Dirk Kreuter Logo
← Alle BeiträgeUnternehmertum

Proof of Concept: Machbarkeit prüfen, bevor du investierst

Dirk Kreuter
Dirk Kreuter im blauen Sakko liest auf dunkler Bühne von einem Blatt ab, Titelbild zum Proof of Concept

Ein Unternehmer sitzt mir gegenüber und erzählt von seiner neuen Idee. Er will seinen Kunden eine Fernwartung anbieten, eine Software für die Einsatzplanung, ein neues Serviceprodukt. Er hat schon ein Logo. Eine Webseite ist in Arbeit. Die Agentur hat das erste Angebot geschickt. Dann stelle ich eine einzige Frage: „Hast du geprüft, ob das technisch und organisatorisch überhaupt funktioniert?" Stille.

Genau dafür gibt es den Proof of Concept. Auf Deutsch: den Machbarkeitsnachweis. Ein Proof of Concept, kurz PoC, beantwortet eine Frage, bevor du Geld, Zeit und Nerven in ein Vorhaben steckst: Lässt sich das, was ich vorhabe, grundsätzlich umsetzen? Nicht schön, nicht perfekt, nicht marktreif. Nur grundsätzlich.

Die meisten Unternehmer im Mittelstand überspringen diesen Schritt. Und merken nach sechs Monaten und einem fünfstelligen Budget, dass die Schnittstelle zur Warenwirtschaft nicht funktioniert oder die Monteure die App nicht bedienen können.

Ich zeige dir, was ein Proof of Concept ist, wie er sich von Prototyp, MVP und Pilotprojekt unterscheidet, wie du ihn in sieben Schritten durchziehst — und wie du ihn im Vertrieb verkaufst.

Proof of Concept: Definition und Bedeutung

Die Wikipedia beschreibt den Proof of Concept im Projektmanagement als Meilenstein, an dem die prinzipielle Durchführbarkeit eines Vorhabens belegt ist. Der positive oder negative Machbarkeitsnachweis ist das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie. In der Regel gehört dazu ein Prototyp mit der benötigten Kernfunktion.

Drei Wörter in dieser Definition sind entscheidend:

  • Prinzipiell. Es geht nicht um ein fertiges Produkt. Es geht um die Frage, ob das Grundprinzip trägt.
  • Positiv oder negativ. Ein Proof of Concept kann scheitern. Das ist kein Unfall, das ist sein Zweck. Ein negatives Ergebnis nach drei Wochen ist billiger als ein gescheitertes Projekt nach einem Jahr.
  • Kernfunktion. Du testest nicht alles. Du testest das eine Stück, an dem das ganze Vorhaben hängt.

Wörtlich heißt Proof of Concept „Nachweis des Konzepts". Im Deutschen sagt man Machbarkeitsnachweis, in der Praxis meist einfach PoC.

In der IT-Sicherheit hat der Begriff eine zweite Bedeutung: den Nachweis, dass sich eine Sicherheitslücke tatsächlich ausnutzen lässt. Hier geht es um die unternehmerische Bedeutung — ob eine neue Leistung, eine Software oder ein neuer Ablauf in deinem Betrieb funktioniert.

Die eine Frage, die ein Proof of Concept beantwortet

Jedes neue Vorhaben muss drei Hürden nehmen. Erstens: Funktioniert es? Zweitens: Will der Kunde es? Drittens: Zahlt er genug dafür, dass es sich rechnet?

Der Proof of Concept beantwortet nur die erste Frage. Nicht die zweite, nicht die dritte. Das ist seine Stärke und seine Grenze zugleich.

Seine Stärke: Er ist schnell und billig, weil er sich auf eine einzige Frage konzentriert. Seine Grenze: Ein erfolgreicher PoC sagt dir nichts darüber, ob irgendjemand dein Angebot kauft. Das Ding kann einwandfrei funktionieren — und trotzdem will es keiner.

Deshalb gilt für jedes Innovationsvorhaben in deinem Unternehmen: Der Proof of Concept ist ein Zwischenschritt, kein Ziel. Innovation heißt nicht, etwas zu erfinden. Innovation heißt, eine neue Leistung verkauft zu bekommen. Wie du den gesamten Weg von der Idee zur verkauften Leistung steuerst, beschreibe ich im Artikel zum Innovationsmanagement im Mittelstand. Der PoC ist dort eine Station von mehreren.

