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Pecha Kucha: 20 Folien, 20 Sekunden — so nutzt du das Format

Dirk Kreuter
Dirk Kreuter auf der Bühne neben einem Bildschirm, zeigt mit der Hand darauf – kurze Folien wie bei Pecha Kucha

Dein Projektleiter steht vor dem Team, Folie 14 von 38, und liest vor, was ohnehin auf der Leinwand steht. Hinten schaut der Vertrieb aufs Handy. Nach 40 Minuten weiß keiner, was eigentlich entschieden werden sollte. Du kennst die Szene.

Pecha Kucha ist die Antwort auf genau dieses Problem. Das Format gibt dir 20 Folien und für jede exakt 20 Sekunden. Die Folien wechseln automatisch. Nach 6 Minuten und 40 Sekunden ist Schluss. Kein Zurückblättern, kein „ich muss da noch kurz was ergänzen“, kein Überziehen. Wer in diesem Raster spricht, muss vorher entscheiden, was wichtig ist. Und genau das ist der Punkt: Ein Vortrag ist Verkauf vor vielen. Wer nicht weiß, was er verkaufen will, verkauft nichts.

Ich zeige dir, was dahintersteckt, woher das Format kommt, wie du eine Pecha Kucha Präsentation Folie für Folie aufbaust und wo du sie im Unternehmen sinnvoll einsetzt: in der Teamrunde, bei der Projektvorstellung, im Bewerbungsprozess und beim Jahresauftakt. Du liest das in zwei Rollen. Als Redner, der selbst vorne steht. Und als Veranstalter, der seinen Leuten das Format verordnet, weil er keine 40-Minuten-Monologe mehr will.

Was ist Pecha Kucha? Die kurze Antwort

Pecha Kucha ist ein Vortragsformat mit festem Zeitraster: 20 Bilder oder Folien, jede genau 20 Sekunden sichtbar. Daher der Name „20×20-Format“. Die Folien laufen automatisch weiter, der Redner hat keinen Einfluss auf das Tempo. Die Gesamtdauer liegt damit fest bei 6 Minuten und 40 Sekunden.

Der Begriff kommt aus dem Japanischen und heißt laut Wikipedia-Artikel zu Pecha Kucha so viel wie „dauernd quatschend“. Die Aussprache ist „petscha-kutscha“, manchmal liest du auch die eingedeutschte Schreibweise „Petscha-Kutscha“. In Deutschland und Österreich ist der Name eine eingetragene Wortmarke — wer eine öffentliche Veranstaltung damit bewirbt, klärt das vorher.

Drei Merkmale machen das Format aus:

  • Feste Menge: genau 20 Folien, nicht 19, nicht 25.
  • Feste Zeit: jede Folie 20 Sekunden, automatisch weitergeschaltet.
  • Bild vor Text: Die Folien tragen Bilder, Grafiken oder ein einziges Wort. Was gesagt wird, sagt der Redner — nicht die Folie.

Das klingt nach Spielerei. Ist es nicht. Es ist ein Zwang zur Entscheidung.

Herkunft: zwei Architekten in Tokio, 2003

Erfunden haben das Format die Architekten Astrid Klein und Mark Dytham von Klein Dytham architecture im Februar 2003 in Tokio. Ihr Ziel laut der englischen Wikipedia: „talk less, show more“ — weniger reden, mehr zeigen. Junge Designer sollten in ihrem Veranstaltungsraum ihre Arbeit vorstellen, ohne dass einer den Abend mit endlosen Projektschauen kapert.

Aus diesem Abend wurden die sogenannten Pecha-Kucha-Nights: Veranstaltungen, bei denen nacheinander acht bis vierzehn Redner im 20×20-Raster sprechen. Ein solcher Abend dauert meist 60 bis 80 Minuten. Seit 2004 gibt es die Abende auch in Europa, inzwischen in Hunderten Städten weltweit. Seit den 2010er-Jahren nutzen es auch Museen, Hochschulen und Unternehmen.

Für dich zählt eine Erkenntnis aus dieser Geschichte: Das Format wurde nicht für Wissenschaftler erfunden, sondern für Leute, die in kurzer Zeit Interesse wecken müssen. Designer, die Aufträge wollen. Also im Kern: für Verkäufer.

