Zwei-Faktor-Theorie: So nutzt du sie für mehr Motivation

Beitrag
teilen
Share on facebook
Share on linkedin
Share on xing
Share on twitter
Beitragsbild 2-Faktor-Theorie

Die Zwei-Faktor-Theorie ist ein Modell, um Motivation zu beschreiben. Genauer gesagt möchte der Begründer der Theorie erläutern, wie Arbeitsmotivation entsteht. Seine durchaus verblüffende Erkenntnis dabei: Zufriedenheit und Unzufriedenheit hängen anders zusammen, als wir das gemeinhin annehmen. Denn Mitarbeiter, die nicht unzufrieden sind, sind nämlich nicht automatisch zufrieden…

 

Zwei-Faktor-Theorie: Was versteht man darunter?

Die Zwei-Faktor-Theorie, die übrigens auch Motivation-Hygiene-Theorie genannt wird, wurde maßgeblich von dem us-amerikanischen Psychologen Frederick Herzberg entwickelt.

Interessant an dieser Theorie ist, dass Motivation dabei in zwei völlig voneinander getrennten Systemen betrachtet wird. Bedeutet: Auch wenn die Faktoren fehlen, die uns unzufrieden machen, heißt das im Umkehrschluss eben noch lange nicht, dass wir deshalb zufrieden sind. Im Gegenteil, es bedeutet eben lediglich, dass wir nicht unzufrieden sind. 

Genau das ist die Grundannahme der Zwei-Faktor-Theorie: Zufriedenheit und Unzufriedenheit im Job müssen getrennt voneinander betrachtet werden. Sie haben natürlich etwas miteinander zu tun, sind aber  – laut Zwei-Faktor-Theorie – lediglich zwei Pole auf einer Skala. 

Wer sollte die Zwei-Faktor-Theorie kennen?

Diese Theorie ist damit nicht nur für Selbstständige äußerst wertvoll, vor allem Führungskräfte sollten sich damit auseinander setzen. Denn unter Umständen vernachlässigen sie wichtige Faktoren im Hinblick auf die Motivation ihrer Mitarbeiter.

Anders ausgedrückt, wenn du immer nur an einer Stellschraube drehst, muss es nicht bedeuten, dass deine Mitarbeiter danach besonders motiviert wären. Denn zu echter und nachhaltiger Mitarbeitermotivation gehören zwei Dinge. Daher auch der Name Zwei-Faktor-Theorie.

Übrigens: Neben der Zwei-Faktor-Theorie solltest du auch unbedingt die Bedürfnispyramide von Maslow kennen. Beide Theorien gehören zu den wichtigsten Modellen, wenn man versucht zu verstehen, wie sich Menschen motivieren (lassen). 

Das gilt natürlich nicht nur für Mitarbeiter. Es schadet auch nichts, wenn du verstehst, wie Motivation funktioniert. Sollte sie dir hin und wieder mangeln, kannst du dank der beiden Theorien entgegen steuern. 

Die Idee hinter der Motivation-Hygiene-Theorie

Ich habe es bereits angesprochen: Die Zwei-Faktor-Theorie wird auch Motivation-Hygiene-Theorie genannt. Und dabei hat man sich etwas gedacht. Denn diese beiden Wörter beschreiben genau die beiden Faktoren, die gemeinsam zu nachhaltiger Motivation beitragen:

  1. Hygienefaktoren
  2. Motivatoren

 

Hygienefaktoren in der Zwei-Faktor-Theorie

Mit den Hygienefaktoren sind diejenigen Dinge gemeint, die Mitarbeiter (und natürlich auch einen selbst) unzufrieden machen, wenn sie fehlen. Nochmal: Nur weil die Faktoren fehlen, die deinen Mitarbeiter unglücklich machen, heißt das noch lange nicht, dass alles in Butter ist.

Denn nicht unglücklich zu sein ist eben nicht das gleiche wie glücklich und zufrieden zu sein. 

Die Hygienefaktoren der Zwei-Faktor-Theorie betreffen in erster Linie die Arbeitsbedingungen und das Arbeitsumfeld und damit Dinge, die sich relativ gut verändern lassen. Jedenfalls besser als Einstellungen oder gar psychologische Verzerrungen. Diese zu ändern, kostet schon etwas mehr Mühe. 

Das Problem im Hinblick auf die Hygienefaktoren ist folgendes: Wenn sie fehlen, sind deine Mitarbeiter unglücklich. Werden sie dagegen erfüllt, nimmt man das kaum wahr. Denn einfach nur nicht unzufrieden zu sein ist eben nichts, was besonders auffällt. 