Was der Proof of Concept prüfen kann, ist mehr als nur Technik. Die Wikipedia zur Machbarkeitsstudie nennt fünf Felder der Machbarkeitsprüfung: organisatorische Umsetzung, wirtschaftliche Machbarkeit, technische Machbarkeit, Ressourcen und zeitliche Umsetzung. Für dich als Unternehmer im Mittelstand heißt das:

  • Technisch: Funktioniert das Material, die Software, die Maschine, die Schnittstelle?
  • Organisatorisch: Können deine Leute das in ihren Arbeitsalltag einbauen? Passt es zu euren Abläufen?
  • Wirtschaftlich: Lässt sich die Leistung zu Kosten erbringen, die einen vernünftigen Preis zulassen?
  • Ressourcen: Hast du die Leute, die Maschinen, das Wissen — oder musst du zukaufen?
  • Zeitlich: Schaffst du das neben dem Tagesgeschäft in einem Zeitraum, der sich lohnt?

Ein guter PoC nimmt sich das Feld mit dem größten Risiko vor. Nicht alle fünf gleichzeitig.

Proof of Concept vs. Prototyp vs. MVP vs. Pilotprojekt

Agenturen, Softwareanbieter und Berater werfen diese vier Begriffe wild durcheinander — und du zahlst am Ende für das Falsche. Jeder der vier Schritte beantwortet eine andere Frage.

Proof of Concept (Machbarkeitsnachweis)

  • Frage: Funktioniert es grundsätzlich?
  • Zielgruppe: intern — du, dein Team, eventuell ein Entscheider beim Kunden
  • Umfang: nur die kritische Kernfunktion, oft provisorisch
  • Ergebnis: Ja oder Nein zur Machbarkeit, plus Erkenntnisse zu Aufwand und Risiken
  • Dauer im Mittelstand: typischerweise Tage bis wenige Wochen

Prototyp

  • Frage: Wie sieht es aus, wie fühlt es sich an, wie bedient man es?
  • Zielgruppe: intern und ausgewählte Testnutzer
  • Umfang: ein Modell der Lösung — aus Papier, als Klickdummy, als Muster aus der Werkstatt
  • Ergebnis: Rückmeldung zu Form, Bedienung und Aufbau
  • Dauer: Stunden bis Wochen, je nach Genauigkeit

MVP (Minimum Viable Product)

  • Frage: Will der Markt es und zahlt er dafür?
  • Zielgruppe: echte Kunden
  • Umfang: die kleinste Version, die ein Kunde nutzen und bezahlen kann
  • Ergebnis: Zahlen — Anfragen, Abschlüsse, Umsatz, Wiederkäufe
  • Dauer: Wochen bis Monate

Pilotprojekt

  • Frage: Funktioniert es im echten Betrieb, unter echten Bedingungen, in größerem Umfang?
  • Zielgruppe: ein ausgewählter Kunde, ein Standort, ein Team
  • Umfang: die fast fertige Lösung im Feldversuch
  • Ergebnis: Freigabe für die breite Einführung oder letzte Anpassungen
  • Dauer: meist mehrere Wochen bis Monate

Die Wikipedia beschreibt das Pilotprojekt als Großversuch oder Demonstrationsprojekt vor der allgemeinen Einführung, um Akzeptanz, Wirtschaftlichkeit, Marktpotenzial und technische Optimierung im Feldversuch zu erproben. Das ist der entscheidende Unterschied zum Proof of Concept: Der PoC findet vor der Entscheidung statt, ob du überhaupt weitermachst. Das Pilotprojekt findet statt, wenn die Entscheidung im Grundsatz gefallen ist.

Gratis Newsletter

Der Newsletter mit 200.000 Lesern

Sprachnachrichten, Live-Calls und Tipps für Unternehmer – direkt in dein Postfach.

  • Persönliche Sprachnachrichten zu den Fragen, die mich als Mentor am häufigsten erreichen.
  • Monatliche Live-Calls nur für Abonnenten – wir decken den größten Engpass in deinem Unternehmen auf.
  • Exklusive Vorlagen für mehr Kunden, mehr Umsatz und bessere Mitarbeiter.