Die Regeln: 20 × 20 Sekunden, keine Ausnahme

Die Regeln passen auf einen Bierdeckel. Wer sie aufweicht, hat keine 20×20-Präsentation mehr, sondern eine normale Präsentation mit Zeitdruck.

  1. 20 Folien. Schon die erste Folie ist Inhalt, kein Deckblatt mit Logo.
  2. 20 Sekunden pro Folie. In PowerPoint, Keynote oder Google Präsentationen stellst du unter „Übergänge“ die automatische Weiterschaltung nach 20 Sekunden ein. Klicken ist verboten.
  3. Keine Animationen innerhalb der Folie. Kein Text, der Zeile für Zeile einfliegt. Das kostet Zeit und lenkt ab.
  4. Kein Zurück. Verpasst ist verpasst.
  5. Ein Redner, ein Thema. Wer mehrere Themen in 6:40 Minuten packt, sagt zu keinem etwas.

Pecha Kucha Präsentation: so baust du sie auf

Eine gute Pecha Kucha Präsentation entsteht nicht in PowerPoint. Sie entsteht auf Papier. Die Folien sind der letzte Schritt, nicht der erste.

Schritt 1: Ein Ziel, ein Satz

Bevor du eine einzige Folie anlegst, schreib einen Satz auf: „Nach meinen 6:40 Minuten soll das Publikum …“ Und dann ein Verb. Zustimmen. Entscheiden. Mitmachen. Sich melden. Kaufen.

Ohne diesen Satz wird dein Vortrag eine Aufzählung. Mit diesem Satz wird jede Folie daran gemessen, ob sie dich dem Ziel näherbringt. Was nicht hilft, fliegt raus. Das ist dieselbe Logik wie in jedem Verkaufsgespräch: Du gehst nicht rein, ohne zu wissen, wofür du am Ende die Hand ausstreckst.

Schritt 2: Das Drehbuch auf Papier

Nimm ein A3-Blatt und zeichne 20 Kästchen in vier Reihen zu je fünf. Das ist dein Drehbuch, im Agenturjargon „Storyboard“. In jedes Kästchen schreibst du zwei Dinge: oben die eine Aussage dieser Folie, unten eine Bildidee.

Die vier Reihen geben dir automatisch eine Dramaturgie:

  • Folien 1–5: Einstieg und Problem. Warum hört dir jemand zu? Was läuft gerade schief, was kostet es?
  • Folien 6–10: Ursache und Erkenntnis. Was steckt dahinter? Was hast du herausgefunden?
  • Folien 11–15: Lösung und Beleg. Was schlägst du vor? Woran sieht man, dass es funktioniert?
  • Folien 16–20: Nutzen und Aufforderung. Was hat das Publikum davon? Was soll es jetzt tun?

Die letzte Folie ist keine „Danke für die Aufmerksamkeit“-Folie. Sie ist deine Handlungsaufforderung. Wer 20 Sekunden mit „Danke“ verschenkt, verschenkt die stärkste Position im ganzen Vortrag.

Schritt 3: Bilder statt Textfolien

Jetzt erst baust du Folien. Die Grundregel: Pro Folie ein Bild oder eine Zahl oder ein Wort. Keine Aufzählungspunkte. Das Publikum hat 20 Sekunden — wenn es die damit verbringt, deinen Text zu lesen, hört es dir nicht zu.

Was gut funktioniert:

  • Fotos aus deinem Betrieb: die Baustelle, das Lager, das volle Postfach, der Kunde beim Termin (mit Einverständnis).
  • Eine einzige Zahl in großer Schrift: die Reklamationsquote, der Auftragseingang, die Wartezeit.
  • Ein Vorher-Nachher-Paar: links das alte Formular, rechts das neue.
  • Ein Wort: „Warum?“, „Stopp.“, „Jetzt.“

Mehr zum Aufbau von Folien und zur Wahl der Medien findest du im Artikel zu Präsentationstechniken — dort geht es um alle Formate, nicht nur um dieses.

Schritt 4: Den Text sprechen, nicht schreiben

Jetzt formulierst du zu jeder Folie, was du sagst. Nicht als Fließtext zum Ablesen, sondern als zwei bis drei kurze Sätze, die du laut sprichst und dabei mitstoppst. Passt es nicht in 20 Sekunden, kürzt du den Text, nicht die Folie.

