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Rede schreiben: Aufbau, Beispiele und Gliederungen für Unternehmer

Dirk Kreuter
Dirk Kreuter im blauen Anzug auf blau beleuchteter Bühne mit Handgeste – worauf es beim Rede schreiben ankommt

Freitagabend, die Weihnachtsfeier ist in einer Woche. Du sitzt vor einem leeren Dokument, und in deinem Kopf läuft derselbe Satz wie jedes Jahr: „Liebe Kolleginnen und Kollegen, ein ereignisreiches Jahr liegt hinter uns.“ Du weißt, dass dieser Satz niemanden erreicht. Du weißt nur nicht, was stattdessen dahin gehört.

Eine Rede schreiben heißt nicht, einen Aufsatz zu verfassen, den du anschließend vorliest. Es heißt, eine Botschaft so zu bauen, dass sie im Ohr ankommt — einmal, ohne Zurückblättern, vor Menschen, die gerade lieber am Buffet stünden. Als Unternehmer bist du dabei in der Rolle des Redners: vor deinem Team beim Jahresauftakt, vor Kunden beim Firmenjubiläum, vor einem langjährigen Mitarbeiter bei seiner Verabschiedung. Und jede dieser Reden ist dasselbe wie ein Verkaufsgespräch, nur vor vielen gleichzeitig: Ziel, Publikum, Botschaft, Handlungsaufforderung.

Ich zeige dir, wie du eine Rede schreibst, die nach dir klingt und nicht nach Pressemitteilung: von der Vorbereitung über den Rede Aufbau bis zur Sprechfassung, die du auf der Bühne wirklich benutzen kannst. Dazu bekommst du vier Beispiel-Gliederungen für die Anlässe, vor denen Unternehmer im Mittelstand am häufigsten stehen. Wie du die fertige Rede dann vorträgst, steht in der Anleitung zum Vortrag halten — hier geht es ums Manuskript.

Rede schreiben ist Verkaufen vor vielen

Die meisten schlechten Unternehmerreden scheitern nicht am Vortrag, sondern am Schreibtisch. Der Chef sammelt alles, was im Jahr passiert ist, sortiert es chronologisch und liest es vor. Das Ergebnis ist ein Rechenschaftsbericht mit Mikrofon.

Denk deine Rede wie ein Verkaufsgespräch. Bevor du einem Kunden ein Angebot machst, weißt du, wer er ist, was er braucht und was er am Ende tun soll. Wer eine Rede schreiben will, ohne diese drei Antworten zu haben, schreibt ins Blaue.

Dazu kommt: Ein Leser kann zurückblättern, ein Zuhörer nicht. Was beim ersten Hören nicht ankommt, ist verloren. Die Wikipedia-Definition der Rede bringt den Kern gut auf den Punkt: eine im Voraus überlegte, mündliche Mitteilung eines Redners an mehrere Personen. Überlegt — und mündlich. Beides zählt.

Bevor du schreibst: Anlass, Publikum, Ziel, Botschaft

Beantworte vier Fragen schriftlich, jede in einem Satz. Brauchst du für eine davon drei Sätze, bist du noch nicht so weit.

Der Anlass: Was ist der Rahmen?

Der Anlass bestimmt Ton, Länge und Erwartung. Bei der Weihnachtsfeier erwartet niemand eine Strategiepräsentation, beim Jahresauftakt erwartet jeder eine Richtung. Kläre vorab die harten Fakten: Wann in der Veranstaltung sprichst du, wer spricht vor und nach dir, wie viel Zeit hast du — und gibt es Mikrofon und Rednerpult, oder stehst du im Lager zwischen zwei Regalen?

Das Publikum: Wer sitzt da?

Schreib die Rede nicht für „die Belegschaft“. Schreib sie für drei konkrete Menschen aus dem Saal: den Azubi im ersten Lehrjahr, den Meister mit 25 Dienstjahren und den Vertriebsmitarbeiter, der erst seit März dabei ist. Funktioniert die Rede für alle drei, funktioniert sie für den Saal. Frag dich, was sie gerade beschäftigt und wovor sie Sorge haben. Eine Rede, die diese Sorgen ignoriert, wirkt abgehoben.

Das Ziel: Was sollen sie danach tun, denken oder fühlen?