DSGVO-konform • Jederzeit abmeldbar

200.000+

Leser

Wöchentlich

Direkt von Dirk

0 €

Für immer gratis

Was du als Abonnent bekommst? Hier entlang

Die sinnvolle Reihenfolge

Die Faustregel:

  1. Proof of Concept: Geht das überhaupt?
  2. Prototyp: Wie soll es aussehen und sich bedienen lassen?
  3. MVP: Zahlt jemand dafür?
  4. Pilotprojekt: Hält es im echten Betrieb?

Nicht jedes Vorhaben braucht alle vier. Ist die Machbarkeit offensichtlich, überspringst du den PoC und gehst direkt zum MVP. Wie das kleinste verkaufbare Angebot aussieht und wie du damit den Markt testest, erkläre ich ausführlich im Artikel zum Minimum Viable Product. Und wie Prototyp, Tests und Markteinführung im Gesamtprozess zusammenspielen, liest du im Artikel zur Produktentwicklung im Mittelstand.

Den Prototyp als schnellen Test am Nutzer kennst du vielleicht aus Design Thinking und dem Test am Kunden.

Wann du einen Proof of Concept brauchst — und wann nicht

Ein Proof of Concept kostet Zeit und Geld. Die Frage ist immer: Wie teuer wäre es, wenn die Grundannahme falsch ist?

Du brauchst einen PoC, wenn mindestens einer dieser Punkte zutrifft:

  • Hohe Folgeinvestition. Nach der Entscheidung fließt richtig Geld — in Software, Maschinen, Personal, Marketing.
  • Neue Technik. Du setzt etwas ein, das in deinem Betrieb noch niemand beherrscht.
  • Schnittstellen. Die neue Lösung muss mit bestehenden Systemen zusammenarbeiten: Warenwirtschaft, CRM, Buchhaltung, Maschinensteuerung.
  • Kundenseitige Skepsis. Ein wichtiger Kunde will vor einem Großauftrag sehen, dass es funktioniert.
  • Rechtliche oder sicherheitstechnische Fragen. Normen, Zulassungen, Datenschutz, Arbeitssicherheit.
  • Du kannst es nicht rückgängig machen. Wenn die Entscheidung einmal gefallen ist, gibt es kein Zurück ohne großen Schaden.

Du brauchst keinen PoC, wenn:

  • du die Leistung technisch längst beherrschst und nur das Angebot neu schnürst,
  • der Aufwand der kompletten Umsetzung kleiner ist als der eines sauberen Tests,
  • die Unsicherheit nicht in der Machbarkeit liegt, sondern im Markt. Dann ist das MVP dein Werkzeug, nicht der Machbarkeitsnachweis.

Den letzten Punkt übersehen viele. Wenn die Unsicherheit im Markt liegt, musst du verkaufen, bevor du baust. Der erste zahlende Kunde ist der beste Test, den es gibt.

Wer größere Vorhaben im Betrieb systematisch nach Risiken abklopft, erkennt schneller, wo ein Machbarkeitsnachweis Sinn ergibt. Wie du die Risiken in deinem Unternehmen bewertest, erkläre ich im Artikel zum Risikomanagement im Mittelstand.

Proof of Concept durchführen: der Ablauf in sieben Schritten

Ein PoC ist kein Bastelprojekt, das nebenher läuft. Er ist ein kleines Projekt mit klarem Anfang, klarem Ende und klarer Entscheidung.

Schritt 1: Die kritische Annahme benennen

Schreib auf, woran dein Vorhaben scheitern würde. Nicht zehn Punkte. Einen, höchstens drei. Die Frage lautet: Welche Annahme muss stimmen, damit alles andere Sinn ergibt?

Beispiele:

  • „Unsere Monteure können die Einsatzdaten per App erfassen, ohne dass die Einsätze länger dauern."
  • „Die neue Beschichtung hält auch bei minus 15 Grad auf der Baustelle."
  • „Das CRM kann die Anfragen aus dem Webformular automatisch dem richtigen Vertriebler zuordnen."

Alles andere kommt später.

Schritt 2: Erfolgskriterien vorher festlegen

Das ist der Schritt, den fast alle vergessen. Und genau deshalb enden so viele Machbarkeitsnachweise mit „Hat irgendwie geklappt". Leg vorher fest, ab wann der PoC bestanden ist. Messbar, schriftlich, bevor du anfängst.