Ein Trick, der hilft: Die Aussage einer Folie ist ihr erster Satz. Der zweite Satz liefert das Beispiel oder die Zahl. Der dritte Satz, wenn überhaupt, schlägt die Brücke zur nächsten Folie.

Wie du Geschichten so erzählst, dass sie in diese kurzen Takte passen, steht im Beitrag zu Storytelling. Jede Folie funktioniert dabei wie eine Szene.

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Schritt 5: Proben mit Stoppuhr

Probe mindestens dreimal mit eingeschalteter automatischer Weiterschaltung. Beim ersten Mal wirst du hinterherrennen. Beim zweiten Mal merkst du, welche Folien überladen sind. Beim dritten Mal sitzt der Rhythmus.

Achte dabei auf zwei Fehler, die fast jeder macht:

  • Du redest über die nächste Folie, bevor sie da ist. Lieber eine Sekunde Pause, bis das neue Bild steht.
  • Du füllst Lücken mit „äh“. Wenn dein Text bei Sekunde 15 fertig ist, schweig fünf Sekunden.

Für Stimme, Pausen und Tempo gilt alles, was im Artikel Rhetorik verbessern steht — das Raster macht nur gnadenlos sichtbar, ob du es kannst.

Beispiel-Drehbuch: 20 Folien für eine Projektvorstellung

Ein typischer Fall, als Szenario: Ein B2B-Mittelständler mit 60 Mitarbeitern stellt seine Auftragsabwicklung um. Die Innendienstleiterin soll das neue Verfahren in der Abteilungsrunde vorstellen und am Ende die Zustimmung zum Pilotstart holen. So könnte ihr Drehbuch aussehen:

  1. Foto: Stapel ausgedruckter Auftragsbestätigungen auf einem Schreibtisch. „So sieht ein Montag bei uns aus.“
  2. Zahl in großer Schrift: durchschnittliche Tage vom Auftragseingang bis zur Bestätigung, aus dem eigenen System.
  3. Foto: Kundenmail mit dem Betreff „Wo bleibt meine Bestätigung?“ (geschwärzt).
  4. Wort: „Warum?“
  5. Ablaufskizze: sieben Stationen, die ein Auftrag heute durchläuft.
  6. Dieselbe Skizze, drei Stationen rot markiert: hier liegt der Auftrag.
  7. Foto: das Postfach mit Hunderten ungelesenen Nachrichten.
  8. Zitat eines Kollegen aus dem Innendienst: „Ich suche mehr, als ich bearbeite.“
  9. Wort: „Doppelt.“ — Daten werden zweimal erfasst.
  10. Erkenntnis: Nicht die Leute sind zu langsam, der Ablauf ist es.
  11. Neue Ablaufskizze: vier Stationen statt sieben.
  12. Bildschirmfoto der neuen Eingabemaske.
  13. Vorher-Nachher: alte und neue Erfassung nebeneinander.
  14. Foto: der Testlauf mit zwei Kollegen aus dem Innendienst.
  15. Ergebnis des Testlaufs als eine Zahl.
  16. Nutzen für den Innendienst: weniger Suchen.
  17. Nutzen für den Vertrieb: schnellere Bestätigung, weniger Nachfragen von Kunden.
  18. Nutzen für die Geschäftsführung: Auftragseingang tagesaktuell sichtbar.
  19. Zeitplan: Pilot vier Wochen mit einem Kundensegment.
  20. Wort: „Starten wir am 1.?“ — die Frage, über die abgestimmt wird.

Siehst du, was hier passiert? Jede Folie trägt genau eine Aussage, und alles läuft auf Folie 20 zu. Das ist kein Referat. Das ist ein Abschlussgespräch mit 15 Leuten gleichzeitig.

Pecha Kucha im Unternehmen: vier Einsatzfelder

Im Mittelstand ist das Format vor allem eins: ein Werkzeug gegen Zeitverschwendung. Vier Einsatzfelder bieten sich an.

In der Teamrunde

Du hast eine wöchentliche Runde, in der jeder Bereich berichtet — und regelmäßig sprengt einer den Zeitplan. Ersetze den freien Bericht einmal im Monat durch eine Pecha Kucha: Ein Mitarbeiter stellt seinen Bereich, ein Problem oder eine Idee in 6:40 Minuten vor. Danach zehn Minuten Fragen.