Formuliere das Ziel als Wirkung beim Publikum, nicht als Thema. „Ich spreche über das Jahr 2026“ ist ein Thema. „Jeder Monteur weiß ab Montag, welche zwei Zahlen 2027 für ihn zählen“ ist ein Ziel, das du überprüfen kannst.

Die Botschaft: Welcher eine Satz soll hängen bleiben?

Das ist die wichtigste Vorarbeit beim Rede schreiben. Schreib den einen Satz auf, den dein Publikum am nächsten Morgen noch wiedergeben soll. Nur einen. Was diesen Satz nicht stützt, fliegt raus, auch wenn es dir am Herzen liegt.

Der Test: Stell dir vor, ein Mitarbeiter wird am Montag von seinem Partner gefragt, was der Chef gesagt hat. Was antwortet er? Wenn die Antwort „Irgendwas mit Herausforderungen“ lautet, hast du keine Botschaft. Wenn sie lautet „Wir machen nächstes Jahr keine Kleinaufträge mehr unter 500 Euro, damit wir die großen Baustellen sauber schaffen“, hast du eine.

Rede Aufbau: Einstieg, Hauptteil und Schluss

Der Rede Aufbau ist seit der Antike stabil. Die klassische Rhetorik unterscheidet fünf Redeteile: Einleitung (exordium), Erzählung des Sachverhalts (narratio), Gliederung (propositio), Beweisführung (argumentatio) und Schluss (peroratio). Nachlesen kannst du das im Abschnitt zu den Redeteilen im Wikipedia-Artikel zur Rhetorik. Für die Rede im Unternehmen reicht die verdichtete Form: Einstieg, Hauptteil, Schluss — jeder mit einer klaren Aufgabe.

Der Einstieg: Aufmerksamkeit in den ersten Sätzen

Die ersten Sätze entscheiden, ob dir der Saal zuhört oder höflich wartet, bis du fertig bist. Was du zuerst sagst, prägt, wie alles Weitere gehört wird — dieser Mechanismus ist als Primacy-Effekt gut beschrieben. Verschenke den Anfang deshalb nicht an Floskeln, Begrüßungslisten und „Ich will euch gar nicht lange aufhalten“.

Starke Einstiege für Unternehmerreden:

  • Ein konkreter Moment: „Am 14. März um halb sieben stand Jonas allein auf der Baustelle in Herne und hat das Problem gelöst, für das wir eigentlich drei Leute eingeplant hatten.“
  • Eine Frage, die jeder im Saal still beantwortet: „Wer von euch weiß, wie viele Kunden wir dieses Jahr zum ersten Mal hatten?“
  • Ein Satz, der überrascht: „Ich fange mit dem an, was dieses Jahr schiefgegangen ist.“
  • Ein Gegenstand: Du hältst das erste Werkzeug, die erste Rechnung oder das erste Firmenschild hoch.

Die Begrüßung der Ehrengäste gehört trotzdem dazu — aber kurz und nach dem ersten starken Satz, nicht davor.

Der Hauptteil: drei Gedanken, nicht zehn

Im Hauptteil verkaufst du deine Botschaft. Die häufigste Falle ist Vollständigkeit: jedem danken, jedes Projekt erwähnen, jede Zahl zeigen. Das Ergebnis ist eine Liste, und Listen hört niemand gern zu.

Beschränke dich auf höchstens drei Gedanken. Jeder Gedanke folgt demselben Muster:

  1. Die Aussage in einem Satz.
  2. Der Beleg: eine konkrete Geschichte, ein Kunde, eine Zahl aus deinem Betrieb.
  3. Die Verbindung zur Botschaft: Was heißt das für uns?

Die Geschichten sind kein Schmuck, sie sind der Beleg. „Unser Service ist besser geworden“ prallt ab. Die Kundin, die beim dritten Anruf sagt, sie bestelle jetzt nur noch bei euch, bleibt hängen. Wie du solche Geschichten baust, damit sie in zwei Minuten sitzen, erkläre ich ausführlich im Artikel zum Storytelling.

Der Schluss: der Satz, mit dem sie rausgehen

Der Schluss wird am häufigsten verschenkt. „Ja, das war's eigentlich schon von meiner Seite“ ist kein Schluss, das ist ein Abbruch. Schreib den Schluss als Erstes fertig. Dann weißt du beim Hauptteil, wo du hinwillst.

