Just in Time im Vertrieb

Das aus dem Management und der Betriebswirtschaft bekannte Konzept „Just in Time“ kann auf viele Bereiche auch in vor allem im Vertrieb angewandt werden. Mitunter kann es ein Unternehmen durch kosteneffizientes Management zum Erfolg führen.

Viele denken bei dem Ausdruck Just in Time an die Automobilindustrie – kein Wunder, denn daher stammt auch der Begriff …

Woher kommt der Begriff?

Der Produktionsleiter Taiichi Ohno entwickelte bereits Ende 1940 für den japanischen Autobauer Toyota das Just-in-time-Verfahren sowie das Kanban-System. In der Automobilindustrie wird heute etwa ein Drittel aller Bauteile just in time geliefert.

Kanban kurz erklärt: Kanban hat in den letzten Jahrzehnten an Popularität gewonnen. Ursprünglich für der Fertigung entwickelt, fanden später auch Software-Entwickler Gefallen daran. Seit einiger Zeit wird es in verschiedenen Geschäftsbereichen unterschiedlichster Branchen eingesetzt.

Was versteht man unter Just in Time und Kanban genau?

Ein Begriff, der oft verwendet, um die Verfügbarkeit von Waren und Dienstleistungen zu bezeichnen , wenn nötig. Unternehmen , die mit   Just- in-time- Prinzipien arbeiten sind in der Regel sehr analytisch in ihrer Fähigkeit, Bedürfnisse vorherzusagen , um weder das Lager zu überschwemmen , und eine ausreichende M enge an Produkten und Rohstoffen verfügbar zu haben um die Herstellung oder Lieferung von Kundenanforderungen zu erfüllen .

Aus dem Japanischen wird Kanban wörtlich als Schild oder visuelles Signal übersetzt. Das einfachste Kanban-Board hat drei Spalten – „Angefordert“, „In Bearbeitung“ und „Erledigt“. Korrekt aufgebaut und benutzt dient die Tafel als Informationsknoten, der zeigt, wo die Engpässe sind und was den reibungslosen Ablauf des Workflows behindert.

Jenes sogenannte Kanban-Board findet man auch immer wieder zur Strukturierung von Workflow Prozessen im Vertrieb und/oder zur Erreichung von Vertriebszielen. Immer mehr Digitale Anwendungen bauen auf diesem Grundprinzip auf.

So kann man sehr gut strukturiert die Arbeitsleistung einzelner Mitarbeiter digital aufbereitet ablesen. Arbeitsprozesse werden optimiert. Einfach und übersichtlich.

Das Prinzip “Just in Time“ speziell basiert also darauf, dass bedarfssynchron hergestellt wird. Dies bedeutet, dass ausschließlich genau die passende Stückzahl genau zur richtigen Zeit – eben Just in Time produziert und geliefert oder hergestellt wird. Aus diesem Grund unterscheidet man auch zwischen „Just in Time“-Belieferung und „Just in Time“-Produktion.

Ein Beispiel für eine Dienstleistung im unternehmerischen Vertriebs (Multimedia-Sektor):

Hier kommt es häufig vor, dass das Unternehmen direkt mit den Kunden verbunden ist.

Direkt mit dem Kunden verbunden

Bei der JIT-Distribution beispielsweise werden die Verbraucher mit dem Vertrieb des Unternehmens online verbunden. Die Verbraucher haben somit die Möglichkeit, ihren Bedarf jederzeit bekannt zu geben. Die Versorgung der Verbraucher erfolgt bei diesem Konzept in einer möglichst kurzen Zeit.

Die Kunden aus der Musik-, Film- und Spieleindustrie legen Wert auf eine umfassende Betreuung. Sie benötigen oft sehr viele verschiedene Druckprodukte – Verpackungen, Booklets, Inlaycards bis Sonderlösungen wie Collectors-Editions – am besten aus einer Hand.