Der Effekt: Die Vorbereitung zwingt den Mitarbeiter, sich zu überlegen, was er eigentlich will. Und die anderen hören zu, weil sie wissen, dass es kurz ist. Wenn du Ideen aus dem Team sammeln willst, kombinier das Format mit einem vorgeschalteten Brainstorming: erst Ideen sammeln, dann die drei besten im 20×20-Raster vorstellen lassen.

Auch am Ende eines Projekts funktioniert das gut. In der Retrospektive stellt jedes Teammitglied in einer Kurzrunde vor, was es gelernt hat. Wer das in 20 Folien packen muss, liefert Erkenntnisse statt Ausreden.

Bei der Projektvorstellung

Neue Projekte, neue Investitionen, neue Lieferanten: Überall, wo jemand einen Vorschlag zur Entscheidung bringt, ist das 20×20-Raster ein guter Filter. Ein Vorschlag, der sich nicht in 20 Folien erklären lässt, ist meist noch nicht entscheidungsreif.

Wichtig: Der Kurzvortrag ersetzt nicht die Unterlage. Zahlen, Kalkulation und Risiken gehören in ein Begleitpapier, das du vorher verschickst. Für den eigentlichen Projektstart mit Rollen und Agenda gibt es das Kick-off-Meeting — dort kann der Kurzvortrag der Einstieg sein, aber nicht das ganze Programm.

In der Bewerbung

Hier wechselst du die Rolle: Du bist nicht der Redner, sondern der, der zuhört. Bitte Bewerber für Vertrieb, Projektleitung oder Führungsrollen, sich im zweiten Gespräch mit einer Pecha Kucha vorzustellen. Thema zum Beispiel: „Wie ich meine ersten 100 Tage bei euch angehen würde.“

Du lernst in 6:40 Minuten mehr als in einer Stunde Fragen und Antworten:

  • Vorbereitung: Hat sich der Bewerber mit deinem Betrieb beschäftigt?
  • Struktur: Kann er eine Linie halten?
  • Druck: Bleibt er ruhig, wenn die Folie vor ihm weiterspringt?
  • Wirkung: Würdest du ihn vor einen Kunden stellen?

Fair bleiben: Kündige das Format eine Woche vorher an und sag, dass es nicht um Designkunst geht.

Beim Jahresauftakt

Jetzt bist du Veranstalter. Beim Jahresauftakt mit dem ganzen Team brauchst du Abwechslung zwischen den großen Blöcken. Lass jeden Abteilungsleiter seinen Bereich in einer Pecha Kucha vorstellen: Was war das letzte Jahr, was ist das Ziel für dieses Jahr, was braucht er von den anderen. Fünf Abteilungen, gut eine halbe Stunde, und jeder im Saal weiß, wo das Unternehmen steht.

Daneben brauchst du die längeren Formate. Dein eigener Auftritt als Inhaber ist eher ein Impulsvortrag mit einem zentralen Gedanken. Und wenn du von außen einen Redner holst, der dem Team einen Schub gibt, lies vorher den Leitfaden zum Keynote Speaker: wann sich das lohnt und wie du den richtigen auswählst.

Pecha Kucha Themen: was passt und was nicht

Nicht jedes Thema verträgt 6:40 Minuten im festen Takt. Die Faustregel: Das Format eignet sich für Themen, bei denen du eine Richtung vermitteln willst. Es eignet sich schlecht für Themen, bei denen das Publikum Details verstehen muss.

Gute Pecha Kucha Themen im Unternehmen:

  • „Was ich in meinem ersten Jahr im Außendienst gelernt habe“
  • „Warum wir unseren größten Kunden fast verloren hätten“
  • „Unser Lager in 20 Bildern: was funktioniert, was nicht“
  • „Drei Ideen, wie wir Angebote schneller rausbekommen“
  • „Mein Bereich im nächsten Jahr: Ziel, Plan, was ich von euch brauche“

Schlechte Themen für das Format:

  • Jahresabschluss mit allen Positionen
  • Rechtliche Änderungen, die jeder im Detail kennen muss
  • Schulungen zu Software, bei denen Klickwege gezeigt werden
  • Alles, wo das Publikum mitschreiben soll

Ein Prüfsatz hilft: Wenn dein Publikum nach dem Vortrag einen Ausdruck braucht, um zu verstehen, worum es ging, war das Thema für 20 × 20 Sekunden zu komplex.

