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Digitalisierungsexperte Alexander Müller: Was kann man von StartUps lernen?

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Alexander Müller, Geschäftsführer von GEDANKENtanken und Digitalisierungsexperte, im Interview über StartUps und was man von ihnen lernen kann. StartUps stehen für Innovation und großes Wachstum. Deswegen kann man sehr viel von StartUps lernen!

Weiter gehts im Interview mit Alexander Müller.

Was kann ein normales Unternehmen von einem StartUp lernen?

Alexander: Also in Startups herrschen bestimmte Kulturen, ja. Und ein Thema ist, oder generell, die Start-up Szene profitiert unglaublich vom Scheitern, ja. In Amerika kann man unglaublich stolz sein, wenn man mehrere Firmen hat, selbst wenn die meisten gescheitert sind, ist es erstmal nichts Schlimmes.

In Deutschland haben wir ein Problem mit scheitern. Das schon mal per se. Das erstmal im Großen. Man sollte als Unternehmer nie richtig gescheitert sein. Ansonsten verliert man sein Gesicht. Aber auch im ganz, ganz kleinen. Je größer so ein Konzern, oder so ein größeres Unternehmen ist, umso geringer ist es erlaubt, Fehler zu machen. Und Innovationen entstehen erstmal nur durch Fehler noch.

Edison, dem Erfinder der Glühbirne, wurde von seinem Assistenten irgendwie gesagt „Mensch jetzt sind wir tausendmal gescheitert, das ist doch Mist hier“. Der sagt „Nein wir haben tausendmal herausgefunden, wie es nicht funktioniert“.

Und diese Philosophie, die sollte man sich zur Firmenkultur machen. Das heißt man sollte ganz bewusst Mitarbeitern Budgets und Zeit geben, Dinge auszuprobieren, mit denen sie scheitern dürfen.

Wenn ich Produkte entwickeln schaffe ich das in aller Regel oder ich schaffe gute Produkte zu entwickeln, wenn ich es schaffe, diese Entwicklungszyklen aus, ich habe die Idee für ein Produkt, ich brauch ein Feedback aus dem Markt. Das Feedback arbeite ich ein, verbessern das Produkt, will wieder ein Feedback aus dem Markt. Diese Entwicklungsschleifen möglichst kurz zu halten, ja.

Das schaffe ich, wenn ich Scheitern systematisiere. Weil, häufig finde ich heraus, wie es nicht funktioniert. Wenn wir in Veranstaltungen machen oder wenn wir neue Vertriebswege testen, um beispielsweise Tickets für unsere Redner Nächte zu verkaufen, dann testen wir viele neue Dinge und das machen wir relativ systematisch.

Und meistens finden wir eigentlich nur heraus, wie es nicht funktioniert. Und irgendwann bleibt dann etwas über das funktioniert richtig gut. Und das versuchen wir dann quasi zu skalieren und richtig intensiv zu machen.

Das erfordert aber auch, dass Mitarbeiter viele Dinge testen dürfen und das dann Fehler gemacht werden, die nicht bestraft, sondern dass man das als normalen Zustand betrachtet.

Das ist glaube ich etwas ganz Wichtiges, was man von Start-ups lernen kann. Dann das Thema Flexibilität, Agilität. Hierarchien klein halten. Verantwortung in Teams geben. Jede unnötige Hierarchie verhindert Innovation.

Weil wenn ich diese Entwicklungszyklen, von denen ich gerade gesprochen habe. Also schnell Produkte zu entwickeln, also ganz nah am Markt mit Kundenfeedback und ganz, ganz schnell und intensiv mit dem Kunden zusammen Produkte entwickeln. Wenn ich das möchte, kann ich nicht immer Entscheidungswege nach oben haben.

Also, wenn ich für jedes Produktfeature das sich ändert. Was vielleicht mal ganz, vielleicht der bisherigen Unternehmensphilosophie vielleicht auch widerspricht. Oder Wenn ich ein großes Unternehmen habe, und verschiedene Abteilungen da involviert sein müssen, dann werde ich solche kurzen Produktentwicklungszyklen nie hinbekommen.

Das heißt ich brauche Entscheidungswege, kurze Entscheidungswege und viele Konzerne, große Unternehmen haben die Schwierigkeit, dass sie das in ihren bestehenden Strukturen gar nicht hinbekommen. Das heißt, wenn ich wirklich innovativ sein möchte, ist es häufig auch sinnvoll was auszulagern.

Ja. Das quasi ein kleines Start-up zu gründen angekoppelt an den großen Konzern. Wo weniger Regularien sind, wo weniger Strukturen herrschen wo mehr Freiheiten sind. Also ich muss schauen, dass ich Kulturen schaffe in denen innovativ und kreativ gearbeitet werden kann.

Dirk: OK. Lass uns mal beim Thema Vertrieb bleiben. Hast du ein Beispiel wo das vertrieblich umgesetzt wurde? Wo vielleicht eine Vertriebsmannschaft outgesourct wurde?

Das ist immer so heftig. Du sagst, du musst scheitern und so weiter. Aber wenn ein Verkäufer bei mir eine Woche scheitert, dann darf er gerne woanders weiterscheitern.

