Vertriebssteuerung: Die 4 Zahlen, mit denen du wirklich steuerst

Umsatz ist keine Steuerungsgröße
Du schaust auf den Monatsumsatz. Er liegt 18 Prozent unter Plan. Und jetzt?
Jetzt ist es zu spät. Der Umsatz dieses Monats wurde vor sechs Wochen entschieden — in Telefonaten, die geführt oder nicht geführt wurden, in Terminen, die stattfanden oder verschoben wurden, in Angeboten, die rausgingen oder liegen blieben. Der Umsatz ist die Rechnung. Nicht die Ursache.
Genau hier trennt sich Vertriebssteuerung von Vertriebsbeobachtung. Die meisten Unternehmer beobachten. Sie sitzen am Monatsende vor einer Zahl, die sie nicht mehr beeinflussen können, und nennen das Steuerung.
Ich führe mein Unternehmen in Bochum mit über 70 Mitarbeitern aus Dubai. Vom Smartphone. Das funktioniert nicht, weil ich besonders begabt bin. Es funktioniert, weil ich vier Zahlen kenne — und die sehe ich, bevor der Umsatz entsteht.
Vorlaufend statt nachlaufend: der ganze Trick
Es gibt zwei Arten von Zahlen in deinem Vertrieb.
Nachlaufende Zahlen erzählen, was passiert ist: Umsatz, Abschlussquote, Auftragswert. Wichtig für die Buchhaltung. Wertlos für die Steuerung, weil du sie nur noch zur Kenntnis nehmen kannst.
Vorlaufende Zahlen erzählen, was passieren wird: wie viele Erstkontakte diese Woche stattfanden, wie viele Termine im Kalender stehen, wie viele Angebote offen sind. Diese Zahlen kannst du heute verändern. Und weil sie den Umsatz erzeugen, verändert sich der Umsatz mit — nur später.
Vertriebssteuerung heißt: Du führst die vorlaufenden Zahlen. Den Umsatz liest du nur ab. Wer Vertriebssteuerung über Umsatzzahlen betreibt, steuert nichts — er kommentiert.
Der Vergleich, der es klarmacht: Ein Autofahrer, der nur in den Rückspiegel schaut, weiß genau, wo er war. Er lenkt trotzdem nicht.
Die vier Zahlen
Mehr brauchst du nicht. Ich habe Vertriebsorganisationen gesehen, die 30 Kennzahlen erheben und keine davon nutzen. Vier reichen — wenn du sie wöchentlich ansiehst und wenn Konsequenzen daran hängen.
1. Aktivitäten pro Vertriebler und Woche
Die härteste und ehrlichste Zahl. Nicht „hat sich bemüht", sondern: Wie viele echte Erstkontakte hat jeder gemacht? Telefonate mit Entscheidern, keine Wählversuche.
Diese Zahl ist der Motor. Alles andere ist eine Folge davon. Wenn sie sinkt, sinkt sechs Wochen später der Umsatz — so sicher wie das Amen in der Kirche.
Und sie hat einen Nebeneffekt: Sie beendet Diskussionen. „Der Markt ist schwierig" ist eine Meinung. „Du hattest diese Woche neun Erstkontakte statt dreißig" ist eine Zahl.
2. Pipeline-Deckung
Wie viel Auftragsvolumen liegt aktuell in deiner Pipeline, gemessen an dem, was du in diesem Quartal brauchst?
Faustregel aus der Praxis: Wenn deine Abschlussquote bei einem Drittel liegt, brauchst du das Dreifache deines Ziels in der Pipeline. Liegt sie darunter, brauchst du mehr. Wer mit Pipeline-Deckung unter dem Faktor arbeitet, hat kein Vertriebsproblem — er hat ein Rechenproblem, das drei Monate später zum Vertriebsproblem wird.
Sieh diese Zahl wöchentlich an. Sie warnt dich früher als jede andere.
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3. Übergangsquote je Stufe
Nicht die Gesamtabschlussquote. Die Quote zwischen den Stufen: Erstkontakt → Termin, Termin → Angebot, Angebot → Auftrag.
Warum das entscheidend ist: Eine Gesamtquote von 12 Prozent sagt dir nicht, wo es klemmt. Die Stufenquoten sagen es sofort. Wenn aus 100 Erstkontakten 40 Termine werden, aber aus 40 Terminen nur 3 Angebote — dann ist dein Problem nicht die Akquise. Es ist das Gespräch. Und dann brauchst du kein neues Lead-Budget, sondern Training.