2 faktor theorie hygienefaktoren

Das gehört zu den Hygienefaktoren dazu

Gerade deshalb solltest du überprüfen, ob die Hygienefaktoren stimmen. Folgende Kriterien solltest du dabei abklopfen:

  • Organisation im Unternehmen: Haben die Mitarbeiter ein Mitspracherecht oder werden Entscheidungen über ihre Köpfe hinweg getroffen?
  • Unternehmenspolitik: Wie steht man im Unternehmen zu Innovationen und Weiterentwicklungsmöglichkeiten für jeden einzelnen Mitarbeiter?
  • Führungsstil: Wie gehst du auf deine Mitarbeiter zu?
  • Verhältnis zu anderen Mitarbeitern: Gehen die Kollegen untereinander kameradschaftlich und freundlich miteinander um oder versuchen sie eher, sich gegenseitig zu übertrumpfen?
  • Bezahlung: Auch das monatliche Gehalt ist ein wichtiger Hygienefaktor. Wer sich mit vollem Elan für das Unternehmen einbringt, möchte das am Ende des Monats eben auch auf dem Gehaltszettel sehen.
  • Sicherheit: Mitarbeiter, die sich von einem befristeten Vertrag zum nächsten hangeln leben in ständiger Ungewissheit. Aber nicht nur das. Sie können sich nicht zu 100 Prozent auf den Job einlassen. Sie wissen nämlich nicht, ob es eine weitere Verlängerung geben wird. So wird auch viel Arbeitszeit und Motivation darauf verschwendet, auf die Suche nach einem anderen Job zu gehen.
 

Daneben können natürlich noch weitere Dinge eine Rolle spielen und damit zu Hygienefaktoren werden. Du als Führungskraft kannst Mitarbeitergespräche auch so führen, dass die Hygienefaktoren für jeden Mitarbeiter zur Sprache kommen.

So erhältst du wertvolle Einsichten, die du dazu nutzen kannst, die Mitarbeitermotivation zu steigern und dein Team noch erfolgreicher zu führen. 

Und das alles ohne eine Unternehmensberatung dafür beauftragen zu müssen. Deine Mitarbeiter wissen schließlich selbst am besten, was ihnen fehlt, um bestmöglich arbeiten zu können. 

2 faktor theorie grafik2

Die Motivatoren in der Zwei-Faktor-Theorie

Die Motivatoren dagegen sind diejenigen Dinge, die sich tatsächlich positiv auswirken. Dabei funktionieren die Motivatoren nach einer ganz einfachen Rechnung: Je mehr Motivatoren vorhanden sind, umso motivierter arbeitet der Mitarbeiter (oder man selbst). 

Motivatoren in diesem Sinne sind also echte Leistungs-Booster und dazu gehören die folgenden Faktoren:

  • Anerkennung: Mitarbeiter, die für ihre gute Arbeit wenigstens hin und wieder Lob erhalten, arbeiten deutlich motivierter als solche, die nach dem Prinzip „Nicht geschimpft ist schon genug gelobt“ geführt werden
  • Arbeit an sich: Die Arbeitsaufgaben sollten so strukturiert sein, dass die Arbeit nicht langweilig wird. Auf Phasen mit Routineaufgaben sollten beispielsweise solche mit Akquisetelefonaten folgen, um den Arbeitsalltag abwechslungsreich zu gestalten. 
  • Weiterentwicklung: Mitarbeiter sollten die Möglichkeit haben, sich im Job weiterzuentwickeln. Dazu gehört auch, dass sie die Chance bekommen, Verantwortung zu übernehmen. 
 

Auch die Liste der Motivatoren lässt sich noch weiter fortsetzen. Denn damit sind eben jede Dinge gemeint, die den einzelnen Mitarbeiter motivieren – und die können sehr individuell sein. Grundsätzlich betreffen die Motivatoren jedoch den Arbeitsinhalt. Wenn du etwas verbessern möchtest, solltest du also hier anfangen zu suchen.

Übersicht: Die Theorie

Die Ergebnisse der Zwei-Faktor-Theorie lassen sich auch kurz und prägnant zusammenfassen. Der Vorteil: Mit einem kurzen Blick auf die Tabelle hast du die wesentlichen Punkte sofort wieder parat.

 

Motivatoren ausreichend vorhanden

Motivatoren fehlen

Hygienefaktoren ausreichend vorhanden

Optimales Ergebnis: Mitarbeiter sind motiviert und zufrieden

Mitarbeiter sind nicht motiviert, aber wenigstens nicht unzufrieden

Hygienefaktoren fehlen

Mitarbeiter sind zwar generell motiviert, aber auch unzufrieden, weil wichtige Rahmenbedingungen nicht eingehalten werden

Worst Case: Mitarbeiter sind weder motiviert noch zufrieden mit den Bedingungen im Job.

Woher stammen die Ergebnisse?

Herzberg und seine Kollegen haben sich diese beiden Faktoren natürlich nicht einfach in ihrem Elfenbeinturm ausgedacht. Sondern einige Studien durchgeführt, bei denen sie ihre Ideen überprüft haben.

Es zeigte sich dabei tatsächlich, dass Zufriedenheit und Unzufriedenheit eben nicht so zusammenhängen, wie wir uns das gemeinhin vorstellen. Es ist eher so, dass die Zufriedenheit im Job von anderen Faktoren beeinflusst wird als die Unzufriedenheit.

