Nein sagen lernen

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9 Gründe warum wir schlecht nein sagen können

Du sagst JA, meinst aber tief im Inneren NEIN? Bist Du ein Helfertyp? Nein sagen fällt Dir schwer? Willst Du bei jedem beliebt sein und Du antwortest automatisch mit “ja”, obwohl Du keine Zeit und keine Lust dazu hast?

Dann geht es Dir wie vielen Menschen. “Nein” zu sagen und dahinter zu stehen ist eine Fähigkeit erfolgreicher Persönlichkeiten. 

Selbstverständlich “macht der Ton die Musik”. Beim “nein sagen” kommt es auf die richtige Dosierung und die korrekte Balance an.

Lerne in diesem Artikel, in welchen typischen Situationen wir oftmals “ja” sagen, aber uns nach “nein” fühlen. Du wirst erfahren, warum es so wichtig ist, auch mal nein zu sagen.

Daneben wirst Du 9 Gründe kennenlernen, warum es uns schwer fällt, “nein” zu sagen. Lerne außerdem, wie Du Nein sagen kannst – und das, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.

Typische Situationen, in denen es uns schwer fällt, nein zu sagen

Du kennst sicher das Gefühl, wenn Du Dir, entgegen Deiner ursprünglichen Motivation, ein “ja” hast entlocken lassen und Deine Antwort später bereust?

Es gibt viele unterschiedliche Situationen, in denen wir uns ein Ja entlocken lassen, obwohl wir lieber mit Nein geantwortet hätten. Das Verneinen fällt uns in manchen Situationen leichter, in den anderen schwerer. Und manchmal bejahen wir, obwohl wir lieber verneinen möchten. Mach Dich deshalb nicht fertig, denn Du bist damit nicht alleine. Nein zu sagen fällt vielen Menschen schwer – und das hat bestimmte Gründe.

 

Typische Situation in der Arbeit: Der “Hey Joe”-Effekt

Du arbeitest konzentriert an einer Aufgabe. Dein Kollege kommt zum Büro rein und bittet Dich um Hilfe. “Es dauert nur 10 Minuten” verspricht er. Du willst ein guter und hilfsbereiter Kollege sein, ein Teamplayer, und hilfst ihm. Nach geleisteter Hilfe kehrst Du wieder zurück an Deinen Arbeitsplatz. 

Du denkst, dass Du Deine Arbeit sofort auf gleichem Level fortsetzen kannst, wie vor der “Störung” Deines Kollegen? Weit gefehlt! 

Gemäß einer Studie dauert es 23 Minuten, bis Du Dich wieder neu in Dein Thema hineingefunden hast und auf dem gleichen gedanklichen Level bist, wie vor der “Störung”. Deine Hilfestellung wurde für Dich zum wahren Produktivitätskiller. Du hast Deinen Fokus für den Moment komplett verloren. 

 

Mehr zum Hey Joe Effekt findest Du in meinem Video:

Wenn ein Kollege nach Hilfe bittet, dann ist es nicht zwingend unhöflich, “Nein” zu sagen. Du kannst gleichzeitig ein Teamplayer sein und dennoch für Dich und Deine Aufgaben einstehen, um diese konzentriert zu erfüllen. Es ist “gesund” und wichtig, um Deine Aufgaben erledigen zu können und konzentriert zu bleiben. 

 

Situation in der Fußgängerzone: “Darf ich Sie mal was fragen”?

Du läufst an einem Spendensammler vorbei. Das erste Ansprechen wehrst Du noch mit einem Nein ab. Anschließend ruft er Dir dann noch etwas hinterher. Plötzlich wirst Du “schwach” und drehst Dich nun doch um.

In der Verkaufspsychologie gilt der Grundsatz, dass man seinem potenziellen Kunden ein einfaches “Ja” entlocken soll, sogenannte Micro-Commitments (frei übersetzt: kurze, knackige Zustimmungen). Damit ist der Kunde eher gewillt, auf weitere Fragen mit “Ja” zu antworten. Es beginnt immer mit einem kleinen “Ja”.

Aus diesem Grund ist das Cross-Selling (Verkauf weiterer Produkte passend zu einem anderen Produkt) so erfolgreich: Bier zum Schnitzel, Brillenputztuch und Brillenetui zur Brille, ein Objektiv oder eine Kameratasche zur Kamera, Spiele zur Spielekonsole, Imprägnierspray zu den neuen Schuhen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass der Kunde ein zusätzliches Produkt kauft, ist hoch, da er bereits zu einem Produkt “Ja” gesagt hat und dieses thematisch in den bereits getätigten Kauf passt.

 

Situation Supermarkt: das Süßigkeitenregal an der Kasse

Ein weiteres klassisches Beispiel ist das Süßigkeitenregal an der Supermarktkasse.

Eltern fällt es hier sicher schwerer Nein zu sagen, da sie sich das Geschrei vom Kind
ersparen wollen. Supermärkte nutzen diese Drucksituation und entlocken den Eltern ein Ja auf die Frage nach Süßigkeiten. 