Also das, es ist ja nicht nur, dass er in der Zeit ja nichts produziert, sondern er macht ja auch viel kaputt. Das mag in anderen Geschäftsbereichen gut funktionieren. Aber im Vertrieb? Gibt es Beispiele aus dem Vertrieb?

Alexander: Nehmen wir ein Beispiel. Was vertreibst Du?

Dirk: Seminare, Seminartickets.

Alexander: Seminartickets, so. Du hast jetzt einen bestimmten Vertriebsprozess. Ich unterstelle jetzt mal, dass der so schon gut ist, aber du weißt andere machen es besser. Und du weißt vielleicht neue digitale Theorie oder digitale Prozesse würden das vereinfachen. Et cetera. Und du hast jetzt, weiß ich nicht zehn Vertriebler.

Dann wäre das jetzt dumm, diese zehn Leute mal eine Woche zum Scheitern zu schicken. Die werden mit tollen Erkenntnissen wiederkommen. Aber eine Woche lang, steht das Rad still. Die haben viele Kunden angerufen, die sind verprellt, weil sie ihnen viele neue Produkte angeboten haben, die eigentlich Mist sind. Wie auch immer.

Das heißt, versuch doch einfach ein interdisziplinäres Team zu gründen aus einem Vertriebsmitarbeiter, einem Marketing Mann vielleicht auch noch einem Mitglied der Geschäftsleitung. Das heißt du setzt ein kleines Team zusammen und die haben jetzt mal die Freiheiten zwei Wochen lang was völlig Neues auszuprobieren.

Das heißt: Zieh ein Team raus was du verkraften kannst von deinen Ressourcen her und lass die neue Dinge ausprobieren. Und ja, da werden vielleicht auch mal Kunden angerufen, die danach verbrannt sind und ja, nach einer Woche werden die vielleicht nicht die Umsätze gemacht haben, als sie normalerweise gemacht hätten.

Aber diese neuen Erkenntnisse, wenn du die systematisch austesten lässt, werden dann, wenn sie erfolgreich sind und du sie in einen normalen Prozess integrierst und alle 10 Leute davon profitieren, wirst du darüber einen großen Hebel haben.

Und du wirst es wahrscheinlich nicht in diesem Maße verbessern können. Wenn die das versuchen in ihrem Alltag hinzubekommen. Ja. Du musst sie wirklich ganz bewusst rausziehen.

Die müssen ein Budget haben und sie dürfen auch scheitern Wenn du da schon mit der Maßgabe rangehst, in der Woche müsst ihr mehr verdient haben, als ihr normalerweise verdient hättet, dann werden die unter Druck stehen werden nicht viele neue Dinge ausprobieren sondern werden  höchstens probieren das bestehende etwas besser zu machen.

Aber es geht darum, vielleicht mal die Dinge komplett anders zu machen. Mal herauszufinden, kann ich ein zehntausend Euro Ticket vielleicht doch automatisiert verkaufen.

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Dirk: Der Alexander hat mir erzählt, beziehungsweise in einer Mastermind erzählt, dass er eine Unternehmerreise gemacht hat. Und zwar ins Silikon Valley in Kalifornien. Mit Sicherheit mega spannend. Du hast ja schonmal Einblick gegeben, damals in der Mastermind. Warum hast du das gemacht? Wie kommt man da ran? Und was waren deine wichtigsten Erkenntnisse?

Was lernt man im Silikon Valley?

Alexander: Warum habe ich das gemacht? Im Nachhinein ärgert mich, dass ich nicht schon viel früher gemacht habe. Wie gesagt, ich bin durch und durch Unternehmer ich bin Orthopreneur. Ich habe viele Start-ups gegründet. Und wenn ich überlege, das Mekka der Unternehmensgründung ist im Silikon Valley, ja?

Alle wesentlichen Unternehmen. Microsoft mal ausgenommen. Die wurden in Seattle gegründet. Nicht Silikon Valley. Kommen irgendwie aus   dem Silikon Valley. Gerade im Technologie Bereich, die in den letzten Jahrzehnten die Welt doch grundlegend verändert haben. Ja und ich bin durch den deutschen Förderverband organisiert eine Woche hingereist.

Mit anderen fünfzig Unternehmern haben wir uns, ich weiß nicht wahrscheinlich zwanzig, dreißig verschiedene Startups angeschaut, VC’s kennengelernt, uns viel ausgetauscht vor Ort. Und es war einfach unglaublich zu sehen, wie eine ganze Stadt, also mit San Francisco und Silicon Valley, ich weiß nicht mehr ganz auswendig. Also ich glaub so 4,5 Millionen Einwohner müssten, die in etwa haben.

Wieviel Technologie da stattfindet, wie viele Unternehmensgründungen da jeden Tag stattfinden. Die ganze Stadt ist quasi elektrisiert von Unternehmern oder Jungunternehmen viel mehr. Und da herrscht einfach eine total offene Kultur, wenig Neid. Das heißt die tauschen sich alle aus.