Ein guter Schluss hat zwei Elemente:

  • Die Botschaft noch einmal — in denselben oder fast denselben Worten wie am Anfang. Wiederholung ist im Gesprochenen kein Fehler, sondern ein Werkzeug.
  • Eine Handlungsaufforderung oder ein klarer Abschluss: „Ab Montag hängen die zwei Zahlen in jeder Werkstatt.“ Oder bei der Feier: „Und jetzt: Das Buffet ist eröffnet.“

Der letzte Satz muss so klingen, dass das Publikum weiß, wann es klatschen soll. Wenn nach deinem letzten Satz eine unsichere Pause entsteht, war es nicht der letzte Satz.

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Sprechsprache statt Schriftsprache

Hier trennt sich die Rede vom Aufsatz. Du schreibst für das Ohr, nicht für das Auge.

  • Kurze Sätze. Ein Gedanke pro Satz. Nebensätze ans Ende, nicht in die Mitte. „Wir haben, nachdem der Großauftrag aus Dortmund im Mai, der uns lange beschäftigt hat, abgeschlossen war, …“ — an dieser Stelle hat der Saal den Faden verloren.
  • Verben statt Substantive. Nicht „die Durchführung der Umstellung erfolgte im zweiten Quartal“, sondern „Im Sommer haben wir umgestellt.“
  • Wiederholung ist erlaubt. Die Botschaft darf drei Mal vorkommen: im Einstieg, in der Mitte, am Schluss. Im Brief wäre das lästig, im Saal ist es Orientierung.
  • Zahlen sparsam und gerundet. Eine Zahl pro Gedanke. „Fast ein Viertel mehr Aufträge“ bleibt hängen, „23,7 Prozent“ nicht.
  • Ankündigungen und Übergänge. „Ich habe euch drei Dinge mitgebracht.“ — „Das zweite …“ Das sind die Wegweiser, die ein Leser über Zwischenüberschriften bekäme.
  • Deine Wörter, nicht die der Werbeagentur. Wenn du im Alltag nicht „Synergien heben“ sagst, sagst du es auch auf der Bühne nicht.

Lies jeden Absatz laut. Jede Stelle, an der du stolperst, schreibst du um. Wie Stimme, Tempo und Pausen dann im Vortrag wirken, ist Thema der Rhetorik — beim Schreiben musst du nur dafür sorgen, dass die Sätze überhaupt sprechbar sind.

Wie lang soll deine Rede sein?

Kürzer, als du denkst. Eine feste Formel gibt es nicht, denn jeder spricht in seinem eigenen Tempo. Deshalb planst du in Minuten statt in Seiten — und misst selbst:

  1. Kläre das Zeitfenster. Bist du selbst Veranstalter, leg es fest und schreib es in den Ablaufplan.
  2. Lass Luft für Applaus und Lacher. Plane die Rede spürbar kürzer als das Zeitfenster.
  3. Lies die Rohfassung laut mit Stoppuhr — im Stehen, in deinem Bühnentempo.
  4. Kürze, bis du im Rahmen bist. Und dann noch einmal um einen Absatz.

Kürzen fällt schwer, weil jedes Detail für dich eine Geschichte hat — für dein Publikum nicht. Noch nie hat sich jemand beschwert, dass der Chef zu kurz geredet hat.

Rede schreiben in sieben Schritten

Aus den Grundlagen wird ein Ablauf, den du für jeden Anlass wiederholst. Verteile die Arbeit auf mehrere Tage — einer Rede, die am Abend vorher entsteht, hört man das an.

Schritt 1: Material sammeln

Schreib alles auf, was dir zum Anlass einfällt — Ereignisse, Namen, Zahlen, Kundengeschichten, Pannen. Ohne Ordnung. Frag zwei, drei Mitarbeiter, welcher Moment des Jahres ihnen geblieben ist.

Schritt 2: Botschaft festlegen

Entscheide dich für den einen Satz und streich alles, was ihn nicht stützt. Was übrig bleibt, ist deine Rede.

Schritt 3: Gliederung bauen

Einstieg, höchstens drei Gedanken, Schluss — je ein Stichpunkt. Passt die Gliederung auf eine Karteikarte, ist sie gut.

Schritt 4: Schluss und Einstieg ausformulieren

Diese beiden Teile schreibst du zuerst und Wort für Wort aus. Wer den ersten und den letzten Satz auswendig kann, steht sicher auf der Bühne.