Vor- und Nachteile von Pecha Kucha

Das Format ist kein Allheilmittel. Die Wikipedia fasst Lob und Kritik aus der Hochschuldidaktik zusammen, und beides deckt sich mit der Praxis.

Vorteile:

  • Zwang zur Kürzung: Du musst entscheiden, was wichtig ist. Das ist die halbe Arbeit jeder Präsentation.
  • Klare Struktur: 20 Kästchen ergeben automatisch eine Gliederung.
  • Planbare Zeit: Fünf Vorträge dauern 33 Minuten und 20 Sekunden. Nicht „so ungefähr eine Stunde“.
  • Aufmerksamkeit: Der Takt hält das Publikum wach, weil ständig etwas Neues passiert.
  • Rednertraining: Wer dieses Raster beherrscht, hält jede andere Präsentation entspannter.

Nachteile:

  • Komplexes wird verkürzt: Zusammenhänge mit vielen Abhängigkeiten passen nicht in 20 Sekunden.
  • Form vor Inhalt: Wer zu viel Energie in schöne Bilder steckt, liefert einen hübschen, leeren Vortrag.
  • Hoher Aufwand für kurze Zeit: Ein guter 20×20-Vortrag braucht mehr Vorbereitung als eine 30-Minuten-Präsentation.
  • Nervosität: Der automatische Folienwechsel setzt ungeübte Redner unter Druck.

Die Konsequenz: Setz das Format gezielt ein, nicht für alles, und plane nach jedem Vortrag Zeit für Fragen ein.

Pecha Kucha, Impulsvortrag und Keynote: die Abgrenzung

Die drei Formate im Vergleich:

  • Pecha Kucha: festes Raster, 20 Folien, 6:40 Minuten. Ein Thema, eine Richtung. Ideal, wenn mehrere Redner hintereinander sprechen.
  • Impulsvortrag: meist 10 bis 20 Minuten, ein zentraler Gedanke, frei in der Form. Folien sind möglich, aber kein Muss. Gut, wenn du eine Diskussion anstoßen willst.
  • Keynote: der Hauptvortrag einer Veranstaltung, deutlich länger als ein Impulsvortrag, häufig von einem externen Redner. Er setzt den Ton für den ganzen Tag.

Praktisch heißt das: Das 20×20-Raster ist das Format für deine Leute. Der Impulsvortrag ist dein Format als Chef. Die Keynote ist das Format, für das du dir einen Profi auf die Bühne holst. Wie das bei Dirk aussieht, steht auf der Seite zur Keynote von Dirk Kreuter: individuell vorbereitet, kein Standardprogramm, mit Fokus auf Vertrieb, Führung, Mindset und Umsetzung.

Ein typischer Fall: das Vertriebsteam eines Handwerksbetriebs

Stell dir einen Elektrobetrieb mit 25 Mitarbeitern vor, davon drei im Vertrieb für gewerbliche Kunden. Die monatliche Vertriebsrunde dauert zwei Stunden. Jeder Verkäufer geht seine Liste Kunde für Kunde durch, und am Ende weiß niemand, wo es hakt.

Der Inhaber ändert eine Regel: Jeder Verkäufer bringt zur Runde eine Pecha Kucha mit. Thema: „Meine drei wichtigsten Aufträge und mein größtes Hindernis“. Folien 1 bis 15 für die drei Aufträge, je fünf Folien. Folien 16 bis 20 für das Hindernis und die Bitte an die Runde.

Was danach passiert, ist absehbar:

  • Die Runde schrumpft. Drei Pecha Kuchas sind 20 Minuten. Plus Diskussion sind es 45 statt 120 Minuten.
  • Die Vorbereitung wird ernst. Wer 20 Folien bauen muss, schaut sich seine Zahlen vorher an. Nicht in der Runde.
  • Die Hindernisse werden sichtbar. Weil fünf Folien dafür reserviert sind, wird nicht mehr nur über Erfolge geredet.
  • Die Verkäufer werden besser vor dem Kunden. Wer gelernt hat, in 20 Sekunden einen Punkt zu machen, schafft das auch im Termin beim Kunden.

Der letzte Punkt ist der wichtigste. Pecha Kucha ist am Ende ein Verkaufstraining. Jede Folie ist ein kleiner Abschluss: eine Aussage, ein Beleg, weiter.

