Geschäftsführers dazu. Damit haftest du persönlich — die Haftungsbeschränkung deiner GmbH greift an dieser Stelle nicht mehr.

Wie viel Fremdkapital ist zu viel?

Eine gesetzliche Grenze existiert nicht. Zu viel ist es, wenn dein operativer Cashflow Zins und Tilgung nicht mehr sicher trägt, wenn ein Umsatzrückgang von 20 % dich in Zahlungsschwierigkeiten bringt oder wenn der Hebel im schwachen Jahr deine Eigenkapitalrendite ins Minus zieht. Entscheidend ist die Rückzahlungskraft, nicht die Prozentzahl.

Fazit: Kapital ist kein Ersatz für Umsatz

Fremdkapital ist ein präzises Werkzeug, kein Rettungsring. Es macht schnelles Wachstum finanzierbar, glättet Schwankungen und hebt deine Eigenkapitalrendite — solange deine Rendite über dem Zins liegt und dein operativer Cashflow den Kapitaldienst sicher trägt. Kippt eine dieser beiden Bedingungen, kippt das ganze Konstrukt. Und zwar schneller, als der Tilgungsplan es dir erlaubt.

Deshalb die Reihenfolge, die in 35 Jahren und über 10.000 trainierten Unternehmern immer dieselbe geblieben ist: erst ein Vertrieb, der planbar Umsatz produziert. Dann die Finanzierung, die diesen Vertrieb skaliert. Nie andersherum. Wer ohne funktionierendes Geschäft Kapital aufnimmt, kauft sich Zeit — und bezahlt sie mit Zinsen, Sicherheiten und dem eigenen Handlungsspielraum. Die günstigste Finanzierung deines Unternehmens war und bleibt der zahlende Kunde.

Wenn du an dem Punkt stehst, an dem Finanzierungsfragen wirklich relevant werden — weil das Geschäft läuft und der nächste Schritt Kapital braucht —, dann bau zuerst die Umsatzseite sauber auf: Im Unternehmer-Paket bekommst du die Systeme für Vertrieb, Skalierung und Führung, mit denen aus Wachstumsplänen belastbare Zahlen werden. Genau die Zahlen, die deine Bank sehen will, bevor sie über einen Kredit spricht.