Schritt 5: Rohfassung des Hauptteils schreiben

Schreib den Hauptteil in einem Zug, so wie du sprichst. Noch besser: Sprich die Rohfassung in die Diktierfunktion deines Smartphones. Das ist der direkte Weg zur Sprechsprache.

Schritt 6: Laut lesen und kürzen

Lies die komplette Rede laut, mit Stoppuhr, an zwei verschiedenen Tagen. Kürze lange Sätze, streich Füllsätze, ersetze Fachwörter.

Schritt 7: Sprechfassung anlegen

Das Manuskript zum Lesen ist nicht das Manuskript für die Bühne. Für die Bühne legst du eine Sprechfassung an:

  • Große Schrift, mindestens so groß, dass du sie mit gesenktem Blick vom Pult aus lesen kannst.
  • Ein Satz oder Sinnabschnitt pro Zeile, damit dein Auge nie mitten im Satz die Zeile wechseln muss.
  • Markierungen für Pausen — ein Schrägstrich reicht — und für das Wort, das du betonen willst.
  • Seitenzahlen und kein Satz, der über die Seite hinausläuft.
  • Oder Stichwortkarten, wenn du frei sprechen willst: eine Karte pro Gedanke, Einstieg und Schluss ausformuliert.

Ob du am Ende ablesen, mit Karten arbeiten oder frei sprechen solltest, und wie du die Generalprobe aufziehst, erkläre ich im Artikel zum Vortrag halten. Das Manuskript ist die Grundlage für alle drei Wege.

Beispiel-Gliederungen für Anlässe im Unternehmen

Die meisten Reden, die du als Unternehmer hältst, wiederholen sich jährlich. Einmal sauber gebaut, hast du eine Vorlage, die du nur noch füllst. Die Gliederungen sind Gerüste — die Inhalte kommen aus deinem Betrieb.

Rede zur Weihnachtsfeier

Ziel: Wertschätzung, Zusammenhalt, ein guter Abend. Die Weihnachtsrede ist keine Bilanzpressekonferenz.

  • Einstieg: ein konkreter Moment aus dem Jahr, über den alle im Saal schmunzeln oder nicken.
  • Hauptteil, Gedanke 1: Was haben wir dieses Jahr gemeinsam geschafft? Eine Geschichte, nicht zehn Projekte.
  • Hauptteil, Gedanke 2: Wer hat es möglich gemacht? Dank an Teams und Einzelne — namentlich, mit dem, was sie konkret getan haben.
  • Hauptteil, Gedanke 3: Ein kurzer, ehrlicher Blick nach vorn. Ein Satz zur Richtung, keine Planzahlen.
  • Schluss: Botschaft wiederholen, Dank, Glas erheben, Abend eröffnen.

Die Menschen sind zum Feiern da, also halte dich kurz. Was dein Team übers Jahr antreibt, steht im Beitrag zur Mitarbeitermotivation.

Rede zum Firmenjubiläum

Ziel: Stolz nach innen, Vertrauen nach außen. Im Saal sitzen Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten, vielleicht Familie und Lokalpresse.

  • Einstieg: ein Gegenstand oder Bild aus dem Gründungsjahr — die erste Rechnung, das erste Firmenfahrzeug, die erste Werkstatt.
  • Hauptteil, Gedanke 1: Woher wir kommen — zwei, drei Wendepunkte, keine lückenlose Chronik.
  • Hauptteil, Gedanke 2: Was uns ausmacht — die Werte, die in allen Jahren gleich geblieben sind, belegt mit einer Geschichte.
  • Hauptteil, Gedanke 3: Wohin wir gehen — die Richtung für die nächsten Jahre.
  • Schluss: Dank an Kunden, Partner und Team, Botschaft wiederholen.

Die Jubiläumsrede macht deine Unternehmenskultur sichtbar — als Geschichte, die jeder im Saal wiedererkennt.

Rede zum Jahresauftakt

Ziel: Richtung und Energie. Diese Rede ist die geschäftlichste von allen. Hier darf und soll es Zahlen geben — aber wenige.