Schlecht: „Die App soll gut funktionieren."
Gut: „Drei Monteure erfassen zwei Wochen lang alle Einsätze per App. Die Erfassung dauert pro Einsatz nicht länger als die bisherige Papierlösung. Keine Einsatzdaten gehen verloren."

Wenn mehrere Lösungen gegeneinander antreten, hilft dir eine gewichtete Bewertung. Wie du Kriterien gewichtest und Varianten mit Zahlen statt Bauchgefühl vergleichst, zeige ich im Artikel zur Nutzwertanalyse.

Schritt 3: Den Umfang radikal begrenzen

Ein Proof of Concept testet die Kernfunktion. Nicht die Oberfläche, nicht den Komfort, nicht die Sonderfälle. Wenn du anfängst, im PoC Logos einzubauen, Farben auszuwählen oder Ausnahmen zu behandeln, baust du bereits das Produkt — und verlierst Zeit.

Schreib in einem Satz auf, was drin ist, und in einem zweiten, was ausdrücklich nicht drin ist. Diese Grenze verhindert, dass der PoC zum halben Projekt wächst.

Bei größeren Vorhaben mit externen Dienstleistern gehört die Abgrenzung in ein schriftliches Dokument. Was der Auftraggeber verlangt und was der Auftragnehmer liefert, klärst du am besten sauber getrennt. Wie das geht, liest du im Artikel zu Lastenheft und Pflichtenheft.

Schritt 4: Zeit und Budget deckeln

Gib dem PoC ein festes Ende. Zwei Wochen, vier Wochen, im Ausnahmefall acht. Und ein festes Budget. Wenn beides aufgebraucht ist, wird entschieden — egal, wie weit ihr seid.

Ohne Deckel heißt es immer: „Noch zwei Wochen, dann haben wir es." Und dann noch zwei.

Schritt 5: Durchführen und alles aufschreiben

Jetzt wird gearbeitet. Wichtig dabei: Dokumentiere nicht nur das Ergebnis, sondern auch den Weg. Welche Probleme sind aufgetaucht? Wie viele Stunden hat es gekostet? Welche Überraschungen gab es? Was musste improvisiert werden?

Diese Notizen zeigen dir, wie aufwendig die echte Umsetzung wird. Wenn der PoC nur mit drei Nachtschichten deines besten Technikers funktioniert hat, weißt du: machbar ja, aber nicht so, wie du dachtest.

Schritt 6: Auswerten und entscheiden

Am Ende legst du die Ergebnisse neben die Kriterien aus Schritt 2. Dann gibt es genau drei Möglichkeiten:

  • Go: Die Kriterien sind erfüllt. Du gehst in den nächsten Schritt — Prototyp, MVP oder Pilotprojekt.
  • Anpassen: Die Grundidee trägt, aber ein Teil muss anders gelöst werden. Neuer, kleiner PoC mit geänderter Annahme.
  • Stopp: Die kritische Annahme ist widerlegt. Das Vorhaben wird beendet — und zwar ohne Schuldzuweisung.

Der dritte Punkt ist der schwerste. Aber ein sauberer Stopp nach einem kleinen Test ist ein Erfolg: Du hast mit wenig Geld eine teure Fehlentscheidung verhindert.

Schritt 7: Das Ergebnis verkaufen

Ein bestandener Proof of Concept ist nichts wert, wenn ihn niemand kennt. Intern musst du Team, Führungskräfte oder die Bank überzeugen, extern oft einen Kunden. Deshalb endet jeder PoC mit einer kurzen Präsentation: Was war die Frage? Was haben wir getestet? Was ist herausgekommen? Was schlagen wir vor? Vier Punkte, eine Seite.

Der Proof of Concept im Vertrieb: wenn der Kunde einen Test verlangt

Jetzt kommt der Teil, den die meisten Ratgeber auslassen. Im B2B-Geschäft taucht der Proof of Concept nicht nur bei eigenen Innovationen auf, sondern ständig im Verkauf. Der Kunde sagt: „Klingt gut. Bevor wir unterschreiben, wollen wir einen Test sehen." Oder: „Macht doch erst mal einen PoC bei uns."

Das ist eine Chance — wenn du sie richtig behandelst.