Die Eltern antworten gezwungenermaßen mit einem Ja auf das Gebettel der Kinder, um der Konsequenz “Geschrei” aus dem Weg zu gehen. Das Nein sagen lernen gilt gleichermaßen für Erwachsene als auch für Kinder, dieses zu akzeptieren.

Ob in der Arbeit, in der Fußgängerzone oder an der Supermarktkasse: Du kannst Nein sagen lernen! Aber warum fällt es uns so schwer, nein zu sagen?

9 Gründe, warum es uns schwer fällt, nein zu sagen

Es gibt einige Gründe, warum es uns schwer fällt, “Nein” zu sagen:

9 Gruende warum wir schlecht nein sagen koennen

Es gibt gute Gründe, einfach mal Nein zu sagen

Neben den Gründen, warum wir schlecht nein sagen können gibt es aber auch sehr gute Gründe, sich zu trauen, Nein zu sagen. Lass uns diese Gründe betrachten.

Grund #1 – Grenzen ziehen: Wenn Du Nein sagst, dann ziehst Du Dir und Deinem Gegenüber ganz klare Grenzen. Bis hier hin und nicht weiter. Keine weitere Aufgabe. Ich habe genug zu tun. Ich kann mich nicht noch um weitere To-dos kümmern. Das verschafft Dir Respekt und macht Dein Ja in anderen Situationen mehr wert.

Grund #2 – Deine Ziele verfolgen: Durch ein Nein lässt Du Dich nicht von Deinen Zielen abbringen. Es fällt Dir wesentlich leichter ohne weitere Ablenkung Dich voll und ganz auf Dein Vorhaben zu konzentrieren und Dein Ziel zu erreichen. Du priorisierst Dich und nicht die anderen. Das ist gesunder Egoismus und völlig legitim.

Grund #3 – Selbstverantwortung & Selbstbewusstsein: Wenn Du Nein sagst übernimmst Du für Dich und Deine Aufgaben Verantwortung. Das ist nicht nur erwachsen sondern steigert auch gleichzeitig Dein Selbstbewusstsein.

Grund #4 – Nein sagen macht glücklich: Sind wir mal ehrlich: Nein sagen kann glücklich machen. Es ist sehr befreiend mit gutem Gewissen “Nein” auf eine Bitte zu antworten, auf die man überhaupt keine Lust hat! Befreiung pur. Es ist geil, einfach mal nein zu sagen. Du bist damit Herrscher Deiner selbst, Du bist selbstbestimmend, Du bestimmst Dein Leben und das wird Dir solchen Situationen ganz besonders bewusst.

Grund #5 – Kampf gegen Deine Angst: Im Grunde bewegt uns die Angst vor Konsequenzen dann lieber doch Ja zu sagen als Nein. Wenn Du Nein sagst, kämpfst Du proaktiv gegen diese Angst an. Angst ist ein schlechter Ratgeber. Menschen, die mit weniger Angst durchs Leben gehen, leben entspannter und sind glücklicher.

So kannst Du lernen, nein zu sagen

Es ist wichtig, die richtige Balance beim “Nein” sagen zu finden. Dein “Nein” sollte höflich, aber bestimmt ausgesprochen werden. Du möchtest schließlich niemanden emotional verletzen. Wie kannst Du das Nein sagen lernen? Ich möchte Dir die folgenden 6 Tipps mitgeben:

Betrachte die Situation nüchtern

Wäge Deine Antwort vorher gut ab. Welche Konsequenzen kann ein Ja haben? Und welche ein Nein? Musst Du Überstunden leisten, wenn Du die Aufgabe des Kollegen annimmst? Priorisierst Du andere Menschen bzw. Arbeitskollegen und deren Aufgaben höher als Dich oder ist Dir auch wichtig, dass Deine Aufgaben nicht liegen bleiben? Gehe ganz nüchtern und sachlich an die Sache heran und lasse Dich nicht überrumpeln.

Erbitte Dir Zeit

Es ist völlig in Ordnung, einen Moment in Dich zu gehen und eine Antwort vorzubereiten. Erbitte Dir Bedenkzeit, indem Du “Ich überlege kurz und sage Dir in 15 Minuten Bescheid” oder “Ich muss darüber nachdenken” entgegnest. Damit nimmst Du Dir selbst den Druck und Du vermeidest, mit einer vorschnellen und unüberlegten Antwort eine Entscheidung zu treffen, die Du später bereust.

Bewerte den Preis, den Du zahlst

Mach Dir folgendes bewusst: Immer wenn Du ungewollt zu einer Aufgabe Ja sagst, zahlst Du einen ungewollten Preis:

Du bist immer noch der selbe Mensch

Klar ist: Auch wenn Du Nein sagst, bleibst Du immer noch der selbe Mensch. Du darfst und sollst sogar Nein sagen. Das tun alle erfolgreichen Menschen, um für sich selbst einzustehen und Grenzen zu setzen. Wieso Du nicht auch? 

Auf welche Weise Deine Mitmenschen reagieren, kannst Du nicht beeinflussen. Du bist für deren Gefühle nicht verantwortlich, sehr wohl aber dafür, dass Du Dein Leben lebst, so wie Du es möchtest. 