Häufige Fehler bei Pecha Kucha

Die meisten Kurzvorträge im 20×20-Raster scheitern nicht am Format, sondern an der Vorbereitung. Die häufigsten Fehler:

  • Mit den Folien anfangen. Wer zuerst Bilder sucht und dann einen Text dazu bastelt, bekommt eine Bilderschau ohne Linie.
  • Textfolien. Aufzählungen auf der Leinwand lesen sich nicht in 20 Sekunden. Das Publikum liest oder hört zu — nicht beides.
  • Kein Ziel. Ohne die eine Handlungsaufforderung am Schluss bleibt ein netter Vortrag, aus dem nichts folgt.
  • Regeln aufweichen. „Ich klicke lieber selbst“ oder „ich nehme 25 Folien“ — dann verpufft der Effekt.
  • Keine Zeit für Fragen. Wer direkt nach Folie 20 den nächsten Redner aufruft, verschenkt das Gespräch, das der Vortrag ausgelöst hat.

Wenn du mehrere Vorträge hintereinander einplanst, braucht der Ablauf jemanden, der durchführt, die Zeit hält und Fragen bündelt. Wie das geht, steht im Artikel zur Moderation.

Dein nächster Schritt: Kürze als System

Das 20×20-Format zwingt deine Leute, ihre Gedanken zu ordnen, bevor sie den Raum betreten. Es spart dir Stunden in Besprechungen und macht aus Mitarbeitern Redner, die vor Kunden einen Punkt setzen. Wenn du dein Unternehmen so führen willst, dass Klarheit nicht vom Zufall abhängt, hol dir das Unternehmer-Paket mit sieben Anleitungen für mehr Umsatz.

Häufige Fragen zu Pecha Kucha

Was ist Pecha Kucha einfach erklärt?

Pecha Kucha ist ein Präsentationsformat mit 20 Folien, die jeweils genau 20 Sekunden gezeigt werden und automatisch weiterlaufen. Der ganze Vortrag dauert damit 6 Minuten und 40 Sekunden. Das Format zwingt den Redner, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und mit Bildern statt Textfolien zu arbeiten.

Wer hat Pecha Kucha erfunden?

Das Format haben die Architekten Astrid Klein und Mark Dytham von Klein Dytham architecture im Februar 2003 in Tokio entwickelt. Sie wollten jungen Designern eine Bühne geben, auf der jeder kurz seine Arbeit zeigt, ohne dass einzelne Vorträge ausufern. Daraus entstanden Vortragsabende, die seit 2004 auch in Europa stattfinden.

Wie viele Wörter passen auf eine Pecha-Kucha-Folie?

Auf die Folie selbst gehört möglichst gar kein Text, höchstens ein Wort oder eine Zahl. Gesprochen passen in 20 Sekunden zwei bis drei kurze Sätze. Wer mehr sagen will, überlädt die Folie und gerät in Hektik.

Kann man Pecha Kucha im Unternehmen sinnvoll einsetzen?

Ja, vor allem dort, wo Vorträge regelmäßig ausufern: in Teamrunden, bei Projektvorstellungen, beim Jahresauftakt mit mehreren Bereichsleitern und im Bewerbungsgespräch. Für Schulungen mit vielen Details oder rechtliche Themen ist das Format dagegen ungeeignet.

Wie bereite ich eine Pecha Kucha Präsentation vor?

Leg zuerst das Ziel in einem Satz fest, dann zeichne ein Drehbuch mit 20 Kästchen auf Papier und notiere je Folie eine Aussage und eine Bildidee. Erst danach baust du die Folien, schreibst zwei bis drei Sätze pro Folie und probst mindestens dreimal mit automatischer Weiterschaltung.

Fazit: 6:40 Minuten, die dir Stunden sparen

Das Format ist keine Spielerei für Kreativabende. Es ist ein Werkzeug, das jede Präsentation auf ihren Kern reduziert: ein Ziel, eine Linie, eine Aufforderung. Wer das Format beherrscht, redet kürzer und wird trotzdem besser verstanden.

Fang klein an. Nimm die nächste Teamrunde und lass einen Mitarbeiter seinen Bereich in 20 Folien vorstellen. Nach dem dritten Mal willst du nie wieder 38 Folien sehen. Und wenn du merkst, dass dein Team mehr Vortragsgeschick braucht, beginnt der Weg bei den Grundlagen — Haltung, Stimme und das, was eine Person auf der Bühne trägt: Charisma.