Warum ein kostenloser PoC dich Aufträge kostet

Die Standardreaktion vieler Mittelständler: „Klar, machen wir. Kostenlos, damit ihr überzeugt seid." Das klingt kundenfreundlich. In der Praxis ist es einer der teuersten Fehler im B2B-Vertrieb:

  • Der Kunde hat nichts investiert. Also nehmen sich seine Leute keine Zeit, liefern keine Daten, erscheinen nicht zu Terminen.
  • Es gibt keine Erfolgskriterien. Niemand hat vorher festgelegt, ab wann der Test bestanden ist. Also findet der Kunde immer noch einen Punkt, der „noch nicht ganz passt".
  • Der Einkauf nutzt dich als Beratung. Deine Erkenntnisse landen in einer Ausschreibung, und den Auftrag bekommt der Billigste.
  • Du bindest deine besten Leute. Wochenlang, ohne Umsatz, während zahlende Kunden warten.

Ein Test ohne Preis ist ein Test ohne Verpflichtung. Und ein Test ohne Verpflichtung wird selten zum Auftrag.

So verkaufst du einen bezahlten Proof of Concept

Der bessere Weg: Du machst aus dem Test ein eigenes, kleines Angebot. Mit Preis, Umfang, Laufzeit und — ganz wichtig — vorher vereinbarten Erfolgskriterien. So gehst du vor:

  1. Kriterien gemeinsam festlegen. „Woran erkennt ihr in vier Wochen, dass die Lösung für euch funktioniert?" Diese Frage stellst du dem Entscheider, nicht nur dem Anwender. Die Antwort schreibst du auf.
  2. Den Test bepreisen. Nicht zum vollen Projektpreis, aber so, dass der Kunde etwas investiert. Damit hat er ein eigenes Interesse am Gelingen.
  3. Die Folgeentscheidung vorab festhalten. „Wenn die Kriterien erfüllt sind, geht es mit dem Gesamtprojekt weiter. Der Preis für den Test wird dann angerechnet." Damit ist der PoC der erste Teil des Auftrags, nicht ein Geschenk davor.
  4. Ansprechpartner und Mitwirkung klären. Wer auf Kundenseite liefert Daten, stellt Zugänge bereit, nimmt an der Abschlussbesprechung teil?
  5. Einen festen Termin für die Auswertung setzen. Bevor der Test beginnt. Mit dem Entscheider.

Hier schließt sich der Kreis zum Vertrieb: Ein bezahlter Machbarkeitsnachweis ist nichts anderes als ein kleiner, risikoarmer Einstiegsauftrag. Er senkt die Hürde für den Kunden und bindet ihn trotzdem. Wie du das Gesamtangebot danach so aufbaust, dass aus dem Test ein Abschluss wird, beschreibe ich im Artikel Angebot schreiben.

Und wenn ein Kunde nicht einmal einen kleinen Betrag für den Test zahlen will? Dann fehlt meist der echte Bedarf oder das Budget. Besser, du erfährst das heute als nach acht Wochen Gratisarbeit.

Drei Beispiele aus dem Mittelstand

Drei Szenarien, wie sie in Unternehmen mit fünf bis 200 Mitarbeitern immer wieder vorkommen. Keine echten Firmen, sondern typische Fälle.

Handwerksbetrieb: digitale Einsatzplanung

Ein Heizungs- und Sanitärbetrieb mit 25 Mitarbeitern will die Zettelwirtschaft beenden. Aufträge, Materialverbrauch und Arbeitszeiten sollen per Tablet erfasst und direkt in die Rechnungsstellung übernommen werden. Die Software kostet in der Einführung einen fünfstelligen Betrag, dazu kommen Tablets und Schulungen.

Die kritische Annahme: Die Monteure erfassen Material und Zeit auf der Baustelle vollständig, ohne dass es länger dauert als heute.

Der PoC: Zwei Monteure, ein Testzugang des Anbieters, drei Wochen. Parallel läuft die Papierlösung weiter, damit nichts verloren geht. Erfolgskriterium: 95 von 100 Einsätzen vollständig erfasst, keine Beschwerde über Mehraufwand.