Ein idealer Vertrieb kann genau das bewerkstelligen. Books on Demand oder Drucken durch Amazon bei Buch-Bestellung beispielsweise sind hier zu nennen. Aber auch ein Software-System für die Telefon-Aquise via Kanban-Board und Co. kann Entwicklungsschübe eines Unternehmens bedeuten.

Die Alternative – für jedes Element Lieferanten zu suchen und diese selbst zu koordinieren, ist den meisten Unternehmen schon aus Zeitgründen zu heikel und bindet zudem enorm Ressourcen.

Oft muss für das Produkt nach einer passenden Verpackungslösung gesucht werden.

Eine besondere Anforderung ist die rasche Lieferung, von wenigen hundert Exemplaren bis zu Millionenauflagen – und das “just-in-time”.

Was sind die Vorteile von Just in time?

  • Eine kosteneffizientere Lagerhaltung mit Einsparungen in Bezug auf die Organisation und den Platz
  • Eine stark verringerte bzw. nicht existente Kapitalbindung in Bauteilen
  • Eine beschleunigte Herstellung und somit wiederum verringerte Personal- und sonstige Nebebkosten
  • Eine schnellere und intuitivere Montage
  • Möglichkeit zu einer Massenproduktion, wodurch wiederum Kosten und Preise gesenkt werden können

Was sind die Nachteile von Just in time?

  • Eine hohe Abhängigkeit von verschiedenen Lieferanten und Hersteller bzw. dessen Zuverlässigkeit
  • Ebenfalls eine hohe Abhängigkeit gegenüber äußerer Einflüsse wie das Wetter, Streiks oder Staus
  • Ein stets bestehendes Risiko einer stillstehenden Produktion
  • Eine fließende und missverständnislose Unternehmenskommunikation ist das A und O
  • Ökologisch gesehen ist Just in Time sehr umstritten, da durch die Lieferungen von einzelnen Teilen ein hohes Transportaufkommen erzeugt wird

Im Großen und Ganzen lässt sich demnach der Begriff / die Strategie dahinter aus verschiedenster Literatur zusammenfassend …

  • einem Organisations- und Logistikkonzept zur Reduzierung von Kosten und Durchlaufzeiten in der Wertschöpfungskette
  • mit dem Ziel Anlieferung und Fertigung erst bei Bedarf, zuordnen.

Eine andere Bezeichnung ist Just-in-Time-Produktion oder auch bedarfssynchrone Produktion, wobei auch oftmals die Abkürzung JIT-Produktion Verwendung findet. Just-in-Time ist so ein vollständiges Organisationsprinzip, welches sich in der gesamten Wertschöpfungskette eines Unternehmens niederschlägt.

Das Ziel von Unternehmen, die auf die Just-in-Time-Strategie setzen, ist es, den gesamten Materialfluss so zu gestalten, dass er zeitlich auf den Produktionsprozess abgestimmt ist.

So kann der komplette Wertschöpfungsprozess schlanker gehalten werden. Das bedeutet für alle Beteiligten geringere Kosten. Das Unternehmen beispielsweise kann seine Lagerkosten auf diesem Weg so gering wie möglich halten, da die Materialien erst dann geliefert werden, wenn ein Produkt von einem Kunden in Auftrag gegeben wurde. Darüber hinaus muss das produzierende Unternehmen auch im Vorhinein kein Kapital binden.

Die Entscheidung für die Just-in-Time Strategie bringt auch Vorteile gegenüber der Konkurrenz mit sich.

In Märkten, in denen immer mehr Substitute angeboten werden und sich einzelne Unternehmen immer seltener über Preis oder Qualität ausreichend von der Konkurrenz differenzieren können, ist der interne Wertschöpfungsprozess ausschlaggebend.

Darüber hinaus können die Unternehmen durch die geringen Lagerbestände auch schneller auf sich veränderte Marktbedürfnisse eingehen, als beispielsweise Konkurrenten mit hohen Lagerbeständen.