Egal ob das der härteste Wettbewerber ist, die wohnen halt eh im gleichen Wohnviertel und gehen abends zusammen grillen. Das heißt die ganze Welt besteht quasi aus, die ganze Welt im Silikon Valley besteht aus Unternehmern und Technologie Startups.

Das ist erstmal super inspirierend. Und es ist einfach spannend zu sehen, wenn so viele Menschen auf einem Haufen sind. Sich ständig miteinander austauschen. Was das für Synergieeffekte mit sich bringt.

Ein Learning für mich war: Umgib dich in deiner Freizeit noch mehr von Leuten, von denen du Lernen möchtest. Leute, die auf deiner Flughöhe unterwegs sind oder bestenfalls sogar noch Leute, die vielleicht sogar weiter sind als du. Ja also, das war für mich ein Learning, deswegen beispielsweise Teilnahme an solchen Masterminds. Wo wir uns dann auch austauschen.

Generell habe ich da nochmal einen Geschmack bekommen, wie krass dieser Wandel aktuell wirklich ist. Also vieles was ich gerade vom Thema Exponalität erzählt habe, was da demnächst auf uns zukommt, ist inspiriert vom Silikon Valley, weil das da wirklich tagtäglich so richtig spürbar ist.

Was man hier im Alltag, Bochum oder auch in Köln dann doch nicht jeden Tag vor die Augen gehalten bekommt. Also jeden Unternehmer, jeder der irgendwie das Thema Unternehmertum oder Unternehmensgründung beherzigt, empfehle ich einfach mal dorthin zu reisen.

Der deutsche StartUp Verband macht einmal im Jahr eine Reise dorthin. Inzwischen gibt es auch einige andere Anbieter. Macht das einfach mal. Ich würde nicht unbedingt selbst, unorganisiert dahinfahren, sondern wie ich organisiert, weil du ganz tief in die Firmen reinkommst.

Wir hatten wie gesagt zwanzig, dreißig Firmen, die wir besucht haben. Airbnb, Microsoft, Google, also alles was Rang und Namen hat, da bekommt man Einblicke und auch der Austausch mit diesen fünfzig deutschen Unternehmern, die da mit dabei waren, der ist einfach einzigartig. Das kannst du dir selbst in einer Woche nicht organisieren.

Dirk: Alles klar. Bundesverband Deutscher Startups. VCs sind Venture Capital Firmen, also die Geldgeber für diese Geschäftsideen. Und eine Mastermind, dass der Begriff einmal geklärt ist, ein organisiertes Treffen von absoluten Top Leuten in einem bestimmten Bereich, die sich dann auf höchstem Niveau austauschen.

Du musst dich dazu qualifizieren, du musst dich bewerben. Du musst dafür viel Geld auf den Tisch legen und der Veranstalter selbst gibt grad mal zwei Ideen, weil, jeder Teilnehmer muss zwei Ideen geben für die Anderen. Sehr, sehr spannendes Modell, also wenn Mastermind für Dich ein Thema ist, dann Google das mal und guck mal was du da so findest.

So, Alexander Müller, wo finden wir dich?

Alexander: Alexander Müller.com, paar persönliche Infos zu mir. Und Gedanken Tanken, freuen uns natürlich immer mal den ein oder anderen Besucher von Euch auf unseren Rednernächten zu sehen. Das ist ja 6 Mal im Jahr. Du bist gerade bei uns, hast gerade in Düsseldorf gesprochen.

Ich glaube, das war auch ein ganz nettes Event. Also wer an einem Abend 10 Impulse von 10 verschiedenen Rednern haben möchte. Quer beet, von Wirtschaft, Politik, Gesellschaft. Der darf mal bei der Rednernacht vorbeischauen. Gedankentanken.com

Dirk: Genau und das besondere ist, was meinst du was ist schwieriger, eine Stunde einen Vortrag halten als Profi oder fünfzehn Minuten einen Vortrag halten als Profi? Moment drüber nachdenken.

Es sind die fünfzehn Minuten. Fünfzehn Minuten sind, ich würde sagen 10 Mal anspruchsvoller als eine Stunde. Weil, du musst in den 10 Minuten wirklich genau auf den Punkt kommen, das Publikum erwischen.

Und das schaffen nicht viele, deswegen ist das für alle Redner eine Herausforderung. Wenn du mal sehen willst, wenn Redner wirklich unter Adrenalin sind, dann Gedanken tanken.

Alexander, herzlichen Dank, dir vielen Dank, viel Erfolg, Gedanken tanken viel Erfolg, Stefan Frädrich, herzliche Grüße und Euch fette Beute. Hat euch der Beitrag gefallen? Dann gern einen Kommentar drunter.

In dem Sinne macht was draus.

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Mein Name ist Dirk Kreuter, und ich helfe Unternehmern zu mehr Verkäufen. Stellt sich nur die Frage: „Deinem auch?“

Über Dirk Kreuter

Dirk Kreuter ist einer der einflussreichsten Vordenker zu den Themen Vertrieb, Verkauf und Akquise, sowohl online wie offline. Er hält schon seit 1990 begeisternde Vorträge und ist Autor von über 50 Büchern & Hörbüchern.

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