Wenn andere Dein Nein nicht akzeptieren oder beleidigt sind, ist das ihr und nicht Dein Problem! Es ist Dein gutes Recht, Nein zu sagen. 

Reflektiere die Situationen, in denen Du bereits Nein gesagt hast

Hatte ein Nein in der Deiner Vergangenheit negative Konsequenzen? Wurdest Du deshalb von anderen Menschen gemieden oder ignoriert? Hat sich eine zwischenmenschliche Beziehung zu einem Mitmenschen qualitativ verschlechtert? Oder wurde die Beziehung durch ein offenes und ehrliches Verhältnis vielleicht noch besser und authentischer?  

Nimm Dir kurz Zeit und reflektiere mal – das hilft Dir, auch in zukünftigen Situationen, Grenzen zu ziehen und leichter Nein sagen zu können.

Reflektiere, was die Bittenden in Dir auslösen möchten

Um entspannter und ohne schlechtes Gewissen Nein sagen zu können, lohnt es sich ebenfalls zu reflektieren, was die bittenden Personen in Dir auslösen wollen.

Solltest Du eines dieser manipulativen Muster hinter einer Bitte erkannt haben, dann fällt es Dir sicher leichter, Nein zu sagen.

Vorsicht vor der Rechtfertigungsfalle

Viele Menschen trauen sich nicht, einfach “NEIN” zu sagen, um die zwischenmenschliche Harmonie nicht zu gefährden.

Um weiterhin eine harmonische Beziehung zu Deinen Mitmenschen und Kollegen zu pflegen und eine eskalierende Situation zu entschärfen, kannst Du Dein “Nein” kurz und knackig erklären, aber rechtfertige oder entschuldige Dich nicht für Deine Entscheidung. 

Du musst Dich doch nicht zu rechtfertigen…” wird Dir unter Umständen entgegnet, wenn Du erklären möchtest, warum Deine Antwort auf eine Bitte negativ ausfiel. 

Doch was ist der Unterschied zwischen einer Begründung und einer Rechtfertigung? Der Grat ist schmal… Sag ein mal den folgenden Satz völlig neutral als Erklärung und ein mal mit einem “unterwürfigen” Ton als Rechtfertigung: 

 

“Nein, ich kann Dir bei der Aufgabe nicht helfen, da ich heute Abend schon verplant bin”. 

Du merkst: Der Ton macht die Musik! 

 

Begründung/ Erklärung

Bei der Begründung bzw. der Erklärung begegnest Du Deinem Gesprächspartner auf Augenhöhe und unterwirfst Dich nicht.

Du antwortest Deinem Gesprächspartner neutral, nüchtern und sachlich. Du hast es nicht nötig, die Schuld von Dir zu weisen. Stehe zu Deinem Nein, freundlich, aber bestimmt. Du hinterfragst Deine Antwort nicht und Du begründest Deine Entscheidung ganz nüchtern – auf Augenhöhe. Du möchtest Dir Deine Antwort nicht “plausibel” reden oder Dir selbst erklären und herausfinden, ob die Antwort tatsächlich in Ordnung war – das weißt Du bei der Begründung bereits vorher schon.

 

Rechtfertigung

Wo ist der Unterschied zur Begründung? Bei der Rechtfertigung möchtest Du die Schuld von Dir weisen und unterstellst Dich Deinem Gesprächspartner gewissermaßen.

Im Subtext schwingt eine gewisse Entschuldigung mit. Damit einhergehen können Empörung, Aggression und Trotz, vielleicht sogar ein schlechtes Gewissen. Du entschuldigst Dich dafür, dass Du die Aufgabe nicht übernehmen kannst. Du willst Dir selbst die Antwort plausibel reden.

Der gleiche Satz kann sowohl als Begründung als auch als Rechtfertigung empfunden werden, sowohl von Dir als auch von Deinem Gesprächspartner. Der Unterschied ist schwer zu erkennen und liegt eher in Deiner inneren Haltung als im außen. Es kommt auch darauf an, wie Du den Satz sendest und wie Du selbst dabei fühlst. 

Erklärst Du Dein Nein nüchtern ohne Schuldgefühle und Zwang Dich zu entschuldigen oder unterstellst Du Dich? Durch die Rechtfertigung soll das eigene Verhalten untermauert und entschuldigt werden. Du “argumentierst”, dass Dein Verhalten richtig war. Du erklärst bei der Begründung jemandem etwas sachlich und nüchtern wohingegen DU DICH bei der Rechtfertigung verteidigst bzw. argumentierst, dass Dein Verhalten richtig war.

 

Also: traue Dich, auch mal Nein zu sagen und entschuldige Dich nicht dafür.

 

Attacke!

Dein Dirk

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Über Dirk Kreuter

Dirk Kreuter ist einer der einflussreichsten Vordenker zu den Themen Vertrieb, Verkauf und Akquise, sowohl online wie offline. Er hält schon seit 1990 begeisternde Vorträge und ist Autor von über 50 Büchern & Hörbüchern.

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