  • Einstieg: Wo stehen wir? Ein Bild, eine Zahl, eine Geschichte vom letzten Jahr.
  • Hauptteil, Gedanke 1: Was haben wir gelernt? Ein Erfolg und ein Fehler, beide ehrlich.
  • Hauptteil, Gedanke 2: Wohin wollen wir? Das eine Ziel des Jahres, in einem Satz.
  • Hauptteil, Gedanke 3: Was heißt das für jeden einzelnen? Ab Montag, konkret.
  • Schluss: Botschaft, Handlungsaufforderung, Zuversicht.

Beim Jahresauftakt holen sich manche Unternehmer zusätzlich einen externen Redner für die Keynote, also den Hauptvortrag der Veranstaltung. Was ein Keynote Speaker leistet und wann sich das lohnt, liest du im Überblick zum Thema. Die Rede des Inhabers ersetzt er nicht: Die Richtung gibst du vor, nicht der Gast.

Rede zur Verabschiedung

Ziel: einen Menschen würdigen. Ob Ruhestand nach Jahrzehnten oder Wechsel nach wenigen Jahren — im Mittelpunkt steht die Person, nicht das Unternehmen.

  • Einstieg: eine Geschichte, die typisch für diesen Menschen ist.
  • Hauptteil: Was hat er oder sie im Betrieb bewegt? Was werden wir vermissen?
  • Schluss: Dank, gute Wünsche, Übergabe des Geschenks.

Würdigst du einen Menschen ausführlich, ist das eine eigene Redeform mit eigenen Regeln. Wie du eine Laudatio schreibst, zeige ich im eigenen Artikel.

Rede schreiben Beispiel: der Jahresauftakt im Elektrobetrieb

Ein typischer Fall, als Szenario: Thomas führt einen Elektrobetrieb mit 25 Mitarbeitern. Das letzte Jahr war voll, aber chaotisch. Zu viele Kleinaufträge, Monteure ständig zwischen Baustellen unterwegs, zwei große Projekte mit Verzug. Für 2027 will er umsteuern: weniger Kleinkram, mehr Projektgeschäft. Am ersten Montag im Januar steht er vor seinem Team in der Werkstatt. Zehn Minuten, dann gibt es Frühstück.

Seine Vorarbeit in vier Sätzen:

  • Anlass: Jahresauftakt in der Werkstatt, ganzes Team, zehn Minuten, kein Mikrofon.
  • Publikum: Monteure, zwei Azubis, Büro. Sorge: Wird es jetzt noch stressiger?
  • Ziel: Jeder weiß, warum wir Kleinaufträge reduzieren und was das für seinen Alltag bedeutet.
  • Botschaft: „Wir machen weniger Baustellen — und die machen wir richtig.“

Seine Gliederung und Auszüge aus dem Manuskript:

Einstieg: „Wisst ihr, wie oft unsere Transporter letztes Jahr zwischen zwei Baustellen hin- und hergefahren sind, nur um eine Steckdose zu tauschen? Ich weiß es seit Freitag. Und ich will die Zahl nie wieder so hoch sehen.“

Gedanke 1 — Was wir gelernt haben: Die Geschichte vom Neubau in Bochum, der drei Wochen Verzug hatte, weil die Leute ständig für Kleinaufträge abgezogen wurden. Und die Geschichte vom Bürogebäude, bei dem ein festes Team von Anfang bis Ende dran war — pünktlich, ohne Nacharbeit, der Kunde hat zwei Folgeaufträge vergeben.

Gedanke 2 — Wohin wir wollen: „Ab diesem Jahr nehmen wir Kleinaufträge nur noch für Bestandskunden an. Dafür bekommt jedes Projekt ein festes Team.“

Gedanke 3 — Was das für euch heißt: „Für euch heißt das: weniger Fahrerei, weniger Zettelwirtschaft, mehr Baustellen, auf die ihr am Ende stolz seid. Jeden Montag hängt in der Werkstatt, welches Team auf welchem Projekt ist.“

Schluss: „Wir machen weniger Baustellen — und die machen wir richtig. Das ist der Plan für dieses Jahr. Und jetzt: Frühstück.“

Was dieses Rede schreiben Beispiel zeigt: kein Satz über „Herausforderungen“ oder „spannende Zeiten“. Stattdessen zwei Geschichten, eine Entscheidung und eine Antwort auf die Sorge, die im Raum stand.