Allerdings setzt JIT auch eine weitaus engere Zusammenarbeit von Unternehmen und Lieferanten und vor allem eine detaillierte und reibungslose Planung voraus. Das Unternehmen muss das Risiko in Kauf nehmen, in eine größere Abhängigkeit gegenüber den Lieferanten zu treten und bei Engpässen mit Lieferausfällen rechnen.

EIn wenig geschichtliches am Beispiel der Autoindustrie:

Automobilhersteller wie Porsche, BMW oder Daimler haben ihre Lieferketten schon vor Jahren darauf umgestellt, dass Teilebedarfe sehr kurzfristig an die Lieferanten gemeldet werden. Die Zulieferer müssen in der Lage sein, entsprechend kurzfristig zu liefern. Das wiederum erfordert eine Anpassung der Planungs- und Steuerungssysteme in der Produktion und Logistik der Automobilzulieferer, um den neuen Anforderungen von JIT-/JIS-Konzepten adäquat zu begegnen.

Grundsätzlich sehen JIT-/JIS-Konzepte eine Lieferung von Produkten oder Komponenten direkt an Montagebänder vor. In der Regel ist dies nur bei großen Tier-1-Systemlieferanten der Fall. Ein Beispiel ist der Automobilzulieferer Magna, der seine Komponenten und Systeme für Fahrzeuginnenräume entwickelt, fertigt und auch montiert, und zwar in zeitlich exakt festgelegten Sequenzen. Auch thyssenkrupp produziert und liefert Fahrwerksysteme im Kundentakt, d.h. synchron zur Sequenz der Kundenproduktion.

Auch hier hat Corona die Schwächen offengelegt, denn JIT-/JIS-Konzepte sehen geringe Pufferbestände vor, die nur für kleine Zeitfenster in der Produktion ausreichen und somit keine Fehler in den Planungs- und Steuerungsprozessen erlauben, da ansonsten die Montagebänder stillstehen müssten.

Lehren aus der Coronakrise

Die LehreN aus der Corona-Krise sind:

Es sind neue, kombinierte Ansätze aus Digitalisierung und Lokalisierung erforderlich. Eine wichtige Modernisierungskomponente ist die Einführung von Softwarelösungen, die eine Durchgängigkeit der Prozesse vom Lieferanten bis an die Maschine unterstützen. Solche Programme können dabei helfen, sehr flexibel auf Nachfrageschwankungen und Ausfälle auf Seiten der OEMs zu reagieren sowie Prozesse in der Produktion und Logistik auf JIT-/JIS-Konzepte auszurichten.

Methoden der künstlichen Intelligenz (KI) können den Automobilherstellern und OEMs dabei helfen, strukturierte und unstrukturierte Daten so zu analysieren, dass sie ihre Bedarfe genauer prognostizieren können.

Unstrukturierte Daten können beispielsweise Reaktionen aus dem Netz/in Social Media auf neue Fahrzeuge oder Themen wie E-Mobilität sein.

Denkbar ist eine bessere Vorhersage von möglichen Lieferengpässen durch schlechtes Wetter oder sonstige externe Faktoren wie z.B. das Coronavirus. Strukturierte Daten sind beispielsweise die Bestellhistorie nach Kundengruppen oder der Bestand im Lager/in der Lieferkette sowie Wiederbeschaffungszeiten.

Eine Möglichkeit, die Lieferketten widerstandsfähiger zu machen, kann die Verlagerung von globalen Lieferketten auf eher regionale/lokale Lieferketten sein.

Corona hat gezeigt, dass Lieferketten umso verwundbarer und intransparenter werden, je globaler sie sind. Neuere Entwicklungen zielen auf lokalere/regionalere und gleichzeitig flexiblere Ansätze ab. Das können zum Beispiel sogenannte „On-Demand-Lagerhaus-Marktplätze“ sein (z.B. LogHub, Stowga, Stockpots).