Das Ergebnis im Szenario: Die Erfassung klappt. Aber im Keller eines Altbaus gibt es keinen Empfang, und die App speichert nicht zwischen. Also gehört Offline-Speicherung in den Vertrag mit dem Anbieter. Ohne PoC wäre das erst nach der Einführung aufgefallen.

B2B-Mittelständler: neue Serviceleistung für einen Großkunden

Ein Maschinenbauer mit 80 Mitarbeitern will seinen Kunden eine Zustandsüberwachung der Anlagen anbieten. Ein Großkunde ist interessiert, will aber vorher sehen, dass die Daten zuverlässig aus seiner Anlage kommen.

Die kritische Annahme: Die Sensordaten lassen sich aus der Steuerung der Kundenanlage auslesen und zuverlässig übertragen.

Der PoC: Bezahlt, vier Wochen, an einer einzigen Anlage des Kunden. Mit dem Entscheider des Kunden vorab festgelegt: Die Daten laufen an mindestens 27 von 28 Tagen ohne Ausfall. Bei Erfolg geht es mit fünf weiteren Anlagen weiter, der Testpreis wird angerechnet.

Das Ergebnis im Szenario: Nach vier Wochen liegt der Nachweis vor, die Auswertung findet mit dem Entscheider statt, und der Folgeauftrag wird im selben Termin besprochen. Der Maschinenbauer hat nicht nur die Technik bewiesen, sondern gleichzeitig verkauft.

Seminaranbieter: Onlineversion eines Präsenzformats

Ein Seminaranbieter mit zwölf Mitarbeitern will sein zweitägiges Präsenzseminar als Onlinekurs mit Live-Begleitung anbieten. Bevor er Studio, Plattform und Produktion bezahlt, prüft er die Machbarkeit.

Die kritische Annahme: Die Übungen, die im Seminar in Kleingruppen laufen, funktionieren auch online — mit derselben Beteiligung.

Der PoC: Ein einzelnes Modul, live über ein Videokonferenzwerkzeug, mit einer Handvoll Bestandskunden, die kostenlos teilnehmen und dafür Rückmeldung geben. Erfolgskriterium: Die Teilnehmer bleiben bis zum Ende und bearbeiten die Übung vollständig.

Das Ergebnis im Szenario: Die Übungen funktionieren, aber nur mit einem zweiten Moderator für die Kleingruppen. Das verändert die Kalkulation. Geprüft ist damit die Machbarkeit, nicht die Nachfrage. Ob jemand zahlt, beantwortet erst der nächste Schritt: ein MVP, bei dem die ersten Teilnehmer buchen, bevor der Kurs komplett produziert ist.

Das PoC-Dokument: eine Seite, sechs Punkte

Du brauchst für einen Proof of Concept kein 40-seitiges Konzept. Eine Seite reicht. Diese sechs Punkte gehören drauf:

  1. Die Frage: Welche kritische Annahme prüfen wir?
  2. Die Erfolgskriterien: Woran erkennen wir, dass die Annahme stimmt — messbar?
  3. Der Umfang: Was ist drin, was ausdrücklich nicht?
  4. Zeit und Budget: Bis wann, mit welchem Geld, mit welchen Leuten?
  5. Die Verantwortung: Wer leitet den PoC, wer entscheidet am Ende?
  6. Die Folgeentscheidung: Was passiert bei Go, bei Anpassen, bei Stopp?

Nach dem Test ergänzt du dasselbe Blatt um Ergebnis, Erkenntnisse und Entscheidung. Wenn in zwei Jahren jemand fragt, warum ihr diese Software nicht eingeführt habt, liegt die Antwort auf einer Seite vor.

Geht der PoC in ein größeres Vorhaben über, wird diese Seite zum Startpunkt der Planung. Wie du solche Vorhaben neben dem Tagesgeschäft steuerst, liest du im Artikel zum Projektmanagement für Unternehmer.