Die häufigsten Fehler beim Rede schreiben

  • Ohne Botschaft anfangen. Wer beim Schreiben erst herausfinden will, was er sagen möchte, liefert dem Publikum die Suche mit.
  • Chronologie statt Auswahl. Januar bis Dezember ist kein Rede Aufbau, sondern ein Kalender.
  • Schriftdeutsch. Schachtelsätze, Substantivketten und Fachbegriffe, die im Brief funktionieren und im Saal untergehen.
  • Danksagungen als Liste. Zwanzig Namen hintereinander sind Pflichtprogramm. Drei Namen mit je einer konkreten Leistung wirken stärker.
  • Insider-Witze. Wenn die Hälfte des Saals den Witz nicht versteht, spaltest du das Publikum, statt es zu verbinden.
  • Kein Schluss. Die Rede hört einfach auf, und alle warten unsicher, ob noch etwas kommt.
  • Fremde Fassung ungeprüft übernehmen. Hilfe beim Rede schreiben ist legitim. Aber wenn die Sätze nicht nach dir klingen, hört der Saal das sofort.
  • Zu spät anfangen. Was du am Abend vorher schreibst, kannst du nicht mehr laut testen und kürzen.

Deine Wirkung im Saal hängt nicht nur am Text, sondern daran, wie viel von dir darin steckt. Menschen folgen Rednern, die erkennbar meinen, was sie sagen. Warum Ausstrahlung trainierbar ist, beschreibe ich im Artikel zum Charisma.

Dein nächster Schritt: Reden, die Richtung geben

Eine gute Rede ist kein rhetorisches Feuerwerk, sondern ein Führungsinstrument: Du sagst deinem Team, wohin es geht, warum, und was das für jeden bedeutet. Die Rede ist dabei nur der sichtbare Teil. Dahinter stehen die Fragen, die du vorher klären musst: Welches Ziel hat dein Unternehmen im nächsten Jahr? Welche Zahlen zählen? Wie bringst du dein Team dorthin? Genau dafür ist das Unternehmer-Paket da — sieben Anleitungen für mehr Umsatz, mit denen du die Inhalte entwickelst, über die du dann vor deinem Team sprichst.

Häufige Fragen zum Rede schreiben

Wie fange ich eine Rede an?

Mit einem starken ersten Satz, nicht mit einer Begrüßungsliste: ein konkreter Moment aus dem Betrieb, eine Frage an das Publikum oder ein Gegenstand, den du hochhältst. Die Begrüßung der Ehrengäste folgt kurz danach.

Wie ist eine Rede aufgebaut?

Eine Rede besteht aus Einstieg, Hauptteil und Schluss. Der Einstieg holt die Aufmerksamkeit, der Hauptteil stützt die Botschaft mit höchstens drei Gedanken und konkreten Belegen, der Schluss wiederholt die Botschaft und endet mit einer Handlungsaufforderung oder einem klaren Abschluss. Die klassische Rhetorik unterscheidet feiner nach fünf Redeteilen, für Reden im Unternehmen reicht die Dreiteilung.

Wie lang sollte eine Rede sein?

So kurz, wie der Anlass es erlaubt. Plane in Minuten statt in Seiten, frag nach dem Zeitfenster und lies die Rede laut mit Stoppuhr, denn jeder Redner spricht in seinem eigenen Tempo. Bei Feiern gilt: Lieber eine Minute zu kurz als fünf zu lang.

Soll ich die Rede ablesen oder frei sprechen?

Beides ist möglich, wenn das Manuskript dafür gebaut ist. Wer abliest, braucht eine Sprechfassung mit großer Schrift, kurzen Zeilen und Pausenzeichen. Wer frei sprechen will, arbeitet mit Stichwortkarten und lernt nur Einstieg und Schluss auswendig.

Darf ich mir beim Rede schreiben helfen lassen?

Ja. Ein Redenschreiber oder ein Sparringspartner kann Struktur und Formulierungen verbessern. Entscheidend ist, dass du jede Fassung laut liest und alles umschreibst, was nicht nach dir klingt.

Fazit: Erst die Botschaft, dann die Sätze

Eine Rede schreiben heißt, Entscheidungen zu treffen: für einen Satz, der hängen bleibt, für drei Gedanken statt zehn, für Geschichten statt Aufzählungen, für Sprechsprache statt Schriftdeutsch. Nimm dir für deine nächste Rede die vier Fragen vor. Schreib Schluss und Einstieg zuerst. Lies alles laut. Und dann sag es so, wie du es meinst.