Welche Stufen dein Vertrieb überhaupt hat, klärst du vorher. Wie ein belastbarer Vertriebsprozess aussieht, habe ich getrennt beschrieben.
4. Alter der offenen Angebote
Die Zahl, die fast niemand führt — und die am schnellsten Geld bringt.
Wie viele Angebote sind älter als 14 Tage und wurden nie nachgefasst? In den meisten Vertriebsorganisationen liegt dort ein zweistelliger Prozentsatz des Jahresumsatzes und verstaubt. Nicht weil die Kunden nein gesagt haben. Weil niemand nochmal gefragt hat.
Übrigens: Wie lange ein Angebot rechtlich bindet, regeln § 145 ff. BGB. Das ist kein Detail für Juristen — es ist ein Argument für dein Nachfassen.
Der Wochenrhythmus, der es trägt
Kennzahlen ohne Rhythmus sind Dekoration. Der Rhythmus ist der eigentliche Mechanismus.
Montag, 15 Minuten. Jeder Vertriebler nennt drei Zahlen: Aktivitäten letzte Woche, Termine diese Woche, offene Angebote. Keine Präsentation, keine Ausreden, keine Excel-Schlacht. Drei Zahlen.
Mittwoch: Angebote. Alles, was älter als 14 Tage ist, wird angerufen. Nicht gemailt. Angerufen.
Freitag, 10 Minuten. Pipeline-Deckung gegen Quartalsziel. Reicht sie nicht, wird die Aktivitätenzahl für die nächste Woche erhöht. Sofort, nicht nächsten Monat.
Das ist alles. 25 Minuten pro Woche. Diese 25 Minuten sind der Unterschied zwischen einem Vertrieb, der Umsatz macht, und einem, der Umsatz erklärt.
Zwei Dinge machen den Rhythmus kaputt, und beide sind hausgemacht. Das erste ist die Verlängerung: Aus 15 Minuten werden 90, weil jeder erzählt statt Zahlen zu nennen. Setz einen Timer, im Ernst. Das zweite ist die Ausnahme: „Diese Woche fällt es aus, wir haben Messe." Ab der zweiten Ausnahme existiert der Termin nicht mehr. Er findet statt, wenn du im Urlaub bist, wenn Messe ist und wenn ein Großauftrag reinkommt — dann besonders, weil Betriebe nach großen Aufträgen am häufigsten aufhören zu akquirieren und drei Monate später in ein Loch fallen.
Wichtig: Der Rhythmus muss ohne dich funktionieren. Wenn du der Einzige bist, der die Zahlen einsammelt, hast du keine Vertriebssteuerung, sondern ein Hobby. Wer diese Rolle im Team trägt und was sie können muss, steht im Beitrag über den Vertriebsleiter.
Vertriebssteuerung im kleinen Team
„Das gilt für Konzerne, ich habe zwei Vertriebler." Falsch. Vertriebssteuerung ist bei zwei Leuten wichtiger als bei zwanzig, weil der Ausfall eines Einzelnen bei dir 50 Prozent Leistungsverlust bedeutet.
Was sich ändert, ist nur der Aufwand. Du brauchst kein System für 100.000 Euro. Eine Tabelle reicht: vier Spalten, eine Zeile pro Vertriebler, eine Datei pro Woche. Ich habe Betriebe gesehen, die mit einem Whiteboard im Büro besser gesteuert haben als Konzerne mit dreistelligen Software-Budgets.
Der Punkt ist nicht das Werkzeug. Der Punkt ist, dass die Zahl jeden Montag auf dem Tisch liegt und dass jeder weiß, dass sie auf dem Tisch liegt. Allein diese Sichtbarkeit verändert Verhalten — bei dir selbst übrigens auch. Wenn du als Inhaber mitverkaufst, trag dich in dieselbe Tabelle ein. Nichts entlarvt einen unstrukturierten Vertrieb schneller als der Chef, der seine eigenen Aktivitäten nicht nennen kann.
Und wenn du allein verkaufst: Dann steuerst du dich selbst. Dieselben vier Zahlen, derselbe Rhythmus. Der einzige Unterschied ist, dass das Montagsgespräch fünf Minuten mit dir selbst dauert.
Vertriebssteuerung mit CRM — oder ohne
Die Software-Frage kommt immer, und sie kommt immer zu früh.