Die häufigsten Fehler beim Proof of Concept

Die meisten Machbarkeitsnachweise scheitern nicht an der Technik, sondern an der Führung:

  • Keine Erfolgskriterien. Ohne vorher festgelegte Messlatte wird jedes Ergebnis schöngeredet. „Hat im Prinzip funktioniert" ist keine Entscheidungsgrundlage.
  • Zu großer Umfang. Der PoC soll alles gleichzeitig prüfen und wird zum halben Projekt. Dann dauert er Monate und ist nicht mehr billig.
  • Kein Enddatum. Der Test läuft weiter, weil niemand den Mut hat, zu entscheiden.
  • Verwechslung mit dem Markttest. Ein technisch bestandener PoC wird als Beweis gefeiert, dass das Produkt ein Erfolg wird. Dabei hat noch kein einziger Kunde bezahlt.
  • Wegwerfcode wird Produkt. Das Provisorium aus dem PoC wird einfach weitergenutzt, weil es ja funktioniert. Ein Jahr später bricht es unter echter Last zusammen.
  • Kostenloser PoC für Kunden. Ohne Preis und ohne vereinbarte Folgeentscheidung arbeitest du wochenlang umsonst.
  • Die falschen Leute testen. Der PoC wird vom begeisterten Ideengeber durchgeführt, nicht von denen, die später damit arbeiten. Der Monteur, der Innendienst, der Kunde — die müssen ran.
  • Kein Stopp nach negativem Ergebnis. Das Vorhaben wird trotzdem durchgezogen, weil schon so viel geredet wurde. Dann war der ganze Test umsonst.

Der letzte Fehler wiegt am schwersten. Wer testet, muss das Ergebnis auch akzeptieren.

Häufige Fragen zu Proof of Concept

Was ist ein Proof of Concept einfach erklärt?

Ein Proof of Concept ist ein Machbarkeitsnachweis. Er prüft in kleinem Rahmen, ob die Grundidee eines Vorhabens technisch und organisatorisch umsetzbar ist, bevor du größere Summen investierst. Er testet nur die kritische Kernfunktion und endet mit einer klaren Entscheidung: weitermachen, anpassen oder stoppen.

Was ist der Unterschied zwischen Proof of Concept und MVP?

Der Proof of Concept fragt: Funktioniert es? Das MVP fragt: Will der Markt es und zahlt er dafür? Der PoC ist meist intern und provisorisch, das MVP geht an echte Kunden und wird verkauft. Ein erfolgreicher PoC beweist Machbarkeit, aber noch keine Nachfrage.

Wie lange dauert ein Proof of Concept?

Im Mittelstand dauert ein PoC meist einige Tage bis wenige Wochen, im Ausnahmefall bis zu zwei Monate. Entscheidend ist, dass du das Ende vorher festlegst.

Sollte ein Proof of Concept für Kunden kostenlos sein?

Nein, in den meisten Fällen nicht. Ein bezahlter PoC sorgt dafür, dass der Kunde mitwirkt, Daten liefert und den Test ernst nimmt. Vereinbare vorher Erfolgskriterien und rechne den Testpreis bei einem Folgeauftrag an — so wird der PoC zum ersten Teil des Auftrags.

Was steht in einem Proof-of-Concept-Dokument?

Die kritische Annahme, messbare Erfolgskriterien, der genaue Umfang, Zeit und Budget, die Verantwortlichen und die Folgeentscheidung für jeden möglichen Ausgang. Eine Seite reicht. Nach dem Test ergänzt du Ergebnis, Erkenntnisse und die getroffene Entscheidung.

Fazit: Erst beweisen, dann investieren

Der Proof of Concept ist kein Werkzeug für Konzernlabore. Er ist gesunder Unternehmerverstand in einer festen Form: Bevor du viel Geld ausgibst, prüfst du mit wenig Geld, ob die Grundannahme stimmt. Eine kritische Annahme, messbare Kriterien, ein fester Zeitraum, eine klare Entscheidung. Mehr braucht es nicht.

Und vergiss nie: Ein bestandener Machbarkeitsnachweis ist der Anfang, nicht das Ende. Er sagt dir, dass es funktioniert. Ob es sich verkauft, sagt dir erst der Kunde. Innovation ist erst dann Innovation, wenn jemand dafür bezahlt.

Wenn du neue Leistungen in deinem Unternehmen nicht nur testen, sondern systematisch verkaufen willst, dann hol dir das Unternehmer-Paket mit sieben Anleitungen für mehr Umsatz. Kostenlos, sofort anwendbar und aus 35 Jahren Praxis mit mehr als 10.000 Unternehmern.

Und dann: Nimm dir das Vorhaben, das gerade auf deinem Tisch liegt. Schreib die eine Annahme auf, an der alles hängt. Heute noch.