Diese Marktplätze bieten freie Flächenkapazitäten lokaler und regionaler Lageranbieter, um Herstellern oder Einzelhändlern eine höhere Lagerflexibilität und kürzere Lieferwege zu ermöglichen. Für das Supply Chain Management ergibt sich damit aber eine weitere Verwaltungsebene, deren Daten analysiert werden müssen, um den hohen Anforderungen an Transparenz, Resilienz, JIT-/JIS-Planung sowie an Forecasting und Risikomanagement zu genügen.

Die Welt des Supply Chain Management wird also komplexer. Schon bevor das Coronavirus die globalen Lieferketten heimsuchte, waren Schwächen in den Lieferketten der Fertigungsindustrie erkennbar. Selbst in der Automobilindustrie mit ihren seit Jahren optimierten und feinjustierten Abläufen zeigte sich immer wieder Optimierungsbedarf, und zwar sowohl bei den OEMs als auch bei den Zulieferern.

Die Corona-Krise hat diese Schwächen nun schonungslos offengelegt. Moderne und leistungsfähige Software- und KI-Lösungen können helfen, die Herausforderungen zu meistern.

Moderne Software

Werden diese Voraussetzungen von einem Unternehmen bedingungslos erfüllt, so können sich mit der Anwendung des JIT-Konzeptes folgende Ziele und Vorteile des Abnehmers ergeben:

  • Kostensenkung (Lager-, Personal-, Transport- und Verwaltungskosten; Schätzungen zufolge bis 80% bei den Beständen, bis 65% bei den Flächen und bis 50% beim Handling)
  • Minimierung der Durchlaufzeiten von Beschaffung zur Auslieferung (Verkürzung der Lagerdauer und der Lieferzeit; es wird eine bis ca. 70%ige Verbesserung der Durchlaufzeit erklärt),
  • Flexibilität auf dem Beschaffungs- und Absatzmarkt/schnelle Umsetzung von Produktideen (schnellere Reaktion/Anpassung auf die Marktsituation, durch entfallende Lageraufnahme der Waren),
  • Produkte ohne Zeitverzug fertigen (es ist eine gesamte Steigerung der Produktivität um 25% festgestellt worden)
  • erhöhte Liquidität (weniger Kapital ist in Lagerwaren gebunden und steht somit für Investitionen zur Verfügung),
  • Risikominderung (Risiken der Lagerung, des Transportes und des Lieferverzuges fallen auf den Lieferanten; auch das Verschrottungsrisiko mindert sich)

 

Fazit: Viele Unternehmen müssen beim Thema Just in time nachlegen, wieder andere müssen es ablegen und sich neu-formieren

In vielen Industrieunternehmen verfolgen Logistiker seit Jahren den „Just-in-Time-Gedanken“. Kürzere Umrüst- und Durchlaufzeiten, die Reduzierung der Lagerhaltung, Verringerung von Materialbeständen sowie die Flexibilisierung von Produktionsabläufen versprechen eine deutliche Kosteneinsparung. Dennoch kann die Umstellung auf diese Art Produktion z.B. die Autoindustrie sehr verwundbar machen.

Für welches Unternehmen sich nun die Umstellung auf JIT lohnt, kann im Allgemeinen nicht beantwortet werden. Man wird es aber überwiegend in den Branchen der Automobil-, Lebensmittel- und der schnelllebigen Multimediaindustrie (Onlinemarketing/ Vertrieb und Co.) vorfinden.

Da es nun auch nicht mehr zu den neuesten Logistikkonzepten gehört, sollte jedes Unternehmen für sich individuell herausfinden, ob eine Umstellung Sinn macht.

Die Vertriebsbranche ist auf jeden Fall gut gerüstet, wenn es das Just in time Modell in jedem Fall als Lösungsmöglichkeit in Betracht zieht und sich unter anderem mit Tools wie Kanban und Co. wettbewerbsfähiger, schlanker und schneller aufstellt.

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