Ein CRM steuert nicht. Es speichert. Wer einen unklaren Prozess in ein CRM gießt, hat danach einen unklaren Prozess in einer Datenbank — und zusätzlich das Problem, dass niemand pflegt, was niemand versteht. Deshalb: erst die vier Zahlen und der Rhythmus, dann das Werkzeug.
Wenn du ein CRM einführst, achte auf genau eine Eigenschaft: Kann ein Vertriebler seinen Tag darin in unter fünf Minuten dokumentieren? Alles darüber wird nicht gepflegt. Und ein CRM mit halb gepflegten Daten ist schlimmer als eine ehrliche Tabelle, weil es Sicherheit vorspiegelt, wo keine ist.
Das häufigste Muster, das mir begegnet: Unternehmen kaufen Software, um ein Führungsproblem zu lösen. Das funktioniert nie. Vertriebssteuerung ist Führung — Werkzeuge machen sie schneller, nicht existent.
Was du nicht messen solltest
Genauso wichtig. Diese Zahlen kosten Zeit und erzeugen Nebel:
Anzahl der Wählversuche. Belohnt Beschäftigung, nicht Ergebnis. Zähle erreichte Entscheider.
Gefahrene Kilometer, geschriebene Mails, CRM-Einträge. Alles Tätigkeitsnachweise. Sie messen Fleiß, nicht Wirkung. Und sie erzeugen genau das Verhalten, das du nicht willst: Menschen optimieren, was gemessen wird.
Zufriedenheits-Selbsteinschätzungen des Teams auf einer Skala von 1 bis 10. Interessant für die Kultur, nutzlos für die Steuerung.
Alles, was du monatlich statt wöchentlich siehst. Ein Monat ist zu lang. Bis du reagierst, ist das Quartal halb vorbei.
Warum die Zahlen ohne Konsequenz nichts bringen
Der häufigste Fehler ist nicht das falsche Kennzahlensystem. Es ist ein richtiges System ohne Folgen.
Wenn ein Vertriebler drei Wochen hintereinander ein Drittel der vereinbarten Aktivitäten liefert und nichts passiert, hast du dem gesamten Team beigebracht, dass die Zahlen egal sind. Ab diesem Moment ist deine Vertriebssteuerung Papier.
Konsequenz heißt nicht Rausschmiss. Sie heißt: Gespräch, Ursachenklärung, Maßnahme, neuer Termin zur Überprüfung. Vielleicht fehlt Training. Vielleicht ist die Zielgruppe falsch. Vielleicht ist der Mann am falschen Platz. Alle drei Antworten sind in Ordnung — keine Antwort ist es nicht.
Wie du Ziele so vereinbarst, dass sie tragen, und welche Struktur dahinter gehört, steht in der Vertriebsstrategie.
In 30 Tagen umgesetzt
Kein Projekt. Vier Schritte.
Woche 1: Definiere deine Stufen. Erstkontakt, Termin, Angebot, Auftrag. Halte fest, wann eine Stufe als erreicht gilt — schriftlich, eindeutig.
Woche 2: Erhebe den Ist-Zustand. Aktivitäten pro Kopf, Pipeline-Volumen, Stufenquoten der letzten drei Monate, Alter aller offenen Angebote. Die Zahlen werden dich überraschen. Sie überraschen jeden.
Woche 3: Setze Zielwerte. Rückwärts gerechnet: Vom Quartalsziel über die Abschlussquote zur nötigen Aktivitätenzahl pro Kopf und Woche.
Woche 4: Starte den Rhythmus. Montag, Mittwoch, Freitag. Ohne Ausnahme, auch in der Urlaubszeit.
Nach 90 Tagen weißt du zum ersten Mal im Voraus, wie dein Quartal ausgeht. Das ist der Punkt, an dem Vertrieb aufhört, Glückssache zu sein.
Wenn du das nicht nebenbei einführen willst, sondern mit einem System, das 10.000-fach bewährt ist: Beim Systemvertriebcode bauen wir genau diese Steuerung auf. Und wenn du den vorderen Teil — die Aktivitäten — nicht mehr von Hand füllen willst, ist die Akquisemaschine der Weg: Sie erzeugt die Erstkontakte, die deine Pipeline braucht, automatisiert. 2024 haben wir damit über 87.000 Anfragen generiert.
Fang mit Woche 1 an. Heute. Die Definition deiner Stufen kostet dich 20 Minuten und verändert jedes Gespräch, das du danach über Vertrieb führst.