Obwohl die ursprüngliche Idee für die Zwei-Faktor-Theorie aus den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts stammt, ist die Theorie alles andere als veraltet: Vor einigen Jahren kam auch eine andere Studie (Credé, Chernyshenko, Bagraim, & Sully (2009)) zu ähnlichen Ergebnissen, wie wir sie bereits von der Zwei-Faktor-Theorie kennen. Durchaus sinnvoll also, sich auch heute noch mit den Ergebnissen zu befassen.

Aber wie kannst du die Zwei-Faktor-Theorie denn nun für dich nutzen? Auch das verrate ich dir jetzt…

Zwei-Faktor-Theorie: Tipps für den täglichen Gebrauch 

Die Zwei-Faktor-Theorie eignet sich wie kaum ein anderes Ergebnis einer psychologischen Studie dazu, Unzufriedenheit bei Mitarbeitern ab- und die Motivation aufzubauen. 

Wenn du schnell und ohne lange Vorbereitung die Ergebnisse in deinem Team verbessern möchtest, kannst du zum Beispiel so vorgehen:

  1. Problem erkennen: Zunächst das Problem zu identifizieren ist der erste Schritt einer jeden erfolgreichen Strategie. Für die Zwei-Faktor-Theorie bedeutet das jedoch gleich zweierlei. Zunächst musst du nämlich herausfinden, wo das Problem liegt. Sind es eher die Arbeitsbedingungen und damit die Hygienefaktoren oder sind die Arbeitsinhalte Grund für die fehlende Motivation. Tipp: Sprich deine Mitarbeiter direkt auf diese Frage an. So erfährst du nicht nur, wo es hakt. Deine Mitarbeiter können dir auch direkt Verbesserungsvorschläge machen. Du kannst auch die Möglichkeit anbieten, das Feedback anonym abzugeben. So erhöhst du die Wahrscheinlichkeit, eine ehrliche Antwort zu bekommen. 
  2. Kontrollen reduzieren: Gerade die Motivation wird dadurch gestärkt, dass Mitarbeiter weniger kontrolliert werden. So haben sie nämlich endlich die Chance, selbst Verantwortung zu übernehmen. Für dich ist das auch ein Vorteil. Denn zeitraubendes Micromanagement kannst du dir damit sparen.
  3. Arbeitsschritte übertragen: Nach einiger Zeit kannst du gleich ganze Aufgabengebiete an den ein oder anderen Mitarbeiter übertragen. Das entlastet dich weiter und führt auf der anderen Seite wiederum dazu, dass deine Mitarbeiter sich beachtet und wertgeschätzt fühlen.
  4. Neue Aufgaben einführen: Der nächste Schritt in dieser Entwicklung besteht darin, neue Aufgaben an einzelne Mitarbeiter zu übertragen. So können sie sich noch mehr beweisen und sich so Experten für ein bestimmtes Gebiet entwickeln. Davon profitieren wiederum nicht nur die betreffenden Mitarbeiter, sondern das gesamte Unternehmen.

Grundsätzlich geht es bei diesem Vorgehen darum, den Mitarbeitern neue, verantwortungsvolle Aufgaben zu übertragen. Das geht natürlich nicht von heute auf morgen und auch nicht bei allen Mitarbeitern. Die Mitarbeiter, die sich jedoch für derartige Aufgaben qualifizieren, werden motivierter arbeiten und mit ihrer Motivation im besten Fall auch ihre Kollegen anstecken.

Weiterer Vorteil: Diejenigen Kollegen, die bisher (noch) nicht in den Genuss verantwortungsvollerer Aufgaben gekommen sind, werden sich besonders anstrengen. Schließlich möchten sie nicht hinter ihrem Kollegen zurückstehen, sondern auch Karriere machen. 

Weitere Beiträge zum Thema

Pareto-Prinzip: So nutzt du es richtig!

Zwei-Faktor-Theorie: So nutzt du sie für mehr Motivation

Selbstmotivation

“Verkaufstrainer muss sich nicht verkaufen, nur als Lichtgestalt präsentieren.” Jeder ist Verkäufer!

Die richtige Vorbereitung: Der Plan am Vorabend

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Willst du mehr verkaufen?

Mein Name ist Dirk Kreuter, und ich helfe Unternehmern zu mehr Verkäufen. Stellt sich nur die Frage: “Deinem auch?”

Über Dirk Kreuter

Dirk Kreuter ist einer der einflussreichsten Vordenker zu den Themen Vertrieb, Verkauf und Akquise, sowohl online wie offline. Er hält schon seit 1990 begeisternde Vorträge und ist Autor von über 50 Büchern & Hörbüchern.

Willst du mehr verkaufen?

Mein Name ist Dirk Kreuter, und ich helfe Unternehmern zu mehr Verkäufen. Stellt sich nur die Frage: “Deinem auch?”

Willst du verkaufen lernen?

Erhalte jetzt regelmäßig wertvolle Tipps